Wahl
Neuer Migros-Chef: Fabrice Zumbrunnen folgt auf Herbert Bolliger

Die Nachfolge von Herbert Bolliger an der Migros-Spitze ist geregelt. Fabrice Zumbrunnen übernimmt den Chefposten. Mit 47 Jahren ist er der jüngste Migros-Chef aller Zeiten und erst der zweite Romand in diesem Amt.

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Der neue Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen: er war als Geschäftsleiter für die kleine Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg tätig. 2012 wurde er Personal- und Kulturchef des Migros-Genossenschaftbundes. (Archiv)
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Herbert Bolliger (2003 bis 2017): In seiner Ägide stieg der Umsatz von 20 auf knapp 28 Milliarden Franken. Auch hat er der Migros neue Geschäftsfelder erschlossen wie den Onlinehandel oder Verkauf und Vermietung von Elektrofahrzeugen. Der Aargauer war zunächst Leiter der Migros Aare. Als Chef der ganzen Migros steigerte er den Umsatz von 20 auf 27,7 Milliarden Franken.
Anton Scherrer (2001 bis 2002): Scherrer begann 1991 bei der Migros und war zunächst für die Industrieunternehmen tätig. Zehn Jahre später rückte er an die Spitze auf.
Peter Everts (1997 bis 2001)
Peter Everts (1997 bis 2001) Everts startete als Marketingleiter bei der Migros Aare. 1995 rückte er in die Generaldirektion auf, zwei Jahre später wurde er Chef.
Eugen Hunziker (1992 bis 1996) Nach der KV-Lehre begann Hunziker bei der Migros Zürich. Nach verschiedenen Stationen in Verkauf und Verwaltung stieg er zum Chef auf.
Jules Kyburz (1984 bis 1991) Kyburz fing 1952 ganz unten als Verkäufer in Wetzikon ZH an. Nach Stationen untern anderem in Basel und Luzern schaffte er es ganz nach oben.
Arnold und sein Nachfolger Kyburz
Pierre Arnold (1976 bis 1984) Arnold war massgeblich am rasanten Wachstum der Migros in den 60er- und 70er-Jahren beteiligt. 1976 übernahm er den Chefposten.
Rudolf Suter (1962 bis 1976) Der Neffe des kinderlosen Duttweiler übernahm die Führung des Detailhändlers. Suter führte unter anderem das Kulturprozent ein.
Migros-Gründer Duttweiler war von 1957 bis 1962 Verwaltungsratspräsident der Migros. Später wurde Duttweiler auch Nationalrat - ein unbequemer und unkonventioneller. Legendär seine Aktion als er ein Bundeshausfenster mit einem Steinwurf zertrümmerte, um sich Gehör zu verschaffen. 1936 hatte er den Landesring der Unabhängigen (LdU) gegründet.
Gottlieb Duttweiler vor der Migros-Filiale in Zürich Oerlikon im Jahre 1950 (Archiv) Duttweiler gründete die Migros 1925. Er brachte das amerikanische Modell des Discounters in die Schweiz und wurde zu Beginn heftig bekämpft. Seit 1928 produzierte die Firma Eigenprodukte. Dies auch deshalb, weil angestammte Händler ihn boykottierten oder sonstwie das Leben schwer machten. Auch das Modell Selbstbedienungsladen war eine Pioniertat Duttweilers (1948). Die Geschäftsbereiche wurden immer mehr. Eine Auswahl: 1954 kam eine eigene Tankstellenkette (Migrol) hinzu, 1957 wurde das Migros-Kulturprozent ins Leben gerufen (Ziel: 1% des Umsatzes in Kultur und Weiterbildung zu investieren) und die Hausbank gegründet. 1955 kam eine Versicherung (Secura) hinzu. Auch ein Reisebüro (Hotelplan) zählte zum Firmenimperium.

