Gestern um 10 Uhr war es soweit: Das Konkursamt hat den Konkurs über den Küchenbauer Piatti verhängt. Nachdem der deutsche Mutterkonzern Alno bereits im Juli Insolvenz anmelden musste, trifft es nun auch die Schweizer Tochter. Betroffen von der Pleite des grössten Küchenanbieters in der Schweiz sind 150 bis 180 Mitarbeiter, wie Esther Züst vom Konkursamt Wallisellen auf Anfrage sagte. Noch habe man sich aber keinen Gesamtüberblick verschaffen können. Die Angestellten werden nächste Woche informiert, wie es auf der Website der Firma heisst. Recherche zeigen, dass Bruno Piatti noch im Juli 175 Vollzeitstellen hatte.

Erst Ende letzter Woche verkündete Piatti nach Recherchen der «Nordwestschweiz», dass Forster Küchen rückwirkend auf den 1. September verkauft worden sei. Ausgerechnet an Max Müller, ehemaliger Vorstandschef des Mutterkonzerns Alno. Müller soll laut Medienberichten auch an einer Übernahme von Alno interessiert sein. In der Medienmitteilung wurde damals darauf verwiesen, dass man sich nun darauf konzentriere, die Traditionsmarke Piatti weiterzuführen. Diese Hoffnung hat sich nun endgültig zerschlagen. Wie ein Brancheninsider sagt, seien noch diese Woche Verhandlungen mit ausländischen Küchenbauern angestanden. Zwei deutsche und ein französischer Küchenbauer hätten Angebote für Piatti unterbreitet. Doch diese waren offenbar zu tief.

2017 bereits 7 Millionen Verlust

Die Zahlen von Piatti sprechen derweil eine deutliche Sprache. In Verkaufsunterlagen, mit denen Piatti potenziellen Käufern angeboten wurde und dieser Zeitung vorliegen, ist ein starker Umsatzeinbruch zu sehen. Als Beispiel lassen sich die Zahlen des Umsatzes im Fachhandel vergleichen. Seit 2012 ist dieser von 31 Millionen Franken auf 19 Millionen (Budget 2017) geschrumpft. Der Gesamtumsatz betrug 2016 130 Millionen Franken. In diesem Jahr hat Piatti per Ende Mai bereits einen Verlust von 7 Millionen Franken eingefahren. Im letzten Jahr lag der Verlust bei rund 10,5 Millionen Franken (Ebit).

Laut den Verkaufsunterlagen hat Piatti für Juli bis Dezember einen Auftragsbestand von 37 Millionen; für das nächste Jahr waren zudem bereits Aufträge von rund 15 Millionen vorhanden. Diese müssen nun von anderen Küchenbauern übernommen werden. Brancheninsider sprechen übereinstimmend von schweizweit 4000 bis 6000 bestellten Küchen, welche Piatti nicht liefern könne.

Seit dem Verkauf an die deutsche Alno ging es bergab mit der Traditionsmarke Piatti, die 1948 gegründet wurde. Mit dem Entscheid, nicht mehr in der Schweiz zu produzieren sei ein fataler Fehler passiert, sagt ein Brancheninsider. Denn das Schweizer Geschäft unterscheide sich stark vom Küchengeschäft in Deutschland. 69 Prozent des Umsatzes machte Piatti im vergangenen Jahr im sogenannten Objektgeschäft. Dabei werden im grossen Stil Küchen von Generalunternehmer, etwa für Überbauungen eingekauft. Dieses Geschäftsmodell ist in Deutschland praktisch nicht existent. Dort ist es üblich, dass die Bewohner die Küche erst beim Einzug selber kaufen und einbauen lassen. Deshalb habe Alno in diesem Bereich keine Erfahrung gehabt, was etwa zu Lieferverzögerungen und Qualitätsmängeln führte. Dadurch habe auch der gute Ruf von Piatti gelitten, heisst es aus Branchenkreisen. Zudem kam es zu einer Abgangswelle bei Piatti, was die Situation noch verschärfte.

Die Probleme bei Bruno Piatti waren seit längerer Zeit bekannt. Im März wurde klar, dass sich Piatti von Forster Küchen trennen und 60 Stellen abbauen will. Im August wurde Bruno Piatti in die Nachlassstundung geschickt.