Druckaufträge

Mehr Swissness im Druck: Bund, SBB, Post und Swisscom hadern mit der Umsetzung

Telefonbücher, Briefmarken und das Magazin «Via» werden in Deutschland gedruckt.

Telefonbücher, Briefmarken und das Magazin «Via» werden in Deutschland gedruckt.

Bund, SBB, Post und Swisscom sollten Druckaufträge nur noch an Schweizer Unternehmen vergeben. Das hat das Parlament beschlossen. Doch die Umsetzung ist anspruchsvoll

Während die einheimische Druckindustrie darbt, vergeben der Bund und seine Betriebe Aufträge ins Ausland. Das SBB-Reisemagazin «Via» wird im deutschen Baden-Baden gedruckt, die Briefmarken der Post und die Telefonbücher der Swisscom ebenfalls in Deutschland.

Das gehe nicht an, befand das Parlament, und hiess gegen den Willen des Bundesrats eine Motion des Luzerner SVP-Nationalrats Felix Müri gut, wonach Druck-Erzeugnisse nur in der Schweiz beschafft werden sollen.

Die Umsetzung jedoch hat es in sich, wie sich nach Gesprächen zwischen Vertretern des Druckereigewerbes und von Post, SBB und Swisscom zeigt.

«Die Bundesbetriebe sind bemüht, ihre Drucksachen wenn immer möglich in der Schweiz zu beschaffen», zieht Thomas Gsponer, Direktor des Branchenverbands Viscom, nach der dritten Gesprächsrunde von dieser Woche Bilanz.

Schweizer Qualität reicht nicht

Man sei sich der gesamtwirtschaftlichen Verantwortung bewusst, ebenso wie der Tatsache, dass in der grafischen Industrie 2000 Lernende in Ausbildung stünden. Dennoch liessen alle drei Betriebe auch im Ausland drucken.

Das liege an der Qualität, heisst es bei der Post. Sprecher Oliver Flüeler erinnert daran, dass die letzte Schweizer Briefmarkendruckerei in La-Chaux-de-Fonds vor über 15 Jahren geschlossen wurde, und gibt zu bedenken: «Die Post hat den Druck bestimmter Briefmarken ins Ausland verlegt, weil eine Herstellung in der Schweiz in der gewünschten Qualität nicht mehr möglich ist.»

Es liege am Anforderungsprofil, das man an die Produkte stellt, erklärt hingegen Gsponer. «Man muss aufpassen, dass man dieses nicht so festlegt, dass man die Produkte in der Schweiz nicht herstellen kann.»

Die grafische Branche kläre nun ab, ob man Briefmarken und Telefonbücher nicht doch im eigenen Land beschaffen könne, und zwar zu Wettbewerbsbedingungen. «Wer Banknoten drucken kann, kann sicher auch Briefmarken drucken», sagt dazu Felix Müri, der Präsident der Parlamentarischen Gruppe Print.

Anders gelagert ist der Fall beim «Via»: Hier haben die SBB den Gesamtauftrag einschliesslich Druck einer Kommunikationsagentur erteilt. Der Vertrag läuft noch drei Jahre. Ob danach die Schweiz berücksichtigt wird, ist ungewiss, denn der Auftrag muss international ausgeschrieben werden. Immerhin sind laut Gsponer «die Chancen intakt, dass das nächste Mal die Schweizer Druckindustrie zum Handkuss kommt.»

Noch keine Lösung zeichnet sich hingegen für ein anderes Problem ab, das die Post betrifft. Der Bundesbetrieb bietet zunehmend Gesamtlösungen an, bei denen er nebst Transport auch den Druck übernimmt, und so die grafische Branche konkurrenziert.

Neuerdings können zum Beispiel Serienbriefe frankiert, ausgedruckt, verpackt und versendet werden, wobei die Post 50 Prozent Rabatt sowohl auf den Druck- als auch auf den Versandkosten gewährt.

«Damit drängt man unsere Betriebe aus dem Markt», sagt Viscom-Direktor Gsponer. Die Post schreibe die Druckleistungen jeweils aus und vergebe sie an den Drucker mit dem günstigsten Angebot. Dadurch heize sie den ohnehin sehr harten Preiswettbewerb zusätzlich an.

Als nächstes wollen Müri und Gsponer mit Finanzminister Ueli Maurer schauen, wie die Bundesverwaltung zur Vergabe der Druckaufträge ins Inland verpflichtet werden kann. Das gehe nur ohne weitere Sparprogramme in der Drucksachenbeschaffung und ohne Bündelung der Einkaufspolitik, weil Grossaufträge international auszuschreiben sind. Die Beschaffungspolitik des Bundes müsse sich nach volkswirtschaftlichen und nicht nach rein finanzwirtschaftlichen Kriterien ausrichten, fordern sie.

Müri hat inzwischen eine weitere Zielscheibe ausfindig gemacht, die er zu mehr «Swissness» im Druck verpflichten will: Swisslos. Denn alle Lose, die an den Schweizer Kiosken verkauft werden – von den diversen Rubbellosen bis zum «Happy Day»-Los –, werden im Ausland gedruckt. Nicht etwa in unserem nördlichen Nachbarland, sondern im fernen Amerika.

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