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Localsearch verkauft Einträge mit umstrittenen Methoden – jetzt ging sie einen Schritt zu weit

Mit Gipfeli und Bundeswappen wirbt Localsearch um Kunden.

Mit Gipfeli und Bundeswappen wirbt Localsearch um Kunden.

Auf Bewertungsportalen gerät Localsearch immer wieder in die Kritik. Es entsteht der Eindruck, dass manche Localsearch-Vertreter sehr offensiv verkaufen. In ihrer jüngsten Werbeoffensive ist Localsearch nun aber einen Schritt zu weit gegangen.

Die Online-Suchdienste von Local.ch und Search.ch sind beliebt bei Menschen, die nach einem Coiffeur oder einem Schreiner suchen. Die beiden Portale haben ihren Offline-Vorgänger, die Gelben Seiten, weitgehend ersetzt. Auch wenn sie mit Google einen übermächtigen Konkurrenten haben.

Bei den Gewerbetreibenden, welche über Local oder Search gefunden werden können, sind die Plattformen, die beide zur Swisscom gehören, umstritten. Denn je nach Platzierung kostet ein Eintrag bei Local oder Search eine schöne Stange Geld, ohne dass sichergestellt ist, dass auch tatsächlich Kunden klicken oder kaufen.

Schlecht kommen vor allem die Klinkenputzermethoden von Localsearch (so der Name der gemeinsamen Betreiberfirma) an. Vertreter suchen Gewerbler auf und versuchen sie zu überzeugen, für einen Eintrag in den Verzeichnissen zu bezahlen. Dabei entstehen nicht selten Verträge mit einer Mindestlaufzeit von drei Jahren.

Auf Bewertungsportalen gerät Localsearch immer wieder in die Kritik. Da beschwert sich etwa eine Kita-Betreiberin aus dem Kanton Aargau darüber, dass die Kosten wegen «falsch abgeschlossenen Vertrags» höher sind als erwartet. Oder eine Velohändler stört sich daran, dass er im Dunkeln darüber gelassen wird, wie viele Personen über Local.ch seinen Laden finden.

Zusammenfassen lässt sich die Kritik so: Vertreter schüren zu grosse Erwartungen oder bauen eine Drohkulisse auf nach dem Motto: «Wenn ihr Betrieb nicht bei uns verzeichnet ist, kann er auch über die Suchmaschine Google kaum gefunden werden.» Localsearch antwortet jeweils fix auf solche Vorwürfe und versichert, dass es sich um Missverständnisse und Einzelfälle handle. Gemessen an der grossen Kundenzahl, sei die Kritik zudem selten.

Erfundene Kundenempfehlungen

Es entsteht der Eindruck, dass manche Localsearch-Vertreter sehr offensiv verkaufen. Das mag für Gewerbler, die vorschnell oder mit zu grossen Erwartungen einen Dreijahresvertrag unterschreiben unglücklich sein, unlauter oder gar gesetzeswidrig ist das nicht.

In ihrer jüngsten Werbeoffensive ist Localsearch nun aber einen Schritt zu weit gegangen. In den letzten Tagen erhielten Tausende aktuelle und ehemalige Localsearch-Kunden ein E-Mail mit einem Link. Wer ihn anklickte, gelangte auf eine personalisierte Website. «Hier erfahren Sie, wie Sie Ihren Geschäftserfolg im digitalen Zeitalter sicherstellen», begrüsst der zuständige Regionalleiter die Firmen mit Namen.

Wer an einer Umfrage teilnimmt, kann eine Woche lang Gratis-Gipfeli gewinnen. Bilder zeigen eine glückliche Floristin und einen Maurer. Beide wurden angeblich dank Localsearch von Kunden im Internet gefunden. Auf einen zweiten Blick entpuppten sich die Bilder aber als Symbolbilder aus dem Netz.

Hat angeblich dank Local.ch Kunden gewonnen: «Schönes kaukasisches Mädchen als Selbstständige im Blumenladen».

Hat angeblich dank Local.ch Kunden gewonnen: «Schönes kaukasisches Mädchen als Selbstständige im Blumenladen».

Das Bild der Floristin wird etwa als «Porträt von schönem kaukasischem Mädchen als Selbstständige im Blumenladen» auf einer Stock-Image-Seite angepriesen. Dieser Trick ist zwar peinlich, aber nicht weiter tragisch. Auf der Facebook-Seite von Localsearch finden sich auch echte zufriedene Kunden. Ein anderer Werbe-Gag dürfte für Localsearch aber zum Problem werden. Denn auf der Werbe-Seite prangte das offizielle Wappen der Eidgenossenschaft und der Slogan «Schweizer Partner für KMU».

Gefängnis oder Geldstrafe

Laut Wappengesetz darf nur der Bund das Schweizer Kreuz auf schildförmigem Hintergrund verwenden. Wer es vorsätzlich und unrechtmässig und zu gewerblichen Zwecken auf Internetseiten anbringt, muss mit einer Geldstrafe oder mit bis zu fünf Jahren Gefängnis rechnen.

Gemäss dem Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum handelt es sich beim von Localsearch gezeigten Wappen um ein der Eidgenossenschaft vorbehaltenes Bundeswappen. Eine Ausnahmebewilligung liegt nicht vor. «Es ist schade, dass es trotz Sensibilisierungskampagnen zu solchen Verstössen kommt», sagt David Stärkle vom Rechtsdienst.

Da es sich um ein Offizialdelikt handelt, dürfte Localsearch bald Post von der Staatsanwaltschaft erhalten. Auf die Werbekampagne angesprochenen, liess Localsearch das Schweizer Wappen durch ein normales Schweizer Kreuz ersetzen. Es handle sich um einen Fehler. Localsearch versprach zudem, die fingierten Kundenempfehlungen durch echte zu ersetzen.

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