Der neue Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen: er war als Geschäftsleiter für die kleine Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg tätig. 2012 wurde er Personal- und Kulturchef des Migros-Genossenschaftbundes. (Archiv)

Migros

Unter der Leitung von Migros-Präsident Andrea Broggini habe die Verwaltung des Migros-Genossenschafts-Bundes (MGB) Zumbrunnen als Nachfolger Bolligers zum Präsidenten der Generaldirektion MGB ernannt, teilte der Detailhandelsriese am Donnerstag mit. Bolliger geht Ende 2017 nach 13 Jahren an der Migros-Spitze in Pension. Sein Nachfolger übernimmt den Chefsessel Anfang 2018.

Zumbrunnen ist ein Migros-Eigengewächs: der studierte Betriebsökonom und Soziologe war 16 Jahre, zunächst als Verkaufschef, später als Verantwortlicher für Marketing und Logistik und schliesslich als Geschäftsleiter für die Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg tätig.

2012 wurde er Personal- und Kulturchef des MGB. In dieser Position ist er auch für den Vorstoss der Migros in den Gesundheitsbereich zuständig, in dem die Migros Wachstumspotenzial sieht. Unter seiner Federführung wurden die Gesundheitszentren Medbase und Santémed gekauft und die digitale Gesundheitsplattform Impuls lanciert.

Herbert Bolliger, der bisherige Migros-Chef.

Herbert Bolliger, der bisherige Migros-Chef.

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

In Bolligers Fussstapfen

Fabrice Zumbrunnen verfüge über alle Fähigkeiten, um Herbert Bolligers Erfolgskurs weiterzuführen, zeigte sich Migros-Präsident Andrea Broggini in einer Mitteilung über die Wahl erfreut.

Er verstehe den klassischen Detailhandel, habe sich aber auch stark in das Thema Digitalisierung vertieft. Deshalb sei Zumbrunnen ein Garant für Kontinuität. In Zeiten des sich stark verändernden stationären wie auch digitalen Geschäfts sei dies umso wichtiger.

Zumbrunnens Nachfolger als Mitglied der Generaldirektion und als Personal- und Kulturchef des MGB will Migros in den nächsten Monaten bekanntgeben.

Der neue Migros-Chef ist mit einer Musikerin verheiratet und Vater zweier Kinder. In seiner Freizeit treibt er Sport und beschäftigt sich mit Musik, Kunst und Literatur.

Neue Geschäftsfelder erschlossen

Wenn Bolliger am 31. Dezember 2017 in Rente geht, hat er die Geschicke des orangen Riesen während 13 Jahren gelenkt. Im November 2017 wird er das festgelegte Höchstalter von 64 Jahren erreichen und deshalb Ende des Jahres abtreten.

Er hinterlässt seinem Nachfolger ein gewaltiges Gebilde. Während seiner Amtszeit stieg der Umsatz von 20 auf 27,7 Milliarden Franken. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um knapp 20'000. Ende 2015 beschäftigte die Migros-Gruppe erstmals über 100'000 Personen.

In die Amtszeit des Aargauers fallen die Übernahme des Discounters Denner, des Modehändlers Schild und Digitec-Galaxus, der heutigen Nummer Eins im Schweizer Onlinehandel. Zudem stiess der Detailhandelsriese mit der Investition in den Gesundheits- und Fitnessbereich sowie mit dem Verkauf und der Vermietung von Elektrofahrzeugen in ganz neue Geschäftsfelder vor.

Ein weiteres wichtiges Verdienst von Bolliger sei die Einführung einer Nachhaltigkeitskonzepts beim Detailhändler gewesen, sagte eine Migros-Sprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Ausserdem habe der abtretende Chef schon früh die Chancen der Digitalisierung erkannt und die entsprechende Strategie bereits vor Jahren bedeutend vorangetrieben.

"Ich bereue nichts"

Auf seine Bilanz angesprochen, sagte Bolliger vor rund einem Monat im Interview mit der "NZZ am Sonntag": Er habe zwar auch mal Fehler gemacht, doch: "Ich bereue nichts."

Als Erfolge erwähnte er, dass Migros "klarer Marktführer im E-Commerce" wurde und dass das soziale und ökologische Engagement mit Generation M unter einer Klammer zusammengefasst worden sei. "Damit gelang es uns, zum weltweit nachhaltigsten Detailhändler zu werden." Nachhaltigkeit sei Teil der Migros-DNA.

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