Impfung
Herzmuskelentzündung mit Moderna – so klein ist das Risiko wirklich

Schweden, Finnland und Dänemark haben den Moderna-Impfstoff bei Jungen vorübergehend gestoppt. Grund sind mögliche Zusammenhänge mit Herzmuskelentzündungen. Erste Daten zeigen: Das Risiko ist äusserst klein.

Chantal Stäubli, watson.ch
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In der Schweiz sind mehr als zwei Drittel mit Moderna geimpft.

In der Schweiz sind mehr als zwei Drittel mit Moderna geimpft.

Archivbild: Keystone

Kein Moderna für unter 30-Jährige: Die nordischen Länder Schweden, Dänemark und Finnland setzen den mRNA-Impfstoff Moderna des gleichnamigen Herstellers für Personen, die 1991 und später geboren wurden vorerst bis zum 1. Dezember aus. In Finnland soll die Einschränkung nur für männliche Personen gelten.

1. Warum wird nur der Impfstoff von Moderna ausgesetzt?

Hintergrund der Entscheidung sind einige Berichte, die auf ein Risiko von Myokarditis (Entzündung des Herzmuskels) und Perikarditis (Entzündung des Gewebes, welches das Herz umgibt) bei Personen unter 30 Jahren hinweisen, die mit dem Vakzin Moderna geimpft wurden.

Die schwedische Gesundheitsbehörde erklärte, dass eine nordische Studie ergeben hat, dass zwischen der Moderna-Impfung und Entzündungen am Herzen ein möglicher Zusammenhang bestehe, insbesondere nach der zweiten Dosis. Das Risiko bestehe in der Regel innerhalb der ersten vier Wochen nach der zweiten Dosis, am häufigsten traten die beobachteten Fälle innerhalb der ersten zwei Wochen auf. An der Studie sind Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark beteiligt (mehr dazu bei Punkt 2).

2. Wie hoch ist das Risiko einer Herzmuskelentzündung?

Die schwedische Gesundheitsbehörde teilte mit, dass es sich um eine reine Sicherheitsmassnahme handelt und das Risiko für Herzerkrankungen sehr gering sei. Dies geht auch aus einigen Studien hervor, die aufzeigen, dass eine Infektion mit Covid-19 im Vergleich zur Impfung viel eher Herzprobleme verursacht.

Auch die Dänen betonten, dass die Entzündung im Herzbereich eine extrem seltene Nebenwirkung sei. Zudem soll die Nebenwirkung meist einen milden Verlauf haben und von selbst wieder abklingen.

Konkret beziehen sich die nordischen Länder auf eine noch unveröffentlichte Studie, die derzeit von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) ausgewertete werde. Genaue Zahlen wurden nicht mitgeteilt. Die überprüften Daten seien in ein paar Wochen zu erwarten.

3. Sind Männer stärker von Herzmuskelentzündungen betroffen?

In Finnland wird das Vakzin von Moderna nur bei Männern ausgesetzt. Begründet wird dies damit, dass junge Männer häufiger von Myokarditis und Perikarditis betroffen seien als Frauen. Konkrete Zahlen werden nicht genannt. Einige Daten dazu liegen in Israel vor, jedoch nur zum Vakzin von Pfizer/Biontech.

4. Kommt es nur bei Moderna zu Herzmuskelentzündungen?

Israel verimpft nur Impfdosen von Pfizer/Biontech. Und auch da sind ein paar wenige Fälle von Herzmuskelentzündungen aufgetreten. Gemäss einer Studie der israelischen Gesundheitsorganisation sind unter 2,5 Millionen geimpften Personen 54 an einer Myokarditis erkrankt. In den meisten Fällen wurde die Krankheit als leicht beschrieben. Die höchste Inzidenz von Myokarditis wurde bei männlichen Patienten im Alter zwischen 16 und 29 Jahren festgestellt.

Die beiden mRNA-Impfstoffe von Moderna und Pfizer/Biontech.

Die beiden mRNA-Impfstoffe von Moderna und Pfizer/Biontech.

Rogelio V. Solis / AP

5. Warum ist der Moderna-Impfstoff bei Jungen «gefährlicher»?

Einige Studien kommen zum Schluss, dass der Unterschied der beiden mRNA-Impfstoffe womöglich in der Dosierung der beiden Impfstoffe liegt. Sowohl Moderna als auch Pfizer/Biontech vertreiben mRNA-Impfstoffe. Trotzdem weisen sie einige Unterschiede auf, unter anderem in ihrer Konzentration.

Der Biontech/Pfizer-Impfstoff wird vor der Verwendung mit einer Natriumchlorid-Lösung verdünnt. Jede Dosis enthält 30 Mikrogramm Impfstoff. Der Impfstoff von Moderna hingegen wird bereits gebrauchsfertig geliefert und enthält 100 Mikrogramm Impfstoff.

6. Schützt Moderna nicht besser als Pfizer/Biontech?

Schaut man die Zahlen der Impfdurchbrüche in der Schweiz an, zeigt sich, dass es bei Moderna zu weniger Impfdurchbrüchen kommt und damit besser schützt. Von 100’000 Moderna-Geimpften kam es bisher trotz Impfung zu 39,4 Ansteckungen. Bei Pfizer/Biontech waren es mehr als doppelt so viele, sprich 98,6 Ansteckungen. (Quelle: BAG, Stand: 7. Oktober 2021)

7. Sind auch in der Schweiz Fälle von Myokarditis und Perikarditis aufgetaucht?

Hierzulande sind mehr als zwei Drittel mit Moderna geimpft worden. Kein anderes Land verzeichnet einen höheren Anteil. Der Arzneimittelbehörde Swissmedic liegen aktuell 96 Meldungen von Myokarditis und Perikarditis bei etwa 9,2 Millionen verimpften Dosen vor. Bei welchem Impfstoff die Nebenwirkungen vermehrt auftreten, ist nicht bekannt.

In der Regel soll die Nebenwirkung innerhalb von 14 Tagen nach der Impfung auftreten, am häufigsten aber nach der zweiten Impfung. Junge Männer sollen auch in der Schweiz öfters davon betroffen sein.

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