Mobiles Roaming
Orange knüpft Smartphone-Kunden 16 mal mehr ab als Swisscom und Sunrise

So werden Schweizer Handykunden im Ausland gerupft: Orange verlangt beim mobilen Datenroaming 16 mal mehr ab als Swisscom und Sunrise. Im Vergleich mit dem Ausland zahlen die Schweizer so oder so viel mehr.

Matthias Niklowitz
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«Nimm dir, was du brauchst», fordert Orange auf. Und bedient sich auch gleich selbst.

«Nimm dir, was du brauchst», fordert Orange auf. Und bedient sich auch gleich selbst.

Keystone

Mobiles Roaming während der Ferien im Ausland kann rasch einmal mehr kosten als die Ferien selber. Die Anbieter lebten bisher gut damit, trotz der damit verbundenen Reputationsprobleme.

Allerdings ist gegenwärtig wieder etwas Bewegung in das Tarifgefüge gekommen, nachdem Swisscom bereits im Sommer 2012 die Preise durch die Einführung ihrer Infinity-Tarife ins Rutschen gebracht hatte. Sunrise zieht jetzt nach und senkte die Tarife für die Datenpakete auf das Niveau von Swisscom.

Orange als Mobile-Roaming-Preistreiber

«Sunrise-Kunden müssen künftig keine Angst mehr vor einer Schockrechnung haben, deren Betrag höher ist als das Ferienbudget», sagt Ralf Beyeler, Telecom-Experte vom Internet-Vergleichsdienst comparis.ch. Die Paketpreise sind bis zur Hälfte günstiger als bei Swisscom. Nur Orange zockt seine Kunden weiterhin ab, so der Vergleichsdienst in einer Mitteilung.

Allerdings war auch Sunrise bisher kein Discounter. Denn bisher zahlten Kunden selbst mit dem günstigsten Tarif von einem Franken pro Megabyte (MB) bei einem Datenverbrauch von 500 Megabyte 500 Franken. «Insbesondere junge Smartphone-Nutzer haben solche Datenmengen rasch zusammen», so Beyeler. Jetzt könnten Kunden bei Sunrise ein 30 Tage lang gültiges Datenpaket mit 500 MB kaufen – und zahlen dafür bei Reisen innerhalb Europas noch 49 Franken.

Für Sunrise-Kunden inzwischen bezahlbar

Ralf Beyeler, Telekom-Experte des Internetvergleichsdienstes Comparis.ch:«Damit wird die Datenübertragung via Smartphone im Ausland endlich auch für Sunrise-Kunden bezahlbar. Viele, die bei Reisen bislang ihr Smartphone fürs Daten-Roaming sperrten, können nun die Online-Funktionen auch in der Ferne nutzen.» Verglichen mit den Preisen für das Surfen im Inland seien die Preise aber immer noch sehr hoch. Beim neuen Angebot können Kunden bei Auslandsvisiten zwischen Datenpaketen mit 25, 100 oder 500 MB wählen. Ist das Volumen aufgebraucht, kann ein neues Paket hinzu gebucht werden. Der grosse Nachteil der 25 MB-Variante: Sie verfällt nach nur 24 Stunden. «Damit ist dieses Paket nicht mehr als ein Marketing-Gag, unbrauchbar für Ferienreisende», sagt Beyeler.

Orange-Daten weiter zu teuer

In den vergangenen Jahren bot Swisscom unter den Schweizer Mobilfunkanbietern stets die attraktivsten Roaming-Angebote. Jetzt bietet Sunrise ähnliche Preise wie Swisscom an. Die Pakete von Sunrise kosten zwar weniger, enthalten jedoch auch nur die halbe Datenmenge. Je nach Datenvolumen ist Swisscom oder Sunrise günstiger. Bei den kleineren Datenmengen sind die Preisdifferenzen wesentlich kleiner. Telecom-Experte Beyeler erwartet allerdings: «Swisscom wird aber noch vor den Sommerferien wie in den Vorjahren ihre Roaming-Tarife senken.»

Die Comparis-Berechnung zeigt zudem: Orange ist bis zu 17 Mal teurer als Sunrise. Orange bleibt weiter sehr kundenunfreundlich. Statt einfach ein Datenpaket kaufen zu können, müssen Kunden laut Beyeler ein Abo abschliessen und dieses nach den Ferien wieder kündigen. Hinzu kommt ein weiteres Problem. «Während bei Swisscom und Sunrise jederzeit ein neues Paket hinzu gekauft werden kann, können Orange-Kunden nicht nochmals das gleiche Paket nehmen, sondern nur ein anderes», so der Telekom-Experte.

Orange: Preissenkung zu Ferienbeginn

«Die Roaming-Tarife werden jedes Jahr und meist pünktlich zur Feriensaison gesenkt», verspricht Orange-Sprecherin Therese Wenger auf Anfrage. «Das wird bei uns auch in diesem Jahr der Fall sein, wobei ich Ihnen aus Konkurrenzgründen keine weiteren Angaben machen kann.»

Zum schlechten Abschneiden beim Comparis-Vergleich sagt Wenger: «Tatsache ist, dass die Orange Angebote nicht nur Datenvolumen (beispielsweise 200 MB) sondern zum Beispiel für 100 Franken auch 200 SMS und mit 200 Minuten mehr als drei Stunden Gesprächsguthaben enthalten. Im Gegensatz zu den Mitbewerbern fallen bei den Orange-Paketen also kaum Zusatzkosten für Gespräche und SMS an. Der Vergleich beschränkt sich jedoch einseitig auf den reinen Datenverkehr, was zu diesen verzerrten Preisdarstellungen führt. Unseren Kunden raten wir, auch die Preise für ihren Bedarf an Gesprächen und SMS zu vergleichen und in der Feriensaison dann von den neuen Orange-Angeboten zu profitieren.»

Jeder Zweite schaltet Datenroaming ab

Gegen diese Darstellung wehrt sich Comparis-Beyeler. «Wir haben die günstigste Möglichkeit berücksichtigt. Hätten wir die reinen Datenpakete von Orange berücksichtigt, wäre Orange sogar noch teurer gewesen.»

Beyeler weist auch darauf hin, dass die Datennutzung im Ausland immer wichtiger sei. «Auf die Telefonie und SMS können viele Kunden eher verzichten als auf das mobile Internet.» Beyeler geht davon aus, dass Organe ihre Tarif-Politik «nicht so rasch ändert»

Nur aufgrund der hohen Roaminggebühren verzichtet die Hälfte aller EU-Bürger auf das Datenroaming im Ausland, dann nutzen sie halt das Internet im McDonalds oder im Starbucks.

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