Gastkolumne
Neues Medium? Nieder damit! Der vorschnelle Verriss des «Nebelspalters»

Kolumnist Kurt W. Zimmermann über die Reaktionen der Medien auf den neuen digitalen «Nebenspalter» von Verleger Markus Somm.

Kurt W. Zimmermann
Drucken
Teilen
Kurt W. Zimmermann

Kurt W. Zimmermann

Bild: Ludwig Thalheimer / Lupe / info@Lupe.it

Nehmen wir mal an, eine neu lancierte Zeitschrift kommt auf den Markt. Für die Journalisten, die sonst stets die Medienkrise beklagen, müsste es ein Tag der Freude sein. So kann man sich täuschen. Als der neue «Nebelspalter» nun erstmals erschien, war es für die Journalisten ein Tag des Abscheus.

Die Zeitungen des CH Media-Konzern etwa verrissen den «Nebelspalter» als «Sturzgeburt» und «Feuerwerk der Ideenlosigkeit». Die Blätter des Tamedia-Konzerns machten ihn als «halbgar und lauwarm» nieder.

Warum hauen ausgerechnet Journalisten ein neues Medienangebot dermassen gehässig in die Pfanne? Die Antwort führt uns in die Journalistenseele. Die meisten Journalisten sind Beamtentypen ohne jeden Unternehmergeist. Am liebsten sitzen sie festangestellt auf der Redaktion und warten auf den gesicherten Monatslohn.

Journalisten können darum Journalisten nicht leiden, die es wagen, Unternehmer werden. Sie mögen Markus Somm nicht, der nun mit seinem «Nebelspalter» zum Unternehmer wurde, sie mögen «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel nicht und sie mögen auch den früheren Journalisten Marc Walder nicht, der es zum Mitbesitzer von Ringier brachte.

Die vorschnellen Verrisse des «Nebelspalters» sind darum eine Art branchentypischer Eifersüchtelei. Da traut sich einer etwas, was man sich selber nie trauen würden. Nieder damit.

Kurt W. Zimmermann ist Medienkolumnist der «Weltwoche».

Aktuelle Nachrichten