Corona-Virus

Kompletter Buchungseinbruch: Swiss streicht jeden zweiten Flug

Bleiben in nächster Zeit vermehrt am Boden: Swiss-Flieger am Flughafen Zürich.

Bleiben in nächster Zeit vermehrt am Boden: Swiss-Flieger am Flughafen Zürich.

Wie der Mutterkonzern Lufthansa reduziert auch die Swiss ihre Kapazität um 50 Prozent. Einstellungsstopp und Kurzarbeit werden geprüft, die Umbuchungsmodalitäten für Kunden gelockert.

Der Lufthansa-Konzern mit ihrer Tochter Swiss greift wegen des heftigen Nachfrageeinbruchs infolge der Corona-Epidemie zu drastischen Massnahmen. Der Flugplan wird rigoros zusammengestrichen. In den nächsten Wochen werde die Kapazität um bis zu 50 Prozent reduziert werden, teilte Lufthansa am Freitag mit. Dabei wolle man die weitere Entwicklung der Nachfrage beobachten. Die Massnahme diene dazu, die finanziellen Folgen des Nachfrageeinbruchs zu verringern. Mittlerweile seien von den Buchungseinbrüchen alle Verkehrsgebiete betroffen, schreibt Lufthansa in ihrer Mitteilung.

Die Swiss ihrerseits gab darauf bekannt, dass sie im März und April ihre Kapazitäten ebenfalls um bis zu 50 Prozent verringern werde. Die Streichungen betreffen vor allem die Kurzstrecken-Verbindungen. Während die Lufthansa ihre Mitarbeiter in Zwangsurlaub schicken will, ist das bei der Swiss noch kein Thema. «Wir prüfen verschiedene Massnahmen, um die Kosten zu reduzieren», sagt Swiss-Sprecherin Karin Müller auf Anfrage. Mögliche Massnahmen seien ein Einstellungsstopp oder die Einführung von Kurzarbeit. Noch sei aber nichts entschieden. Die Swiss werde Anfang Woche über weitere Schritte informieren.

Ebenfalls noch nicht entschieden sei, welche Flugverbindungen gestrichen werden. Aktuell werden die Flugverbindungen und deren Auslastung geprüft. Es treffe sowohl die Kurz- als auch die Langstrecken, sagt Müller. Hauptsächlich werde es aber die Verbindungen an Flugziele in Europa treffen. «Wir streichen aber nicht einfach jede zweite Destination», betont die Swiss-Sprecherin. Es sei vielmehr ein Ausdünnen des Netzes. Zudem werde der Lufthansa-Konzern Flüge bündeln, um möglichst viele Destinationen weiterhin anbieten zu können.

Kostenloses Umbuchen bis Ende März 2020

Mit dem Streichen von de facto jedem zweiten Flug lockert die Swiss auch ihre Umbuchungsbestimmungen. Ab sofort und bis zum 31. März verzichtet der Konzern bei allen neu gebuchten Flügen weltweit auf die Umbuchungsgebühren. Fluggäste können ihr Flugticket einmal ohne Gebühr auf ein neues Datum bis zum 31. Dezember 2020 umbuchen.

Der Branchenverband IATA hatte bereits am Donnerstag den möglichen Umsatzeinbruch im weltweiten Passagiergeschäft auf eine Spanne zwischen 63 Milliarden und 113 Milliarden Dollar geschätzt. Das ist fast ein Fünftel des gesamten Volumens und sei mit dem Einbruch während der Finanzkrise 2008/ 2009 vergleichbar. Die Auswirkungen auf das Frachtgeschäft seien unklar.

Auf die Lufthansa und ihre Fluggesellschaften könnten weitere Belastungen zukommen, wenn Ticketinhaber bei kurzfristigen Flugabsagen oder Verspätungen Entschädigungen nach der EU-Fluggastrichtlinie 261 verlangen. Während sich die Airlines auf aussergewöhnliche Umstände berufen, die sie von Entschädigungen entbänden, sehen Internet-Fluggastportale gute Chancen auf Entschädigungen im Bereich von 250 bis 600 Euro. «Es wird sicherlich zu vermehrten Streitigkeiten kommen, ob aufgrund des Corona-Virus annullierte Flüge einen berechtigten Anspruch auf Ausgleichszahlung darstellen», sagt Heinz Klewe, Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr.

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Autor

Roman Schenkel

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