Übernahme

Krise in der Möbelbranche: So hat es sich Möbel Hubacher eingerichtet

Stuhl und Anfangsbuchstabe zugleich: Hermann Hubacher zieht 1982 von Basel nach Rothrist an die Autobahn, um die ganze Schweiz zu beliefern. Keystone/Urs FlüeleR

Stuhl und Anfangsbuchstabe zugleich: Hermann Hubacher zieht 1982 von Basel nach Rothrist an die Autobahn, um die ganze Schweiz zu beliefern. Keystone/Urs FlüeleR

Möbel Pfister kauft Möbel Hubacher – und zeigt damit auch, wie der Möbelmarkt momentan leidet. Die zehn grössten Händler machen in der Schweiz über 80 Prozent des Umsatzes.Beispiele dafür, dass sich der Kampf irgendwann nicht mehr lohnt, gibt es auch.

Hannes Vifian muss sich ein ruhiges Plätzchen suchen, um zu telefonieren. Als die Nordwestschweiz den Präsidenten von Möbel Schweiz via Mobiltelefon erreicht, sitzt er inmitten von – genau: Möbeln, an der Möbelmesse Schwyz. Slogan: «Erfolg lässt sich einrichten!» – Grundregel: «Eintritt nur für Fachhändler!» Ja, natürlich seien Pfister und Hubacher «ein grosses Thema hier». Denn: «Die Industrie ist mit beiden Firmen verbandelt, fast alle Schweizer Hersteller sind bei Pfister und Hubacher Lieferanten», sagt Vifian.

Seine erste Reaktion, als er von der Übernahme erfuhr: «Schön, geht es weiter. Hubacher ist ein gutes Haus, mit einer feinen Familie dahinter und einem guten Standort.» Besonders freue ihn die Ankündigung der Pfister Arco Holding AG, das Möbelhaus in Rothrist unverändert weiterführen zu wollen. Name, Standort und Mitarbeitende sollen bleiben.

So steht es in der Medienmitteilung, die die Unternehmen gestern gemeinsam verschickten. Vifian glaubt, dass es Möbel Pfister mit dem Versprechen ernst meint – und sagt dann doch: «Ich hoffe sehr, dass es wirklich so ist.» Verwaltungsratspräsidentin Ursula Medina-Hubacher wird im Communiqué zitiert: «Wir haben mit der Pfister-Gruppe unseren Wunschpartner gefunden.» Laut Pfister-Verwaltungsratspräsident Rudolf Obrecht waren «die starke regionale Verankerung und die ausgezeichnete Lage» ausschlaggebend. Über den Kaufpreis wird vereint geschwiegen.

Grosse Fusion: Die Pfistergruppe kauft den Möbel Hubacher auf – so beurteilt der Direktor des Dachverbands Möbel Schweiz die Situation.

Grosse Fusion: Die Pfistergruppe kauft den Möbel Hubacher auf – so beurteilt der Direktor des Dachverbands Möbel Schweiz die Situation.

Die Österreicher abgewimmelt?

Der Möbelmarkt Schweiz wird dieser Tage ziemlich umgestellt. Wie eine Wohnwand stehen bleibt als einzige die Ikea auf Platz 1, mit einem geschätzten Jahresumsatz von einer Milliarde Franken. Dahinter wird neu eingerichtet. Die zehn grössten Möbelhändler machen in der Schweiz über 80 Prozent des Umsatzes. Lange war Möbel Pfister mit vier Tochtergesellschaften und einem Jahresumsatz von 600 Millionen Franken die Nummer 2. Seit Sommer aber wird Pfister überholt – von Conforama und Lipo mit Sitz in Reinach BL. 

Der Grund: Beide gehören zur südafrikanischen Steinhoff-Gruppe. Und weil sich diese entschied, sich mit der französischen Kette Fly aus der Schweiz zurückzuziehen, und aus den Fly-Läden Conforama- und Lipo-Filialen zu machen, ist das Paar jetzt grösser als Pfister. In Pratteln eröffnet Lipo 2016 eine neue Firmenzentrale mit 4000 Quadratmetern Laden. Ob die Hubacher-Übernahme an der Rangliste wieder etwas ändert, ist unklar: Umsatzzahlen von Möbel Hubacher werden keine kommuniziert, mit 30 000 Quadratmetern gilt er aber als grösstes Einrichtungshaus im Land (siehe Box). Dahinter mischen Migros mit Micasa und Interio sowie Coop mit Toptip mit. Weiterer Nordwestschweizer Vertreter in den Top-Ten ist Möbel Märki in Hunzenschwil. 

Ist die Nachfolgeregelung für Möbel Hubacher also auch eine Rettung ins Trockene? Gründe gäbe es genug: Die Einkaufstouristen fehlen als Kunden, wer bleibt, fordert Euro-Rabatte, Importmöbel (Anteil: 70 Prozent) sind bis zu 20 Prozent günstiger geworden. Möbel-Schweiz-Präsident Hannes Vifian sagt es so: «Die ganze Branche ächzt und stöhnt momentan.» Veränderungen seien normal, das Problem sei das Tempo. «Wenn zu viele Veränderungen aufs Mal kommen, dann kommen einige nicht mehr nach mit Restrukturieren.» Alfredo Schilirò, Sprecher der Pfister-Holding und damit seit gestern auch von Möbel Hubacher, sagt dazu: «Der Schweizer Markt ist ein sehr kompetitiver Verdrängungsmarkt und wir gehen von einer Konsolidierung der Anbieter in der Schweiz aus.» Möbel Hubacher passe zur langfristigen Strategie. Das Ziel: Wachsen, in Ladenfläche und online.

Ein Branchenkenner berichtet zudem von einem Gerücht, das herumging: Auf dem Hubacher-Parkplatz soll einst ein Auto des österreichischen Möbel-Riesen XXXLutz gesehen worden sein – doch in der Schweiz könne niemand einen weiteren grossen Mitbewerber gebrauchen.

Neues Swissness-Label soll helfen

Beispiele dafür, dass sich der Kampf irgendwann nicht mehr lohnt, gibt es auch. Im April verliess Möbel Märki Rheinfelden, Ende Jahr schliesst Möbel Weibel in Endingen. Michael Weibel, Eigentümer in fünfter Generation, verkauft die Ladenräume an die Raiffeisenbank und baut im Lager Wohnungen. Derzeit läuft der Total-Ausverkauf. Das Ende und die vielen Interviews, die er dazu geben musste, gehen Weibel nah. Am Telefon auf die Hubacher-Übernahme angesprochen sagt er, er sei gerade am Bedienen, habe keine Zeit. «Nur so viel: Das ist ein Zeichen der Zeit.» Dann: ein langer Seufzer.

Produzenten wie De Sede in Klingnau und Intertime in Endingen behaupten sich dank Konzentration auf das Hochpreissegment. Möbel Schweiz reagiert mit einem Label: «Création Suisse» soll garantieren, dass Schweiz drin und Schweizer Qualität garantiert ist. Und Schweizer Möbelhäuser wieder weniger auf ihren Möbeln sitzen bleiben. Dieser Tage werden Aufkleber und Unterlagen verschickt. Vielleicht inspiriert von der Möbelmesse Schwyz: «Erfolg lässt sich einrichten!»

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