Self-Scanning

Passabene gegen Subito: So schlagen sich die Scanning-Apps von Coop und Migros im Test

Migros und Coop bieten neuerdings die Funktion, dass Kunden ihre Einkäufe mit dem Smartphone einlesen können. Unsere Redaktorin hat die beiden Systeme getestet – und Verbesserungspotenzial festgestellt.

Einkaufen wird digitaler. Mit der Passabene-App können Coop- Kunden seit Ende 2019 mit dem Smartphone ihre Einkäufe scannen, Migros testet die Funktion SubitoGo auf der hauseigenen App seit rund zwei Wochen. Das Prinzip ist einfach: Das Handy funktioniert als Handscanner, mit dem die Strichcodes der Waren eingelesen werden. Unsere Redaktorin hat die Systeme unter die Lupe genommen.

SubitoGo von Migros

Ein Pappschild in der Zürcher Migros-Filiale Kreuzplatz weist auf die neue Funktion SubitoGo hin.

Ein Pappschild in der Zürcher Migros-Filiale Kreuzplatz weist auf die neue Funktion SubitoGo hin.

Die Funktion ist momentan nur in den Filialen Eigerplatz und Zähringer in Bern sowie in den Filialen Kreuzplatz und Limmatplatz in Zürich verfügbar. Am Eingang, gleich neben den herkömmlichen Handscannern, weist ein Pappschild auf das System hin. Die Anleitung klingt simpel. Migros-App öffnen, SubitoGo starten, Check-in Code scannen.

Beim Öffnen der App zeigt sich aber gleich die erste Hürde: Ich finde die Funktion einfach nicht. Erwartet hätte ich sie prominent auf der Startseite. Doch weder dort noch im Portemonnaie oder im Profil steht irgendwo SubitoGo. Auch eine Suche ist erfolglos: Auf das Eintippen des Worts «Subito» im Suchfeld folgen nur Subito-Produkte. Dasselbe auch auf dem Handy meiner Mutter. Am Android-Gerät kann es also nicht liegen. Mir bleibt nichts anderes übrig, als Hilfe zu holen.

Doch auch eine Mitarbeiterin kann nicht weiterhelfen. «Komisch, bei mir funktionierts», meint sie und drückt wahllos auf meinem Handy herum. So schnell geben wir nicht auf, sie nimmt das Handbuch zur Hilfe. Vielleicht ein Update? Fehlanzeige. Die App ist auf dem neusten Stand. Profil verifizieren? Bringt auch nichts. Weitere Mitarbeitende stossen hinzu, alle wollen helfen. «Dieses Problem hatten wir noch nie», sagt eine. «Bis jetzt ist die Funktion immer automatisch aufgetaucht», eine andere.

Erst ein Anruf beim Helpdesk bringt die Lösung: Kunden müssen in ihrem Profil einen der Teststandorte als ihre Region hinterlegen – also Zürich oder Bern. Kaum erledigt, poppt die Funktion prompt auf der Startseite auf. Doch loslegen kann ich immer noch nicht. Zuerst muss ich mich durch Geschäftsbedingungen wühlen, Passwörter festlegen, eine Bezahlmethode auswählen.

Inzwischen ist fast eine Stunde vergangen. Dann endlich kann das Einkaufserlebnis starten. Immerhin läuft es ab da wie geschmiert: Ich kann die Produkte einwandfrei scannen, auch der Bezahlvorgang ist simpel. Und zwar ganz einfach über die eben hinterlegte Bezahlmethode. Mühsames Anstehen an den Kassen gehört damit zur Vergangenheit.

Obendrein sparen Kunden mit dieser Methode auch Papier. Denn der Kassenzettel erscheint gleich darauf in der App. Nur eines ist vorerst etwas gewöhnungsbedürftig: Und zwar mit einer vollen Einkaufstasche einfach an der Kasse vorbeizumarschieren. Ich suche absichtlich den Blick einer Mitarbeiterin und winke mit dem Handy. Soll heissen: Ich habe per App bezahlt. Und nicht geklaut.

Passabene von Coop

Über die Passabene-App von Coop lassen sich keine Bezahlungen tätigen. Dafür müssen Kunden weiterhin an die Kasse.

Über die Passabene-App von Coop lassen sich keine Bezahlungen tätigen. Dafür müssen Kunden weiterhin an die Kasse.

Der Coop-Test verläuft im Gegensatz zu dem in der Migros ereignislos. Die App funktioniert selbsterklärend. Nach dem Öffnen von Passabene erscheint der Button «Einkauf starten», danach kann ich die Filiale auswählen und sogleich loslegen. Auch hier kann ich meine Einkäufe problemlos scannen, die Strichcodes werden von der Kamera sofort erkannt und dem richtigen Produkt zugeordnet.

Ich habe übrigens meinen Spass dabei und probiere die Funktion an haufenweise verschiedenen Produkten aus. Hat man dann alles beisammen, kann man auf der App den Einkauf beenden und anschliessend den QR-Code an der Kasse scannen. Anders als bei der Migros können Kunden ihre Einkäufe nämlich nicht auch gleich in der App bezahlen. Weil die Passabene-App nicht an die Supercard gebunden ist, muss auch keine Bezahlmethode hinterlegt werden.

Datentechnisch betrachtet ist dieses Vorgehen für den Kunden erfreulich. Denn anders als für die Benützung der Migros-App muss er beispielsweise keine Telefonnummer angeben, um seine Einkäufe zu tätigen. Hat es vor den Terminals beziehungsweise den Kassen aber eine Schlange, muss er anstehen. Wie ein Sprecher von Coop mitteilt, ist eine Änderung dieses Systems derzeit nicht angedacht.

Fazit

Mithilfe beider Apps sind Einkäufe schnell erledigt. Vor allem für Jüngere und Smartphone-Versierte oder für kleinere Einkäufe dürften die neuen Funktionen attraktiv sein. Dadurch, dass das Scannen bei Coop über eine eigene App erfolgt, können sich Kunden die Kundenkarte sparen und fühlen ihre Daten geschützter als bei der Migros – ein grosser Vorteil von Passabene. Das Bezahlen an der Kasse verpasst der ganzen Idee eines raschen Einkaufs aber einen Dämpfer.

Beim Bezahlvorgang hat die Migros eindeutig die Nase vorn. Aber: Das Chaos am Anfang müsste behoben werden. Wäre ich bei meinem Versuch eine normale Kundin gewesen, hätte ich nach wenigen Minuten aufgegeben. Auch dass ein Standort nötig ist, um die Funktion zu erhalten, ist fragwürdig. Bei einer schweizweiten Einführung nach dem jetzigen Testverlauf könnte sich das aber durchaus ändern.

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