Die Lasermaschine zur Entfernung von Tätowierungen war besonders begehrt. Als in der vergangenen Woche die Praxis des Skandal-Arztes Ingo Malm liquidiert wurde, wollten sie alle haben. Das sagte der Liquidator im Anschluss der Liquidation gegenüber dieser Zeitung. Dass die Maschine so begehrt war, kommt nicht von ungefähr: Nachdem in den letzten Jahren in der Schweiz immer mehr Tattoo-Studios eröffnet wurden, boomt nun das Geschäft mit der Entfernung der Kunstwerke.

In der Schweiz darf momentan jeder, der ein entsprechendes Gerät hat, damit hantieren. Im nächsten Jahr tritt eine Gesetzesverschärfung in Kraft: Dann darf nur noch Behandlungen durchführen, wer ein entsprechendes Sachdiplom erworben hat. Die Kriterien dafür werden momentan ausgearbeitet.

Entsprechende Kurse werden etwa in der Medical Laser Academy in Freienbach angeboten. Geschäftsführer Roland Wagner: «In den letzten Jahren haben wir viele Anmeldungen für Ausbildungen mit Laser erhalten. Deshalb gibt es hier in Zukunft grosses Potenzial.»

Rund 10 Prozent sind tätowiert

Tatsächlich sind in der Schweiz rund zehn Prozent der Bevölkerung tätowiert, in der Altersklasse zwischen 25 und 34 sind es 25 Prozent. Diese Zahlen beruhen auf einer Schätzung. Eine entsprechende Studie wurde 2014 in Deutschland durchgeführt und auf die Schweiz übertragen. Zahlreiche Tätowierte in der Schweiz haben ihre Entscheidung mittlerweile bereut. Die Tätowierung muss weg – und das funktioniert nur mit Laser. Eine Behandlung reicht aber nicht aus, um das mittlerweile ungeliebte Kunstwerk loszuwerden. Es sind bis zu 15 Sitzungen nötig, manchmal bleiben leichte Schatten zurück. Eine Sitzung kostet rund 150 Franken.

Die Prozedur ist relativ schmerzhaft, und nicht ganz ungefährlich. Das sagt Laurence Imhof von der Schweizerischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (SGDV). «Es kann zu Verbrennungen und einer gestörten Wundheilung kommen», erklärt sie. Die Folge seien Narben oder Pigmentstörungen.

In ihrem Alltag im Universitätsspital Zürich komme es häufig vor, dass Personen vorbeikommen, die nach einer Laserbehandlung mit Komplikationen kämpften. «Ich muss leider sagen, dass ich solche Schäden immer häufiger sehe.» Für Imhof ist klar: «Es gibt immer mehr Leute, die Behandlungen mit Laser anbieten, ohne eine medizinische Ausbildung zu haben.»

Hautärzte machen Trend mit

Laut Roland Wagner von der Medical Laser Academy ist eine medizinische Ausbildung nicht unbedingt nötig, um mit einem Lasergerät Tätowierungen zu entfernen. «Die Laserbedienung ist einfach, vergleichbar mit dem Umgang mit einem Smartphone», so Wagner. Ein Zertifikat, so steht es auf der Website der Medical Laser Academy, ist bereits um 290 Franken zu haben. Je nachdem, welches Vorwissen bei den Kursteilnehmern bereits vorhanden ist, dauere die Ausbildung wenige Wochen. Den Teilnehmern werde Wissen über Laserphysik und die Hautstruktur vermittelt, sagt Wagner. Nach dem Kurs seien sie dazu fähig, sicher mit einem Lasergerät umzugehen.

Die Dermatologin Laurence Imhof sieht solche Kurse kritisch. Die Diplome seien nicht gleichwertig wie die Ausbildung eines Arztes. «Dermatologen haben sich im Studium über Jahre mit dem Aufbau der Haut, der Hautbiologie, und der Wundheilung beschäftigt. Das kann man nicht einfach so in ein paar Tagen lernen.»

Aber auch Dermatologen haben laut Imhof den Trend mittlerweile für sich entdeckt und bieten vermehrt die Entfernung von Tätowierungen an. Das passe zu einem generellen Wandel, den die (SGDV) in den letzten Jahren beobachtet habe, so Imhof. «Hautärzte konzentrieren sich nicht mehr auf ihre eigentliche Aufgaben, sondern führen regelmässig auch Schönheitsbehandlungen durch.» Der Grund dafür sei einfach: Mit Schönheitsbehandlungen lasse sich in kürzerer Zeit mehr Geld verdienen.