Interview

NAB-Chef Roland Herrmann über unsichere Börsen, Digitalisierung und solide Aargauer KMU

Roland Herrmann ist seit Herbst 2016 CEO der Neuen Aargauer Bank (NAB).

Roland Herrmann ist seit Herbst 2016 CEO der Neuen Aargauer Bank (NAB).

«Wir profitieren sehr stark von der Schweizer CS-Tochter, andererseits haben wir eine extrem starke Marktstellung hier im Kanton Aargau», sagt NAB-Chef Roland Herrmann im Interview.

Das Bruttoergebnis der NAB legte deutlich zu. Der Reingewinn dagegen sank. Wie zufrieden sind Sie mit dem Jahresergebnis?

Roland Herrmann: Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden, weil wir uns operativ gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent steigern konnten. 2016 erzielten wir durch einen Immobilienverkauf einen ausserordentlichen Ertrag. Den haben wir zwar gerne genommen, er hat aber mit der eigentlichen Leistung der Bank nichts zu tun.

Wie laufen die Geschäfte 2018?

Es zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Der Start ins neue Jahr war sehr vielversprechend, dann nahmen plötzlich die Marktschwankungen zu. Das Auf und Ab an den Börsen hat die Anleger verunsichert. Damit ging eine Abnahme der Kundenaktivität einher.

Was empfehlen Sie Ihren Kunden in dieser Situation?

Kunden mit einem mittel- bis langfristigen Anlagehorizont empfehlen wir, investiert zu bleiben. Die grosse Frage ist, was an den Märkten geschehen wird. Wir gehen von anhaltenden politischen Unsicherheiten und noch länger von einer höheren Volatilität aus.

Welche Ziele haben Sie sich für 2018 vorgenommen?

Wir wollen den Umbau unseres Geschäftsstellennetzes weiter vorantreiben und unsere klassischen Geschäftsstellen modernisieren. Dann wollen wir den Anlagebereich weiter ausbauen. Im Hypothekargeschäft wollen wir bei der Finanzierung von privaten Eigenheimen im Aargau zulegen. Parallel dazu bauen wir unser digitales Angebot aus.

Der Börsengang der Schweizer Einheit der Credit Suisse (CS) hat nicht stattgefunden. Welche Folgen hatte das für die NAB?

Grundsätzlich keine. Bei der Restrukturierung der CS war bereits klar, dass die NAB eine Tochter der neuen Schweizer Konzerneinheit Swiss Universal Bank werden würde. So wurde es auch Anfang 2017 umgesetzt. An der Strategie der NAB, eine starke Regionalbank im Aargau zu bleiben, hat sich nichts geändert.

Wie schwierig ist es für die NAB, ihre Eigenständigkeit innerhalb des CS-Konzerns zu bewahren?

Wir profitieren sehr stark von der Schweizer CS-Tochter, andererseits haben wir eine extrem starke Marktstellung hier im Kanton Aargau. Beide Seiten, also der Konzern, aber auch wir als Regionalbank, profitieren vom aktuellen Status.

Die Marke NAB bleibt bestehen?

Absolut. Die ist überhaupt nicht infrage gestellt. Betrachtet man den Schweizer Markt der CS, dann ist NAB eine eigentliche Perle. Wir haben den mit Abstand höchsten Marktanteil im Vergleich zu den anderen Marktregionen. Wir steuern rund zehn Prozent zum Ergebnis der CS Schweiz bei.

Werden Ihre Freiheiten eher grösser oder kleiner?

Aus Konzernsicht ändert sich nicht viel. Was hingegen schon einen Einfluss hat, ist der zunehmende regulatorische Druck. Die Behörden verlangen im- mer mehr eine integrale Sicht des Konzerns, was natürlich einen direk- ten Einfluss auf die Tochtergesellschaften hat.

Letztes Jahr schloss die NAB eine Filiale und ist nun an 26 Standorten vertreten. Werden Sie diesen Stand halten können?

