Kommentar
Zuckersünder sollen endlich in die Pflicht genommen werden

Es ist höchste Zeit, dass Süssgetränkehersteller sich in der Schweiz zur Reduktion des Zuckergehalts in ihren Produkten verpflichten.

Gregory Remez
Gregory Remez
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Getränke tragen einen gewichtigen Teil zur Zuckerzufuhr in der Bevölkerung bei.

Getränke tragen einen gewichtigen Teil zur Zuckerzufuhr in der Bevölkerung bei.

Bild: Dominik Wunderli

Im Grunde genommen wissen wir es seit kleinauf. Zu viel Zucker ist ungesund. Er macht dick, was wiederum Erkrankungen wie Diabetes befördert und die Gesundheitskosten in die Höhe treibt. Trotzdem essen wir zu viel davon. Schweizerinnen und Schweizer verzehren mit 110 Gramm Zucker täglich mehr als das Doppelte der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Menge.

Trotz zahlreicher Bemühungen seitens Konsumentenschützer und Wissenschafter ist der Zuckerkonsum in den letzten 40 Jahren nicht gesunken. Umso erstaunlicher ist es, dass die Schweiz erst seit 2015 überhaupt so etwas wie einen Plan zur Zuckerreduktion in Lebensmitteln kennt. In der sogenannten Erklärung von Mailand haben sich inzwischen 14 Schweizer Unternehmen verpflichtet, den Zuckergehalt in bestimmten Produkten bis 2024 zu senken.

Noch erstaunlicher scheint vor diesem Hintergrund, dass bisher nur Joghurts und Müesli Teil dieser Erklärung waren. Andere Lebensmittelgruppen wie Getränke, die weit mehr zur Zuckerzufuhr in der Bevölkerung beitragen, blieben aussen vor. Bei der Frage nach den Gründen schieben sich Behörden und Getränkeindustrie gegenseitig den Schwarzen Peter zu.

Diesen Herbst könnte jedoch endlich Bewegung in die Sache kommen: Nach einer Initiative auf europäischer Ebene dürfte es auch in der Schweiz einen neuen Anlauf zur Zuckereduktion in Getränken geben. Es ist höchste Zeit, dass Süssgetränkehersteller auch hierzulande in die Pflicht genommen werden – und sich zu festen Reduktionszielen verpflichten. Das System der Freiwilligkeit hat sich überholt.

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