Credit Suisse
Kursabfall trotz Quartalsgewinn: Thiam überrascht und verliert dennoch

Obwohl die Grossbank im zweiten Quartal einen Gewinn erzielt, stürzt die Aktie erneut ab. Nachdem Tidjane Thiam zu Beginn noch als «Obama der Banken» hochgejubelt wurde, geriet er nach seinem Strategiewechsel, der erst mal zu happigen Verlusten führte, heftig in die Kritik.

Roman Seiler
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Er hat ein turbulentes Jahr hinter sich: Tidjane Thiam, Chef der Credit Suisse. Er erläuterte gestern am Hauptsitz der Zürcher Grossbank die Resultate des ersten Halbjahres. (Archivbild)

Er hat ein turbulentes Jahr hinter sich: Tidjane Thiam, Chef der Credit Suisse. Er erläuterte gestern am Hauptsitz der Zürcher Grossbank die Resultate des ersten Halbjahres. (Archivbild)

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Tidjane Thiams Botschaft ist eigentlich knackig. «Das zweite Quartal war ein Quartal des Fortschritts», sagt der CEO der Credit Suisse (CS) zum Halbjahresresultat. «Wir senken die Kosten und schrauben die Risiken runter», fügt er an.

Und: «Wir sind auf Kurs.» Ob nun das Schlimmste für seine Bank ausgestanden ist, mag der Ivorer aber nicht sagen. Eine Gewinnprognose gibt er nicht ab. Zu unsicher ist das globale wirtschaftliche und politische Umfeld.

Aktie verlor mehr als 4 Prozent

Eines hat er erreicht. Thiam präsentierte gestern überraschend einen Quartalsgewinn von 170 Millionen Franken. Finanzanalysten bemängelten allerdings, möglich gemacht hätte dies zum einen die Auflösung von Rückstelllungen für notleidende Kredite. Zum anderen seien die Restrukturierungskosten tiefer ausgefallen, als erwartet worden sei.

Wegen des Verlusts im ersten Quartal resultierte im ersten Semester daher noch ein Minus von 132 Millionen Franken.

Die Börse reagierte heftig: Der Titel stürzte nach einem kurzen Anstieg um fünf Prozent ab und war am Abend noch elf Franken wert. Beim Amtsantritt von Thiam waren es noch mehr als 24 Franken.

Damals wurde der Manager zum «Obama der Banken» hochgejubelt. Nachdem sein Strategiewechsel erst mal zu happigen Verlusten führte, geriet er heftig in die Kritik.

Er fährt das risikoreiche Investmentbanking runter und stärkt die Vermögensverwaltung. Das passt nicht allen, auch intern nicht. Bald hiess es, Thiam sei abgehoben, liesse sich mit dem Helikopter herumchauffieren.

Das stimme nicht, sagte er gestern. Wer sich mit ihm getroffen habe, sei erstaunt gewesen, «dass er laufen könne», witzelte er. Bereut habe er den Wechsel vom britischen Versicherer Prudential zur CS laut eigener Aussage aber nicht: «Der Job ist faszinierend.»

Einfach sei es nicht. Das widerspiegelt sich in den Resultaten. Die Kosten senkte Thiam innert eines Jahres um 445 Millionen Franken oder vier Prozent. Damit sei das Ziel erreichbar, die Kosten in diesem Jahr auf unter 20 Milliarden zu drücken.

Das hat auch damit zu tun, dass die CS mit 47 180 knapp 1000 Stellen weniger ausweist als Anfang Jahr. Im Frühjahr hatte Thiam angekündigt, anstelle von 4000 müssten 6000 Mitarbeitende die Bank verlassen.

In der Schweiz werden innert dreier Jahre rund 1600 oder 10 Prozent aller Arbeitsplätze abgebaut, mehrheitlich über nicht ersetzte Abgänge. Das sei bedauerlich, räumte Thiam ein.

Die Kapitalquote erhöht

Neben den Kosten muss sich Thiam auch von kostspieligen Altlasten trennen. Das tut weh. Die dafür zuständige «strategische Abwicklungseinheit» weist erneut einen Vorsteuerverlust aus.

Kumuliert auf sechs Monate beläuft er sich auf 2 Milliarden Franken. Weil damit aber auch ein Abbau von Risiken verbunden ist, verbesserte sich dafür die Kapitalquote. Sie beläuft sich neu auf 11,8 Prozent und liegt damit um 1,5 Prozent höher als vor einem Jahr.

Tiefere Kosten, weniger hohe Risiken, bessere Kapitalisierung und Neugeldzuflüsse von 22,6 Milliarden im ersten Halbjahr: Das waren die positiven Nachrichten der Bankführung, deren Ruf wegen des Aktienkurszerfalls in den letzten Wochen arg gelitten hat.

Was es aber zu stärken gilt, ist die Ertragsseite. Die Einnahmen brachen im ersten Halbjahr gegenüber der Vorjahresperiode gleich um mehr als einen Viertel ein. Michael Kunz, Finanzanalyst der Zürcher Kantonalbank, schrieb: «Insgesamt ist das Marktumfeld nicht wirklich ideal, um eine Bank wieder flott zu kriegen, die sich nach der Finanzkrise in eine strategische Sackgasse manövriert hat.»

Verfahren hat sich Thiams Vorgänger Brady Dougan. Er fuhr das Investmentbanking zu wenig konsequent runter. Es schrieb im zweiten Quartal immerhin wieder schwarze Zahlen, wenn auch sehr bescheidene.

Den mit 885 Millionen Franken weitaus höchsten Vorsteuergewinn erwirtschaftete im ersten Halbjahr hingegen erneut das Schweizer Geschäft der Bank. Es wird im vierten Quartal in die neue CS (Schweiz) AG überführt.

Mehr als 20 Prozent soll bis Ende 2017 an die Börse gebracht werden, wenn das Marktumfeld dann stimmt. Auch das internationale Vermögensverwaltungsgeschäft erzielte mit 545 Millionen Franken beinahe den gleichen Vorsteuergewinn wie in der Vorjahresperiode.

Gewinn im Fernen Osten sinkt

Wenig prickelnd ist hingegen das Resultat ausgerechnet in der Division Asia Pacific, auf die Thiam am meisten Hoffnungen setzt. Im Fernen Osten fiel der Vorsteuergewinn im ersten Halbjahr gleich um mehr als 40 Prozent auf 470 Millionen Franken.

Ein Grund dafür ist der Einbruch der Erträge im Investmentbanking. Gleichzeitig stiegen die Kosten. Die CS heuerte 100 neue Kundenberater an, was den Personalaufwand um einen Fünftel ansteigen liess.

Im Visier hat die CS hier insbesondere vermögende Unternehmer. Die beanspruchen auch gerne Kredite. Entsprechend stieg das Volumen. Damit steigt aber auch das Risiko, in Zukunft mal in Asien einen happigen Verlust einzufahren.

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