Wirtschaft

Martullo-Blochers Schelte und ein gut gelaunter Trump-Freund: Das war Tag 1 am Swiss Economic Forum

Nestlé-Präsident Paul Bulcke bei seiner Eröffnungsrede: "Wir bleiben dem Standort Schweiz treu."

Nestlé-Präsident Paul Bulcke bei seiner Eröffnungsrede: "Wir bleiben dem Standort Schweiz treu."

900 Spitzenvertreter aus Wirtschaft und Politik treffen sich heute und morgen am Swiss Economic Forum. Sie demonstrieren ein Stück Normalität - trotz Fiebermessen und Maskenpflicht.

Während das Davoser Weltwirtschaftsforum (WEF) im Januar nicht stattfinden wird, entschied sich das Swiss Economic Forum (SEF) für die Durchführung der alljährlichen Konferenz. Nicht in Interlaken wie sonst, sondern in Montreux. Und nicht mit 1600 Teilnehmern, sondern nur mit 900.

Für den Mut, die Veranstaltung «echt» und nicht bloss virtuell abzuhalten, bekamen die Organisatoren viel Lob. Fast scheint sich die Wirtschaftselite wieder einmal nach einem solchen Gipfel gesehnt zu haben. Der Anlass begann heute und wird morgen fortgesetzt, unter anderem mit Volkswirtschaftsminister Guy Parmelin.

Der Manager hat im Durchschnitt 35,8 Grad

Das Schutzkonzept funktionierte gut: Fiebermessen beim Eingang (der durchschnittliche Manager misst 35,8 Grad), Trennung nach Sektoren, Maskenpflicht – ausser in den Pausen, die beim SEF «Networking-Pausen» genannt werden. Blitzartig fielen die Masken, sobald der Pausengong erklang. «Ich finde es richtig, dass man sich wieder einmal trifft», sagte Ruth Metzer, CVP-Bundesrätin von 1999 bis 2003, die heute Exportfirmen berät:

Logisch, dass Corona bei den KMU-Unternehmern ebenso wie bei den Chefs der Konzerne das absolut dominierende Thema ist. Die Schweizer Wirtschaft hat gerade einen historisch einmaligen Einbruch des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 8,2 Prozent im letzten Quartal hinter sich. Trotzdem wurde Optimismus verbreitet.

Etwa von Nestlé-Präsident Paul Bulcke, dessen Konzern in der Pandemie in vielen Bereichen sogar zulegen konnte. Auf die Frage von Moderator Urs Gredig, ob die Schweiz als Hauptsitz des Multis Nestlé wirklich gesichert sei, antwortete Bulcke mit lauter Stimme:

Das sei doch klar. Die Schweiz sei der verlässlichste Standort. Die Maske fiel immer wieder auch im übertragenen Sinn: Es wurde Klartext gesprochen. Natürlich, wie könnte es anders sein, von SVP-Nationalrätin und Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher. Sie kritisierte den Bundesrat für die «zu zögerliche Öffnung» der Wirtschaft und schloss einen zweiten Lockdown aus:

Zugleich verströmte Martullo Zuversicht. «China läuft schon fast wieder normal», sagte die Exportunternehmerin. Üblicherweise trumpft das SEF mit bekannten internationalen Namen auf.

Wegen der Reisebeschränkungen ist das dieses Jahr anders. Immerhin holten die Organisatoren den französischen Ex-Präsidenten François Hollande an den Genfersee. Erwartungsgemäss legte er ein flammendes Plädoyer für Europa ab, das nur geeint eine Chance habe gegen die Blöcke USA und China – und er hoffte auf Joe Biden, auch wenn dieser vielleicht «kein sexy Kandidat» sei.

In Montreux anwesend war auch ein Trump-Mann: Edward McMullen, der US-Botschafter in Bern. Er sagte zu CH Media: «Seit zwei Wochen wächst meine Zuversicht, dass Donald Trump wiedergewählt wird. Seine Zahlen zeigen in die richtige Richtung. Es wäre das Beste für die Wirtschaft.»

Wir berichteten heute live - hier der Blog.

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