Detailhandel

Margendruck: Volg hofft auf Coop im Nestlé-Streit

Volg, die Supermarkt-Tochter des Bauern-Genossenschaftsriesen Fenaco, spielte im Streit zwischen Nestlé und der europäischen Einkaufsallianz Agecore bisher keine Rolle.

Volg, die Supermarkt-Tochter des Bauern-Genossenschaftsriesen Fenaco, spielte im Streit zwischen Nestlé und der europäischen Einkaufsallianz Agecore bisher keine Rolle.

Die Volg-Gruppe kann auf ein erfolgreiches Jahr 2017 zurückblicken. Trotz spürbarem Margendruck. Die ländliche Lebensmittelkette spekuliert auf tiefere Einkaufspreise – und plant bis zu 50 neue Filialen.

Die Detailhandelswelt blickt dieser Tage gespannt auf den Streit zwischen dem Nahrungsmittelmulti Nestlé und der europäischen Einkaufsallianz Agecore. Deren Mitglieder, darunter auch Coop, haben letzte Woche weitere Nestlé-Artikel aus dem Sortiment genommen, um den Druck auf den Konzern aus Vevey VD zu erhöhen. Das Ziel: günstigere Einkaufspreise.

Volg, die Supermarkt-Tochter des Bauern-Genossenschaftsriesen Fenaco, spielte in diesem Streit bisher keine Rolle. «Nestlé wäre es wurst, wenn wir ihre Produkte boykottieren würden, dafür sind wir viel zu klein.» Überhaupt könne er sich nicht vorstellen, dass Nestlé einknicken werde, da es sonst in der Branche zu einem Domino-Effekt käme.

Sollte es aber dennoch so weit kommen, wäre auch Volg zur Stelle: «Dann sind wir ein Mitläufer. In unseren jährlichen Lieferantenverhandlungen im Herbst würden wir ebenfalls unsere Ansprüche melden, das ist klar.» Tiefere Preise kämen Volg gelegen, wie an der Bilanzmedienkonferenz vom Dienstag in Winterthur klar wurde. «Der Margendruck war nicht nur bei einzelnen Sortimenten, sondern durchs Band weg zu spüren», sagte Volg-Chef Ferdinand Hirsig. Rabatte in der Höhe von 50 oder 60 Prozent seien heute in der Branche an der Tagesordnung. So sank 2017 denn auch der Betriebsertrag um 2 Millionen auf 138 Millionen Franken.

Ansonsten kann die Volg-Gruppe mit ihren drei Verkaufsformaten – den Volg-Dorfläden, Top-Shop-Tankstellenshops und freien Detaillisten – auf ein solides Geschäftsjahr zurückblicken. Der Umsatz stieg trotz der Minusteuerung um 1,3 Prozent auf 1,49 Milliarden Franken. Auch die Zahl der Kunden, der durchschnittliche Ertrag eines Ladens und der Umsatz pro Quadratmeter konnten allesamt leicht gesteigert werden. Der Jahresgewinn stieg um 1,2 Prozent auf 6,1 Millionen Franken. Der Start ins neue Jahr ist dank Umsatzzahlen auf Vorjahresniveau laut Hirsig gelungen.

Weiter ausgebaut wurde die Kooperation mit der Post. In 49 Volg-Geschäften wurden Post-Ableger integriert. Somit zählt der ländliche Händler inzwischen 331 Post-Stellen zu seinem Portfolio. Auch sonst wird das heute 580 Filialen umfassende Volg-Netz weiter wachsen. Nebst der Expansion in der Westschweiz sieht Hirsig in der Deutschschweiz noch einige weisse Flecken. «Pro Jahr dürften sechs bis acht Filialen hinzukommen, bei 620 Volg-Standorten ist das Maximum dann wohl erreicht.»

Onlineshop: Boom bleibt aus

Im Online-Geschäft sieht Hirsig hingegen nicht allzu grosses Potenzial. Erst letztes Jahr hatte Volg einen Internetshop lanciert, bei dem die Lieferung ab einem Einkaufswert von 100 Franken kostenlos ist. Das funktioniere ganz gut, sagte Hirsig. «Aber mehr als 50 bis 60 Bestellungen pro Monat sind es nicht.» Dennoch sei der Onlineshop etwas, das man heute einfach anbieten müsse.

Hirsig, der seit rund 18 Jahren bei Volg tätig ist, kündigte zum Schluss seinen Rücktritt an. Er werde im kommenden Jahr 63 Jahre alt und man habe deshalb schon jetzt mit der Suche nach einem geeigneten Nachfolger oder einer Nachfolgerin begonnen. Der Solothurner ist seit 2001 Chef von Volg und gehört damit zu den dienstältesten Führungspersonen im Schweizer Detailhandel.

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