Buchmarkt
Reisende lassen Ferien-Apps links liegen

Gedruckte Reiseführer sind beliebter denn je – die digitale Revolution kann ihnen nichts anhaben. Die Reisenden schätzen den kompakten Reiseführer in Buchform.

Thomas Schlittler
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Warum einen dicken Reiseführer mitschleppen, wenn die gleichen Informationen auch auf dem Smartphone, Tablet oder eReader erhältlich sind? Die digitale Revolution und die stetige Verbesserung der Internetinfrastruktur stellen die Existenzberechtigung von gedruckten Reiseführern infrage – könnte man meinen. Die Fakten sprechen aber eine andere Sprache: Klassische Reiseführer sind beliebter denn je.

Laut dem Marktforschungsinstitut Media Control haben die Verkäufe in Deutschland zwischen 2002 und 2013 um 35 Prozent zugelegt. Auch in der Schweiz sind die Umsätze mit Reiseliteratur in den letzten Jahren gestiegen: «Wir bewegen uns bei einem Plus von rund fünf Prozent gegenüber Vorjahr», sagt ein Sprecher des Branchenriesen Orell Füssli Thalia.

Woran liegt es, dass die Fernweh-Geplagten am gedruckten Reiseführer festhalten? Bei MairDumont, dem grössten Reisebuchverlag im deutschsprachigen Raum, geht man davon aus, dass die Kunden die Kompaktheit eines klassischen Reiseführers zu schätzen wissen: «Im Internet werden die Menschen mit Informationen überflutet. In unseren Reiseführern bieten wir hingegen eine klare, kompetente Einordnung», sagt Stephanie Mair-Huydts, MairDumont-Chefin und Enkelin des Verlagsgründers, im Gespräch mit der «Nordwestschweiz».

Umsatz mit Apps vernachlässigbar

MairDumont gibt die Marken Dumont, Baedeker und Marco Polo heraus. Zudem übersetzt der Verlag mit Sitz in Ostfildern bei Stuttgart die Lonely-Planet-Reiseführer ins Deutsche und übernimmt deren Vertrieb im deutschsprachigen Raum. Mehr als jeder zweite Reiseführer, der in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) verkauft wird, stammt aus dem Hause MairDumont.

Kassenschlager sind die Marco-Polo-Reiseführer. Etwa jeder fünfte verkaufte Reiseführer stammt aus dieser Reihe. LonelyPlanet kommt in der DACH-Region lediglich auf einen Marktanteil von sieben Prozent.

MairDumont macht rund 120 Millionen Franken Umsatz, das digitale Geschäft trägt dazu weniger als 20 Millionen bei. Mair-Huydts: «Im digitalen Bereich verdienen wir am meisten mit Werbebannern auf unseren Websites. Die Umsätze durch den Download unserer Reise-Apps sind gering.»

MairDumont bietet seit mehr als fünf Jahren Reiseführer-Apps an. Einmal heruntergeladen, funktionieren diese auch ohne Internetverbindung. Bei der Marco-Polo-Reihe kostet der Download einer Destination – zum Beispiel Amsterdam – 4.50 Euro. Die Printausgabe mit denselben Inhalten kostet bei Amazon 12 Euro. Trotzdem entscheidet sich die grosse Mehrheit für das Buch.

Auf der Marco-Polo-Homepage stehen die kompletten Buchinhalte der verschiedenen Destinationen gar kostenlos zur Verfügung. Doch auch dadurch sind die Umsätze der Print-Produkte nicht zurückgegangen. Mair-Huydts: «Reiseinformationen werden zwar auch online nachgefragt, aber vor allem vor der Reise. Vor Ort bevorzugen die meisten einen klassischen Reiseführer.»

Die 51-jährige Verlegerin rechnet nicht damit, dass sich an dieser dominanten Stellung der gedruckten Reiseführer in absehbarer Zeit etwas ändern wird: «Ich sehe Apps und das Internet als Ergänzung der klassischen Reiseführer.»

Das Ziel ist die Rundum-Betreuung

Trotz dieses festen Glaubens an die Zukunft von Printprodukten will MairDumont das digitale Geschäft ausbauen: «Für unsere Diversifizierung ist es wichtig, dass wir unseren Digitalumsatz mit E-Books, Apps und E-Commerce steigern», sagt Mair-Huydts. Das Ziel sei es, die Reisenden von der Inspirationsphase vor der Reise bis zum Hochladen der Fotos nach der Reise zu begleiten.