Wirtschaftsflaute

Kein Einheitsbrei in der Wirtschaft

Krise Vier Chefs geben einen tieferen, individuellen Einblick: Walter Wirth, AEK Energie AG Solothurn, Adrian Flury, Arthur Flury AG Deitingen, Max Diggelmann, Stahl Gerlafingen AG, und Alex Naef, Carrosserie Hess AG Bellach (v. l. n. r.).

27_industrie_fhe.jpg

Krise Vier Chefs geben einen tieferen, individuellen Einblick: Walter Wirth, AEK Energie AG Solothurn, Adrian Flury, Arthur Flury AG Deitingen, Max Diggelmann, Stahl Gerlafingen AG, und Alex Naef, Carrosserie Hess AG Bellach (v. l. n. r.).

Wie vielschichtig die Solothurner Industrie ist, zeigt sich auch in diesen rezessiven Zeiten. Denn die Spuren der Flaute sind unterschiedlich tief. Der Bellacher Carrosseriebauer Hess etwa hat volle Auftragsbücher bis Ende 2010.

Franz Schaible

Noch vor einem Jahr waren am selben Anlass andere Töne zu hören. Die Schweiz werde «eine normale zyklische Abkühlung» erleben. Oder «wir reden den Abschwung selber herbei». Inzwischen hat sich die Lage an der Wirtschaftsfront geändert: «Wir befinden uns mitten in der Krise, die uns mit voller Wucht trifft», sagte Präsident Adrian Flury an der ges-trigen Generalversammlung des Indus-trieverbandes Solothurn und Umgebung (Inveso) im Schloss Waldegg. Dass dies nicht auf jede Firma zutrifft, zeigten die Referate am Podium unter dem Titel «Wirtschaftskrise: Solothurner Industrievertreter nehmen Stellung».

Hess AG: Ausgelastet bis 2010

«Von der globalen Wirtschaftskrise sind wir bislang weitgehend verschont geblieben», erklärte etwa Alex Naef, Chef der Carrosserie Hess AG in Bellach. Der Bus- und Carrosseriebauer profitiere davon, dass «der umweltgerechte öffentliche Verkehr sehr hoch im Kurs steht». Der Bestellungseingang sei so gut, dass «die Auftragsbücher bis Ende 2010 gefüllt sind». Die Produktion soll mit der Optimierung der Abläufe um zehn bis 20 Prozent erhöht werden. Hess werde im laufenden Jahr einen Umsatz von rund 110 Millionen Franken erwirtschaften und damit das bisherige Rekordjahr 2008 übertreffen. Der Personalbestand werde nicht nur gehalten, sondern «um einige Stellen gezielt ausgebaut».

Im Gegensatz dazu ist die Stahl Gerlafingen AG massiv betroffen. Chef Max Diggelmann nannte Zahlen für die ersten vier Monate 2009: Der Auftragseingang für Industriestahl und Matten brach um je rund 75 Prozent ein, beim Betonstahl liegt er knapp auf Vorjahr. Die Produktionsmenge ist deutlich rückläufig, wie auch der Verkaufserlös. Das Betriebsergebnis wandelte sich von einem Gewinn (29,1 Mio. Franken) in einen Verlust von 5,4 Millionen.

Vor diesem Hintergrund habe man Personalmassnahmen ergreifen müssen. Alle Temporärangestellten (rund 35) sind «abgebaut» worden und Kurzarbeit für inzwischen 180 Beschäftigte eingeführt. Festangestellte seien hingegen keine entlassen worden und «es sind zur Zeit auch keine solchen Mass-nahmen geplant». Die Zukunft malt Diggelmann aber düster: «Ich sehe keine Besserung. Der Tiefpunkt ist nicht erreicht, die Lage wird sich weiter verschlechtern.»

Deutlich entspannter kann sich Walter Wirth, Chef der Solothurner AEK Energie AG, geben. Die Energie sei zwar krisenresistent, trotzdem gebe es Einflüsse für einen Versorger. So sei der Stromabsatz im ersten Quartal bei den Grosskunden um zwölf Prozent (ohne Borregaard) gesunken. Fast stabil blieb er im Kundensegment KMU und Private. Ferner sei im Bereich Elektrinstallationen der Arbeitsvorrat um zehn Prozent gesunken. Trotzdem: Ein Personalabbau sei kein Thema, sondern vielmehr ein leichter Aufbau mit einigen Spezialisten.

Breit diversifiziert und in Nischen

Auch Adrian Flury, Patron der Arthur Flury AG in Deitingen, bezeichnet die Auswirkungen als «relativ gering». Mit seinen Produkten für den Fahrleitungsbau, den Gebäudeblitzschutz und die Verbindungstechnik sei der Familienbetrieb breit diversifiziert und in Nischenmärkten tätig. Ähnlich wie die Carrosserie Hess ist auch die Flury AG auf den boomenden öffentlichen Verkehr ausgerichtet. Trotzdem, so Flury, bereite man sich auf härtere Zeiten vor. «Die Krise ist zwar bei uns noch nicht gross angekommen, aber sie wird kommen, spätestens dann, wenn Bahninfrastrukturprojekte zurückgefahren werden.»

Meistgesehen

Artboard 1