Das ist ganz klar unser Ziel. Es ist aber sehr schwierig vorauszusagen, wie die Kunden sich in fünf bis zehn Jahren verhalten werden. Die Digitalisierung wird das Kundenverhalten nicht auf einen Schlag verändern. Der Prozess verläuft also nicht disruptiv, wie man heute gerne sagt, sondern vielmehr in kleinen Schritten.

Die Zahl der Beschäftigten ging 2017 zurück. Werden Sie dieses Jahr weitere Stellen abbauen müssen?

In der Verkaufsorganisation bauen wir dieses Jahr die Kapazitäten aus. Eine grössere Stellenreduktion ist auf jeden Fall nicht geplant. Ich kann heute aber noch nicht genau sagen, wie viele Beschäftigte wir Ende Jahr haben werden.

Sie haben insgesamt fünf Lern- ende weniger. Was sind die Gründe dafür?

Auf der einen Seite haben wir weniger Schalter und somit etwas weniger Einsatzmöglichkeiten. Auf der anderen Seite erhalten wir weniger Bewerbungen als vor zehn Jahren. Und da wir bei der Qualität keine Abstriche machen, führt das automatisch zu einer tieferen Zahl von Auszubildenden. Die Lehre wird aber auch künftig einen sehr hohen Stellenwert für die NAB haben. Die allermeisten Kundenberater haben wir selbst ausgebildet, entweder als Lehrlinge oder als sogenannte Trainees.

Ihre Kunden haben Ihnen letztes Jahr deutlich mehr Geld anvertraut, im Kreditgeschäft dagegen traten Sie 2017 auf die Bremse und haben die Kredite zurückgefahren. Was sind die Gründe dafür?

Es war ein strategischer Entscheid, uns im Kreditgeschäft auf unsere Kernsegmente, Privat- und Firmenkunden im Kanton Aargau, zu konzentrieren. Selektiv sind wir bei Finanzierungen von Renditeliegenschaften ausserhalb des Kantons. Das ist ein Kurzfristgeschäft mit tiefen Margen und schnelllebigen Kundenbeziehungen. Wir bevorzugen nachhaltige Kundenbeziehungen.

Man liest oft von vielen leerstehenden Wohnungen im Aargau. Steuert der Mietmarkt auf ein Problem zu?

Von einem Problem würde ich noch nicht sprechen. Es ist aber so, dass der Aargau punktuell sehr hohe Leerstände hat. Wir sind ein Einwanderungskanton. Es braucht aber dieses Bevölkerungswachstum, damit die Wohnungen, die gebaut werden, absorbiert werden können.

Können Einfamilienhausbesitzer noch ruhig schlafen?

Ja, auf jeden Fall. Einfamilienhäuser werden heute deutlicher weniger gebaut als noch vor 15 Jahren, was den Bestand nahezu konstant hält. Nachdem die Preise zuletzt leicht unter Druck geraten waren, sehen wir eine Stabilisierung und zum Teil wieder leichte Preissteigerungen.

Wie geht es den Firmen im Aargau?

Nochmals deutlich besser als vor einem Jahr. Wir hatten im Januar 2015 grossen Respekt davor, ob die exportorientierten Firmen die Negativzinsen und den starken Franken gut absorbieren können. Der Anpassungsprozess war mit grossen Schmerzen verbunden. Die meisten KMU haben den Anpassungsprozess sehr gut gemeistert und profitieren jetzt von einem schwächeren Franken.

Investieren KMU wieder mehr?

Im abgelaufenen Jahr sahen wir das noch nicht. In den letzten Wochen haben wir aber wieder vermehrt Anfragen von Unternehmen erhalten, die Investitionen tätigen wollen.

In der Schweiz geht man für 2018 von einem verhältnismässig soliden Wachstum aus. Wie gross wird das Wachstum für den Aargau ausfallen? Überdurchschnittlich?

Ich gehe heute davon aus, dass es über dem Durchschnitt der Schweiz ausfallen wird, da der Aargau viele exportorientierte KMU beheimatet, die jetzt von einem schwächeren Franken profitieren werden.

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