Lehrerkasse

Riesenloch bei der Lehrerkasse – Gasche soll 70 Millionen lockermachen

Urs Gasche soll 70 Millionen Franken locker machen

Urs Gasche

Urs Gasche soll 70 Millionen Franken locker machen

Der Kanton soll der Bernischen Lehrerversicherungskasse (BLVK) ab diesem Jahr mit 70 Millionen Franken unter die Arme greifen. Als Folge der Finanzkrise wuchs die Deckungslücke auf 2,1 Milliarden Franken an.

Von Bruno Utz

Nach der Bernischen Pensionskasse vor einer Woche (BPK) war gestern Freitag die Reihe an der BLVK: «Der Deckungsgrad ist im vergangenen Jahr von 88,81 auf 73,47 Prozent gesunken», teilte die Vorsorgeeinrichtung der rund 15 500 bernischen Lehrerinnen und Lehrer sowie von 6000 Rentnern mit.

Der 2005 erfolgreich eingeführte Sanierungsprozess sei durch die Turbulenzen an den Finanzmärkten abrupt gestoppt worden. «Deshalb hat die Verwaltungskommission (VK) Massnahmen beschlossen und den Regierungsrat um Unterstützung gebeten», sagte auf Anfrage BLVK-Direktor Luzius Heil.

Schere öffnet sich

Anfänglich soll der Kanton mit 70 Millionen Franken jährlich aushelfen. Diese Summe errechnet sich aus der von der VK als notwendig erachteten Senkung des technischen Zinssatzes von 4,0 auf neu 3,25 Prozent. Dadurch sinkt der Deckungsgrad um weitere 6,36 Prozent auf 67,11 Prozent. Die Deckungslücke wächst im Gegenzug auf 2,105 Milliarden Franken an. Die VK habe den technischen Zinssatz senken müssen, weil sonst auf dem versicherungstechnischen Vorsorgekapital von 5,847 Milliarden Franken eine unrealistisch hohe Rendite hätte erarbeitet werden müssen, sagte Heil.

Als Variante schlägt die BLVK dem Regierungsrat vor, dass der Kanton die durch die Zinssatzsenkung entstandene Lücke von 554 Millionen Franken ausfinanziert. Was der Regierungsrat von den Anträgen der BLVK hält, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen; Finanzdirektor Urs Gasche (BDP) war abwesend.

Bereits an Grenze der Zumutbarkeit

Letzte Woche informierte die Bernische Pensionskasse (BPK) - bei ihr sind 32 500 Aktive und 11 000 Rentner des Staatspersonals und der subventionierten Betriebe versichert - der Deckungsgrad sei auf 87,3 Prozent gesunken. Die BPK beschloss deshalb, von den Versicherten und den Arbeitgebern ab dem nächsten Jahr höhere Beiträge zu verlangen.

«Beitragserhöhungen erachten wir für uns als untauglich», sagte Heil: «Mit den seit 2005 erhobenen höheren ordentlichen Beiträgen sowie den Risiko- und Sanierungsbeiträgen sind wir an die Grenze der Zumutbarkeit gestossen.»

Im Gegensatz zum früheren BLVK-Debakel leide die BLVK jetzt nicht an strukturellen Problemen. Die Leistungen seien sauber ausfinanziert. «Das Loch ist einzig auf die Turbulenzen an den Kapitalmärkten zurückzuführen.» Dank der in den vergangenen zwei Wochen gestiegenen Aktienkurse sei im ersten Quartal 2009 keine weitere Verschlechterung eingetreten. «Der Deckungsgrad ist stabil.»

Primatwechsel nicht tangiert

Nach Meinung von Heil hat die Finanzkrise keinen Einfluss auf die Arbeiten des vom Grossen Rat vorgesehenen Primatwechsels. Und wenn schon, dann käme der Wechsel vom Leistungs- zum Beitragsprimat frühestens auf Anfang 2013. «Wir hoffen, dass sich bis dann die Märkte erholen.» Heil empfahl, grundsätzlich ruhig Blut zu bewahren: «So wie es runter gegangen ist, so kann es auch wieder rauf gehen - vielleicht nicht ganz so schnell.»

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