Kaum begann das Säbelrasseln zwischen den USA und Nordkorea, wurden die Aktienmärkte durchgeschüttelt. Innerhalb einer Woche büssten die gewichtigsten Schweizer Aktien fast 4 Prozent an Wert ein, in den USA fast 5 Prozent.

Damit nicht genug. Während der US-Präsident Donald Trump vor «Feuer und Zorn» warnte, der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un mit einem militärischen Schlag gegen die Pazifikinsel Guam drohte, verzeichnete der Goldpreis den höchsten Tagessprung seit Mai dieses Jahres. Am Mittwoch kletterte der Wert des Edelmetalls um 1,3 Prozent auf 1279 Dollar die Feinunze (eine Feinunze entspricht rund 31,10 g). Am Freitag wurde ein Stand von 1286 Dollar gemeldet. Bis zum Jahreshöchststand von Anfang Juni bei 1296 Dollar ist es plötzlich nicht mehr weit.

Anleger suchen Sicherheit

Aber auch der Silberpreis stieg vergleichsweise rasch an. Die Analysten waren sich deshalb rasch einig: Angesichts einer Zuspitzung des Konflikts flüchten Anleger derzeit in Scharen in sichere Anlagen. Dieser Effekt ist auch beim Schweizer Franken zu beobachten. Gegenüber dem Euro und dem Dollar wurde er nach Wochen der Schwäche wieder stärker. Am Freitag kostete der Euro noch knapp 1.14 Franken.

Doch Anlagen in Gold haben ihre Tücken. Von Anlageprofis werden die Gold-Spezialisten mit Argwohn beäugt. Viele vergleichen sie mit einer «Sekte», in der es mehr um Glauben als um Fakten gehe. Der Hintergrund für ihre Skepsis: Über Jahrhunderte galt das Metall in Krisen als Sicherheit gegen die Wertvernichtung. Später setzten Notenbanken Gold ein, um ihre Währungen zu garantieren. Man wusste also, wie viel Gold weltweit benötigt wurde. Doch nach der Aufhebung des sogenannten Goldstandards war dies nicht mehr der Fall. Trotzdem stieg seither der Goldpreis über Jahrzehnte stark an, ohne dass nur reale Faktoren dafür ausschlaggebend waren. Sicher ist, dass die Nachfrage zugenommen hat, es wurde aber auch sehr stark mit Gold spekuliert. Die Feinunze Gold kostete im September 2011 — im Nachgang zur weltweiten Finanzkrise — 1921 Dollar. Das war das sogenannte Allzeithoch.

Nachdem sich die Krise gelegt hatte, fiel der Wert bis 2015 jedoch um ganze 40 Prozent. Viele, die in dieser Baisse Geld verloren haben, hoffen seither auf einen neuen Aufschwung. Für Schweizer Anleger kommt ein zusätzliches Problem hinzu: Weil Gold in Dollar gehandelt wird, muss auch noch die mögliche Währungsentwicklung — der Dollarkurs — berücksichtig werden.

Seit vergangener Woche schauen viele internationale Anleger jedoch wieder gebannt auf den Goldpreis. Dabei können die Prognosen-Experten für die weitere Entwicklung unterschiedlicher nicht sein. Die Analysten von Julius Bär etwa glauben nicht daran, dass der Goldpreis vor einem neuen grossen Aufschwung steht. Es brauche schon mehr als ein Säbelrasseln, um die Barrieren zu durchbrechen, heisst es. Andere Analysten, etwa diejenigen der UBS, sind optimistischer.

Entscheidend für die weitere Entwicklung des Goldpreises ist nicht nur das Säbelrasseln, sondern die Entwicklung des US-Dollars. Besonders in den USA setzen Anleger auf Gold, wenn der Dollar schwächer wird und umgekehrt. Die zentrale Frage wird also sein, wie sich die US-Wirtschaft weiterentwickelt und demzufolge, ob die US-Notenbank die Zinsen weiter erhöhen wird.

US-Zinsentwicklung entscheidend

Darauf weist Ned Naylor Leyland, der in London den Old Mutual Gold & Silver-Fonds leitet. Er geht davon aus, dass der Dollar tendenziell schwächer wird und die US-Notenbank entgegen der allgemeinen Erwartung im September die Zinsen nicht erhöhen wird. Der Boden sei deshalb gelegt, um dem Goldpreis Schub zu geben. Am Freitag sah es jedoch noch nicht so aus: Der Dollar zog gegenüber dem Franken wieder an, die neusten Zahlen zur Inflation zeigten einen leichten Aufschwung an.