Entlassungen

Kahlschlag: Beim Basler Logistikkonzern Panalpina werden 165 Stellen gestrichen

Am Panalpina-Hauptsitz in Basel kommt es zu einem massiven Stellenabbau: 165 von rund 300 Jobs fallen weg.

Am Panalpina-Hauptsitz in Basel kommt es zu einem massiven Stellenabbau: 165 von rund 300 Jobs fallen weg.

Im Frühjahr wanderte der Logistikkonzern in dänische Hände – jetzt fallen über die Hälfte der Stellen am Hauptsitz weg. Es kommt auch zu Entlassungen.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Schweizer Logistikunternehmens Panalpina am Hauptsitz in Basel beginnt das grosse Zittern: Mehr als die Hälfte der rund 300 Arbeitsplätze werden bis Mitte nächsten Jahres gestrichen. Das geht aus einem internen Dokument hervor, das der Redaktion CH Media vorliegt.

Betroffen sind 165 Mitarbeiter. In der Gesellschaft Panalpina Management sollen bis Ende Jahr 100 Stellen abgebaut werden. 52 weitere kommen bis Mitte 2020 hinzu. In zwei weiteren Gesellschaften sind es nochmals 13 Stellen. Eine Sprecherin der neuen Eigentümerin, der dänischen DSV, bestätigte die Zahlen am Freitag. 165 seien es maximal, fügte sie an. «Es könnten auch weniger sein.»

Wahrscheinlich werde es zu Kündigungen kommen, so die Sprecherin weiter. Mitarbeiter, in deren Bereichen es zu Überschneidungen kommt, seien bereits darüber informiert worden. Für die betroffenen werde es einen Sozialplan geben. Nun hat Panalpina das Konsultationsverfahren gestartet: Mitarbeiter sind angehalten, Vorschläge zu machen, wie solche Überschneidungen vermieden oder zumindest abgemildert werden können. Dies sei bis zum kommenden Freitag möglich, heisst es in einem Brief an die Mitarbeiter, der dieser Zeitung ebenfalls vorliegt. Das ist eine vergleichsweise kurze Frist.

Überschneidungen dürfte es besonders im IT-Bereich geben, heisst es in dem Brief. Stellenstreichungen und -verlagerungen an den neuen Hauptsitz in Dänemark «werden sehr wahrscheinlich unvermeidbar sein».

Schweizer Traditionsfirma in dänischer Hand

Panalpina beschäftigt weltweit rund 14 000 Mitarbeiter, 300 davon am Hauptsitz in Basel. Bis zum Frühjahr dieses Jahres war die Ernst-Göhner-Stiftung mit Sitz in Zug die grösste Aktionärin des Logistikkonzerns. Sie hielt knapp die Hälfte der Anteile. Vor allem die Nummer zwei drängte damals auf den Verkauf: Der aktivistische Investor Cevian (rund 12 Prozent), der unter anderem beim Industriekonzern ABB für Aufsehen sorgte. Die Schweden forderten lautstark auf eine Abspaltung eines grossen Geschäftszweiges, nämlich der Stromübertragung, und waren letztlich auch erfolgreich.

Bei Panalpina ging es nicht nur um die Abspaltung einer Sparte, sondern um den Verkauf des Unternehmens. Anfang April einigte man sich nach monatelangem Hin und Her mit dem Käufer: dem dänischen Logistikkonzern DSV. Für den sehr stolzen Preis von 4,6 Milliarden Franken schlugen die Dänen schliesslich zu.

Viertgrösster Logistikkonzern der Welt

Das erste Angebot für den Schweizer Traditionskonzern lancierte DSV bereits im Januar. 170 Franken pro Aktie war den Panalpina-Eigentümern jedoch zu wenig. Die Dänen erhöhten auf 180 Franken – und blitzten erneut ab. Die Ernst-Göhner-Stiftung wehrte sich damals noch eine ganze Zeit gegen die Übernahme. Eine kräftige Prämie hinterliess bei der Hauptaktionärin dann aber doch Wirkung. DSV und Panalpina einigten sich auf einen Aktientausch: 2375 DSV-Aktien für eine Panalpina-Aktie. Letztere bekam damit einen Wert von 195,80 Franken.

Beat Walti, der den Stiftungsrat der Ernst-Göhner-Stiftung präsidiert, sitzt heute als einziger Schweizer im Verwaltungsrat des Konzerns. Der Zürcher sitzt für die FDP im Nationalrat. Panalpina kam 2018 auf einen Umsatz von gut 6 Milliarden Franken – halb so viel wie DSV. Das neue Unternehmen DSV Panalpina A/S ist seit der Übernahme der viertgrösste Logistikkonzern der Welt mit knapp 18 Milliarden Franken Umsatz und 60 000 Mitarbeitern in 90 Ländern.

Die Integrationsphase dauere nun zwei bis drei Jahre, teilt die DSV-Sprecherin weiter mit. Auf der operativen Ebene seien, anders als im Panalpina-Hauptquartier in Basel, keine grossen Überschneidungen zu erwarten. Der Grund für die Integration sei schliesslich Wachstum des Konzerns.

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Autor

Fabian Hock

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