Geldpolitik

Nationalbank entlastet Banken wegen Corona-Krise um 600 Millionen Franken

Die Nationalbank belässt den Leitzins vorerst auf dem heutigen Niveau.

Die Nationalbank belässt den Leitzins vorerst auf dem heutigen Niveau.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) tastet den Leitzins von -0,75 Prozent vorderhand nicht an. Allerdings greift sie den Banken unter die Arme. Die Belastung durch Negativzinsen wird um 600 Millionen Franken verringert.

(rwa) «Die Schweiz und die Welt befinden sich in einer ausserordentlichen Lage», erklärte SNB-Präsident Thomas Jordan am Donnerstag an einer Telefonkonferenz. Die Konsequenzen für die Wirtschaft seien einschneidend. Der Franken sei nochmals höher bewertet und die globalen Finanzmärkte stünden unter starkem Druck.

Laut Jordan geht es darum, monetäre Bedingungen zu schaffen, damit sich der Franken nicht zu stark aufwerte und die Wirtschaft vor Schaden bewahrt werde. Trotzdem verzichtet die SNB vorerst darauf, den Leitzins von -0,75 Prozent anzutasten. Eine weitere Senkung taxiert sie in der jetzigen Zeit als ungünstig.

Stattdessen kauft sie mehr Fremdwährungen am Devisenmarkt, um den Schweizer Franken zu stabilisieren. Eine expansive Geldpolitik sei nötiger denn je, betonte Jordan. Er wehrte sich aber gegen Vorwurf ein Währungsmanipulator zu sein. «Wir intervenieren, dass der Franken nicht übermässig stark wird.»

SNB arbeite eng mit dem Bundesrat zusammen

Die SNB sieht das Schweizer Finanzsystem im Moment gut gerüstet für die Krise. Die Banken seien mit ausreichend Liquidität ausgestattet und verfügten über grosse Kapitalpuffer, so Jordan – das sei auch eine Folge der Krise von 2008. Um die Banken zu stärken, hat die Nationalbank jedoch entschieden, die Belastung durch die Negativzinsen zu verringern. Konkret wird der Freibetragsfaktor von 25 auf 30 erhöht. Die jährliche Entlastung für die Banken beziffert Jordan auf 600 Millionen Franken. Das ist 60 Prozent der aktuellen Belastung.

Die SNB prüft zudem ob der antizyklische Kapitalpuffer trotz der Risiken am Hypothekar- und Immobilienmarkt gelockert werden kann. Auch arbeitet sie nach eigenen Angaben eng mit dem Bundesrat zusammen mit dem Ziel, die Wirtschaft bestmöglich zu unterstützen. Auf Nachfrage hielt sich Jordan bedeckt. Das hängt damit zusammen, dass der Bundesrat morgen Freitag neue Massnahmen beschliessen wird.

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