Kommt der Pöstler bald nicht mehr?
Kommt der Briefträger bald nicht mehr?

Die Post startet ins nächste Jahrhundert. Der Gelbe Riese bietet seinen Kunden ab sofort einen eigenen Handy-Briefkasten an. Zudem können Postkunden übers Gerät auch gleich noch ihre Zahlungen erledigen.

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Vasilije Mustur

Die Schweizerische Post holt zur Revolution aus. Neu bietet der Gelbe Riese seinen Kunden einen eigenen Briefkasten über das Handy an. Konsumenten können sich über ein Benutzerkonto von «Swiss Post Box» für den Dienst anmelden

Damit veranlassen sie, dass Post-Mitarbeiter in Mülligen ihre Briefe öffnen, sie danach einscannen und auf das Handy des Konsumenten schicken. So kann der Kunde seine Post bequem digital lesen - sogar im Urlaub weit weg von zuhause.

Temporär oder für immer

Dieser Dienst lässt sich entweder temporär oder dauerhaft einrichten. «Die Kunden können während ihrer Ferienabwesenheit die Briefe über das Telefon lesen und nach ihrer Rückkehr das Angebot wieder kündigen», sagt Post-CEO Jürg Bucher.

Zudem kann der Kunde neben dem Lesen seiner Briefe die Standorte der einzelnen Poststellen abfragen und nachlesen, wie lange diese noch geöffnet haben. Ausserdem besteht bereits seit zwei Monaten die Möglichkeit über das Handy Zahlungen und Kontoabfragen via PostFinance, oder Bestellungen von Strafregisterauszügen über die Post zu bestellen. In sechs Wochen soll die Technologie auch für Apple Geräte wie das iPhone oder iPad verfügbar sein.

95 Franken für 4000 Briefe

Der Preis für die neue Applikation sind unterschiedlich. So muss der Kunde eine einmalige Aufschaltgebühr von 25 Franken bezahlen. Danach kostet die Dienstleistung je nach Angebot zwischen 25 bis 95 Franken pro Monat. Dabei sind im Angebot für 95 Franken 4000 Brief-Scans inbegriffen.

Die Entwicklungskosten und der Personalaufwand lässt sich indes schwer abschätzen. «Es ist aber sicher so, dass wir pro Jahr ein paar hundert Millionen Franken in neue Technologien investieren und wir bei diesem Projekt von den 1100 Informatikern und dem Know-How von PostFinance im E-Bereich profitiert haben», sagt Bucher.

Bald schon in Südafrika und Australien?

Die neue Errungenschaft des Gelben Riesen soll auch dazu dienen, die rückläufigen Umsätze mit der Briefpost kompensieren. Zur Erinnerung: Letztes Jahr gingen die Briefsendungen um 4,7 Prozent zurück. Deshalb bereitet Post-Chef Bucher diese Sparte auch weiterhin Sorge.

Die Erfindung mit dem Handy-Angebot könnte sich schon bald im Ausland auszuzahlen. So sollen laut Bucher diverse ausländische Anbieter grosses Interesse an der elektronischen Post haben. «Wir sind im Kontakt mit der Post aus Südafrika und Australien.» Es zeichnet sich also ab, dass die Schweizerische Post ihre Technologie diesmal lukrativ weiterverkaufen kann.