«Logieren auf zwei Quadratmetern», titelte die "Luzerner Zeitung" am 1. November 2018 – einen Tag, nachdem die Öffentlichkeit das erste Mal einen Blick vom ersten Schweizer Kapselhotel erhaschen konnte. Drei Tage später wurde es offiziell eröffnet.

Und rund eine Woche später lautete die Meldung in unserer Zeitung: «Das Kapselhotel am Luzerner Hirschengraben musste bereits wieder schliessen». Grund für das überraschende Lichterlöschen: Das Baugesuch war noch gar nicht bewilligt. Mittlerweile hat sich nun die Ausgangslage geändert.

Kurz nach der Eröffnung: Erstes Schweizer Kapselhotel ist schon wieder zu

Chiara Zgraggen von der Luzerner Zeitung, hat das Hotel kurz vor seiner Schliessung getestet.

Zeitpunkt der Eröffnung ist noch offen

Wie unsere Zeitung weiss, hat die Stadt Luzern die Baubewilligung diesen Montag erteilt. «Mittlerweile haben die Hotelbetreiber Anpassungen am Projekt vorgenommen, damit dieses bewilligt werden konnte», sagt Markus Hofmann, Bereichsleiter Baugesuche bei der Stadt.

Trotzdem: Wer glaubt, das Hotel feiert bald seine Wiedereröffnung, liegt falsch. «Stand jetzt können wir den Zeitpunkt der Wiedereröffnung nicht kommunizieren», sagt Manuel Brun, Präsident des Vereins Hirschengraben Coworking + Innovation, der hinter dem Kapselhotel steht.

Zwar liegt das Einverständnis der Stadt vor, noch fehle aber die Bewilligung der Gewerbepolizei. Diese könne erst ausgestellt werden, sobald alle Abteilungen des Projekts abgenommen worden sind, so Brun. Und weiter: «Ich gehe davon aus, dass es noch einige Wochen dauern wird, bis wir diese erhalten.»

Betreiber waren wohl zu ungeduldig

Das Hotel besteht aus 19 Schlafkapseln. Keine zwei Meter gross, verfügen sie über Spiegel, USB-Anschlüsse und je nach Version über einen Flachbildschirm. Offensichtlich steht hinter dem Konzept viel Denkarbeit. Und dann kommt den Initianten die schnöde Bürokratie in die Quere. Wie geht das zusammen?

Präsident Brun sagt selbstkritisch, man sei wohl zu ungeduldig gewesen, nachdem das Baugesuch im Juni 2018 eingereicht wurde: «Als Start-Up-Unternehmen sind unsere finanziellen Ressourcen begrenzt. Deshalb wollten wir keine Zeit verlieren und möglichst schnell operativ starten.»

Aus schnell wurde Stilltand. Statt November wird es jetzt wohl mindestens März, bis zahlende Gäste am Hirschengraben übernachten. Eine Belastung für die ohnehin nicht «unerschöpflichen finanziellen Ressourcen»?

Hat die Verzögerung gar etwas Gutes?

Offenbar nicht: «Glücklicherweise konnten wir die Ausfälle des Hotels gerade so kompensieren», so Brun. Der Verein habe beispielsweise die Sitzungszimmer besser vermieten können als erwartet, zudem seien auch die Co-Working-Spaces – Miet-Arbeitsplätze also – sehr gut nachgefragt.

Unter dem Strich dürfte die Verzögerung den Verein also nicht zu sehr schmerzen. Und mehr noch: Sie könnte auch etwas Gutes haben. Brun optimistisch: «Am Konzept haben wir in der Zwischenzeit nichts geändert. Aber wir hatten jetzt genügend Zeit, unsere internen Abläufe anzupassen und zu optimieren.»