Die Erbenfamilien Hoffmann und Oeri sowie der Grossaktionär Novartis haben bei Roche die Hausmacht. Sie vereinigen über 83 Prozent aller stimmberechtigten Inhaberaktien auf sich. Doch auch die übrigen Aktionäre liessen sich nicht von der Kritik an den hohen Managerlöhnen des Pharmakonzerns beeindrucken. Alle Traktanden erhielten gestern an der Generalversammlung in Basel eine Zustimmung von über 99 Prozent.

Im Vorfeld hatten zahlreiche Stimmrechtsberater die Saläre von Präsident Christoph Franz und Konzernchef Severin Schwan bemängelt. Die hohe Differenz zu den Vergütungen bei der Konkurrentin Novartis sei nur schwerlich zu rechtfertigen, sagte etwa Ethos-Direktor Vincent Kaufmann. Schwan verdiente im letzten Jahr 15,1 Millionen Franken, während Novartis-Chef Vas Narasimhan auf 9,9 Millionen Franken kommt. Auch Franz verdiente mit 6,1 Millionen Franken deutlich mehr als Jörg Reinhardt. Der Novartis-Präsident erhält 3,8 Millionen Franken.

Dabei war lange Novartis der Prügelknabe. Ex-Präsident Daniel Vasella, der über mehrere Jahre hinweg gleich- zeitig Chef des Konzerns war, bezog oft 20 Millionen Franken pro Jahr und mehr. Angesichts der heftigen Kritik, die auf Novartis einprasselte, bewegte sich Roche stets im Windschatten des Lokalrivalen. Doch mittlerweile steht Roche stärker unter Beschuss.

Wenig überraschend widmeten sich die wenigen Wortmeldungen an der Generalversammlung vor allem den Managerlöhnen. Veronika Hendry von der Aktionärsvereinigung Actares sprach von «masslosen Vergütungen» für den Konzernchef und den Präsidenten. Ähnlich äusserte sich ein weite- rer Aktionär: «Die exorbitanten Löhne sind schlicht unverhältnismässig und gefährden auf lange Sicht betrachtet den sozialen Frieden in der Schweiz». Roche sei sich des Spannungsverhältnisses zwischen der Schweizer Lohnstruktur und den Managerlöh- nen bewusst, entgegnete Franz. Roche beschäftigte weltweit Spitzenleute, weshalb man sich nicht nur an den Schweizer Löhnen orientieren könne.

Auch die beantragte Statutenänderung stiess auf keine nennenswerte Gegenwehr. Mit dieser führe Roche variable Lohanteile ein, die unabhängig von den Leistungen gewährt würden, kritisiert etwa der US-Stimmrechtsberater ISS. Er nennt die neue Regelung nicht nur rückwärtsgewandt, sie stelle auch eine Verschlechterung für die Aktionärsinteressen dar. Roche dagegen glaubt, das neue Bonus-Programm erhöhe die Attraktivität des Unternehmens und positioniere den Pharmakonzern unter vergleichbaren Firmen als die erste, die diese Leistung anbiete.

Löhne der Chefs der SMI-Unternehmen:

Löhne in der Schweiz: