Recycling
Nach Kritik: Migros startet doch noch mit der Plastiksammlung

Der orange Riese spannt mit kantonalen Abfallverbänden zusammen. Der ökologische Mehrwert bleibt aber umstritten.

Maurizio Minetti
Drucken
Teilen
So sieht der Plastiksammelsack aus.

So sieht der Plastiksammelsack aus.

Bild: Dominik Wunderli

Die Genossenschaft Migros Luzern hat am 3. Mai als erste Genossenschaft der Migros-Gruppe einen Plastiksammelsack lanciert. Man biete der Bevölkerung eine einfache Möglichkeit, Plastikverpackungen zu Hause zu sammeln und in einer von über 40 Zentralschweizer Migros-Filialen zu retournieren, teilte der Detailhändler mit.

Das gesammelte Plastikmaterial wird durch die Thurgauer Firmen InnoRecycling und InnoPlastics übernommen und rezykliert. Der Sammelsack ist in drei Grössen (17, 35 und 60 Liter) erhältlich und kostet 0.90, 1.70 oder 2.50 Franken. Ein Sprecher sagt:

«Sollten wir ein positives Fazit ziehen, ist es denkbar, dass wir eine Ausweitung auf weitere Regionen in der Schweiz prüfen.»

Das Projekt der Migros lag seit Sommer 2020 auf Eis. Unter anderem deshalb, weil der orange Riese die für die Abfallbewirtschaftung zuständigen Zentralschweizer Abfallzweckverbände nicht rechtzeitig an Bord geholt hatte. Laut der Mitteilung hat die Migros die Lancierung in den letzten Monaten nun mit den zuständigen Abfallverbänden vorbereitet – unter der Führung des Gemeindeverbands der Region Luzern Real, wie dieser auf der eigenen Website schreibt.

Real und weitere Verbände hatten das Projekt letztes Jahr unter anderem deshalb kritisiert, weil der Nutzen von Plastikrecycling umstritten ist. Real selbst räumt ein, man habe der Bevölkerung bisher die separate Sammlung von gemischten Kunststoffabfällen aus Haushalten unter Berücksichtigung ökologischer und wirtschaftlicher Aspekte «nicht empfohlen». Der ökologische Mehrwert von Separatsammlungen hänge unter anderem massgeblich von zwei Faktoren ab. Einerseits müsse die Anzahl an zusätzlich generierten Fahrten minimiert werden und andererseits müsse der separat gesammelte Wertstoff wieder dem Kreislauf zugeführt werden können, so Real.

Der Zusammenarbeit mit der Migros sei zugestimmt worden, weil diese dank der flächendeckenden Infrastruktur die Möglichkeit habe, die bestehende Rückwärtslogistik für den Transport des Kunststoffs zu verwenden. Ausserdem verpflichte sich die Migros, Teile des aufbereiteten Kunststoffs in ihrer Verpackungsindustrie einzusetzen und Verpackungen zukünftig so zu gestalten, dass der Recyclingprozess einfacher sei.

Greenpeace pocht auf Mehrwegsysteme

Während das Potenzial einer Kreislaufschliessung den WWF überzeugt, sieht Greenpeace Schweiz das Projekt kritisch. Die Migros sollte aus ökologischer Sicht lieber in innovative Mehrwegsysteme investieren, sagt ein Sprecher. In einem aktuellen Positionspapier schreibt Greenpeace, der ökologische Nutzen von Plastikrecycling sei gering. Durch vermehrtes Recycling würde umweltschädliches Konsumverhalten legitimiert und zementiert. Alle Massnahmen zur Optimierung des bestehenden Abfallsystems seien ohne Umstellung auf Mehrweg lediglich ein Greenwashing. Greenpeace zitiert eine Studie, wonach der Verzicht auf einen Ferienflug nach Sardinien oder Mallorca 30 Jahre Kunststoffsammeln entspricht.

Aktuelle Nachrichten