INDUSTRIE
Der Gallus-Deal der Nidwaldner Benpac ist geplatzt – Heidelberg wird «seine Rechte geltend machen»

Mit der Übernahme der St.Galler Traditionsfirma Gallus wollte die Stanser Benpac-Gruppe einen wichtigen Expansionsschritt machen. Doch der Verkauf wird jetzt doch nicht vollzogen. Nun prüft Heidelberg Ansprüche auf Schadenersatz.

Christopher Gilb und Maurizio Minetti
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Der Gallus-Hauptsitz in St. Gallen. Vorerst wird das Traditionsunternehmen nun Teil der Heidelberger Druckmaschinen AG bleiben.

Der Gallus-Hauptsitz in St. Gallen. Vorerst wird das Traditionsunternehmen nun Teil der Heidelberger Druckmaschinen AG bleiben.

Bild: Ralph Ribi (4. Januar 2021)

Im Juli hatte die Stanser Benpac-Gruppe bekannt gegeben, das St.Galler Traditionsunternehmen Gallus mit gruppenweit über 400 Angestellten von der Heidelberger Druckmaschinen AG (Heidelberg) zu kaufen. Doch bis heute konnte der 120-Millionen-Euro-Deal nicht abgeschlossen werden. Nun teilte Heidelberg am Freitagabend mit, dass der Verkauf der Gallus-Gruppe an Benpac nicht vollzogen werde.

Benpac habe die zum heute terminierten Closing vereinbarte Kaufpreiszahlung in Höhe von 120 Millionen Euro nicht geleistet, obwohl hierfür «alle Voraussetzungen vorlagen», wie es in der Mitteilung heisst. Und weiter: «Heidelberg wird seine Rechte geltend machen.» Auf Anfrage präzisiert ein Sprecher des börsenkotierten deutschen Unternehmens, dass «insbesondere Ansprüche auf Schadenersatz» geprüft werden. Man habe bis zuletzt davon ausgehen müssen, dass sich der Käufer an die vertraglichen Pflichten hält. «Nun war der Zeitpunkt gegeben, Klarheit für unsere Kunden und Mitarbeiter zu schaffen», so der Heidelberg-Sprecher weiter. Er betont, dass bis dato keinerlei Vermögenswerte der Gallus an Benpac übertragen worden sind.

Die fünf Standorte und rund 430 Mitarbeiter der Gallus-Gruppe verbleiben damit vorerst bei Heidelberg. Für die Kunden von Gallus ändert sich gemäss der Mitteilung nichts: Heidelberg führe den Vertrieb und Service des Gallus-Portfolios fort, die Ansprechpartner bleiben die gleichen. «Für die unternehmerische Zukunft von Gallus wird Heidelberg jetzt verschiedene Optionen prüfen», heisst es in der Mitteilung weiter. Auf jeden Fall werde Gallus seinen Weg zur Steigerung der operativen Performance weiter fortsetzen: Mit einer eigenständigen Aufstellung und spezifischem Fokus auf seinen Markt im Flexo-Druck habe Gallus unter dem Dach von Heidelberg im vergangenen Jahr «gute operative Fortschritte gemacht».

Heidelberg hat Zahlungsfähigkeit des Käufers geprüft

Unsere Zeitung hatte in den letzten Monaten mehrfach über fragwürdige Vorgänge bei Benpac berichtet. Mehrere ehemalige Geschäftspartner, Mitarbeiter und externe Berater haben die vermeintliche Erfolgsgeschichte von Benpac in Frage gestellt und über ausstehende Zahlungen berichtet sowie die eigentliche Grösse des Unternehmens in Frage gestellt. Benpac-Besitzer Marco Corvi wies die Vorwürfe stets zurück. Erst vor rund einem Monat musste Heidelberg bekannt geben, dass sich der Gallus-Deal um einen Monat verzögere. Kurz davor waren bei Benpac zwei Verwaltungsräte zurückgetreten und auch die Revisionsstelle gab ihr Mandat ab.

Damals teilte Heidelberg mit, dass Marco Corvi zur Sicherstellung der Kaufpreiszahlung gegenüber Heidelberg «persönliche notarielle Schuldanerkenntnisse in Höhe des insgesamt ausstehenden Kaufpreises von 120 Millionen Euro» abgegeben habe. Was bedeutet dies nun, da der Deal geplatzt ist? Ein Experte im Bereich des Wirtschaftsrechts skizziert eine der möglichen Konsequenzen: «Heidelberg könnte künftig doch noch beschliessen, Gallus zu verkaufen. Benpac müsste in diesem Fall allenfalls die Differenz zwischen den 120 Millionen Euro und dem dannzumal erzielten Verkaufspreis bezahlen.» Dass ein Kaufvertrag abgeschlossen wird und der Käufer dann später nicht zahlen kann, ist laut dem Experten sehr unüblich, denn: Im Firmenumfeld prüft ein Verkäufer den Käufer stets auf Herz und Nieren, bevor er eine Transaktion abschliesst, gerade wenn es sich beim Käufer um ein in der Branche eher unbekanntes Unternehmen handelt. Bei Heidelberg heisst es dazu auf Anfrage: «Die Zahlungsfähigkeit des Käufers wurde geprüft.»

Benpac konnte für eine Stellungnahme am Freitagabend nicht erreicht werden.

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