Coronavirus

Massenentlassungen bei Hotelplan: Ist es der Anfang einer Welle von Konkursen?

Ein Bild aus besseren Zeiten: Eine Hotelplan-Reisebroschüre vor zehn Jahren.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Eine Hotelplan-Reisebroschüre vor zehn Jahren.

Viele Unternehmen müssen entdecken, dass ihre Kunden noch lange nicht zurückkehren. Dennoch wird Entwarnung gegeben.

Im Lockdown gab der Bundesrat noch eine Strategie des Einfrierens vor. Die Wirtschaft sollte in ihrem aktuellen Zustand möglichst gut bewahrt werden, bis das neue Coronavirus einigermassen unter Kontrolle ist. Dafür wurde zugelassen, dass die Kurzarbeit in ungeahnte Höhen anstieg. Dafür wurde auf die Schnelle ein milliardenschweres Kreditprogramm gestartet.

Nach dem Einfrieren müssen sich die Unternehmen in der aktuellen Coronawelt zurechtfinden. Für ihre Mitarbeiter können sie zwar noch einige Monate lang Kurzarbeit beantragen. Doch sie müssen sich bereits heute fragen: Können wir in dieser Coronawelt in den nächsten ein oder zwei Jahren weitermachen wie zuvor?

In der Reisebürobranche wird diese Frage nun mit «Nein» beantwortet. Bei Hotelplan kommt es zum Abbau von 170 Stellen. Weitere Unternehmen werden folgen, wie Michael Siegenthaler sagt. Der Arbeitsmarktexperte an der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich erwartet, dass es bis in das nächste Jahr hinein zu ähnlichen Entscheiden kommt wie bei Hotelplan.

Dem öffentlichen Verkehr könnte es wie den Reisebüros ergehen

Der Mechanismus ist immer der Gleiche: Betriebe müssen erkennen, dass die früheren Umsätze noch lange nicht zurückkehren. In dieser neuen Welt können sie das aktuelle Personal nicht mehr zahlen. Sie müssen sparen.

Zunächst wird Personal nicht ersetzt, das in Pension geht oder von sich aus kündigt. Wenn das nicht reicht, wird es bitter für Personal und Unternehmen: Es wird wie bei Hotelplan auf einen Schlag massenweise Personal entlassen.

Derlei Anpassungen an eine neue Welt wird es nicht nur bei den Reisebüros geben. Auch andere Branchen müssen feststellen: Die Kunden sind nicht mehr die Gleichen wie zuvor. Ihr Verhalten und ihre Vorlieben haben sich verändert. Laut Siegenthaler könnte es neben den Reisebüros auch der Hotellerie so ergehen. Auch dort bleiben ausländische Touristen noch lange weg. Ein anderes Beispiel könnte der öffentliche Verkehr sein.

Entstehen irgendwo anders neue Arbeitsplätze?

Doch viele Fragen sind noch offen: Wie vielen Branchen ergeht es ähnlich wie den Reisebüros? Vielen, sehr vielen – oder doch nur einigen wenigen? Siegenthaler sagt: «Wenn es viele Branchen wären, hätten wir bald ein massives Problem mit der Arbeitslosigkeit.» Aktuell kann er jedoch Entwarnung geben. Derzeit sieht es so aus, als ob es nicht viele Branchen trifft. Sondern es bleibt bei einigen wenigen.

© CH Media

Offen ist auch: Wie gut kann sich die Wirtschaft anpassen? Die Hoffnung ist, dass auf den Abbau von Jobs irgendwo anders ein Aufbau folgt. Beispielsweise werden im alpinen Tourismus gerade neue Stellen geschaffen. Die Berge sind ein beliebtes Sommerferienziel. Doch diese Arbeitsplätze werden nach dem Sommer wieder verschwinden.

Es bleibt ein Härtetest. Die Zahl der Arbeitslosen wird noch lange steigen. Nach der international vergleichbaren Methode erwartet die KOF Konjunkturforschungsstelle eine rekordhohe Arbeitslosenquote von über 6 Prozent für 2021.

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