Krankenkasse
Roche-Länderchef warnt vor Zweiklassen-Medizin in der Schweiz

Steigende Krankenkassenprämien, hohe Medikamentenpreise und ein erhitztes politisches Klima. Für Manfred Heinzer - Länderchef des Pharamgiganten - Anzeichen für eine Zweiklassenmedizin in der Schweiz.

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Keystone

Das politische Klima in der Schweiz sei «zunehmend innovationsfeindlich», kritisiert der Chef von Roche Pharma Schweiz, Manfred Heinzer. Das berichtet die Zeitung «Der Sonntag».

In der firmeneigenen Zeitschrift «Roche Nachrichten» sagt Heinzer: «Das Bundesamt für Gesundheit (BAG), welches verantwortlich ist, dass unsere Medikamente von den Krankenversicherungen aus der Grundversicherung bezahlt werden müssen, blockiert zunehmend die Anwendung innovativer Medikamente.» Dies habe verheerende Folgen für die Patienten: «Teilweise sind sie sogar schlechter gestellt als jene in anderen europäischen Ländern. Insgesamt herrscht hierzulande leider ein zunehmend pharma- und innovationsfeindliches Klima.»

Heinzer greift Krankenkassen an

Der Roche-Länderchef kritisiert, dass die Krankenkassen seit März selber festlegen dürfen, wie viel sie für ein lebensrettendes Medikament zahlen, das für eine andere Anwendung eingesetzt wird als die offiziell zugelassene. Er warnt, die Schweiz sei damit auf dem besten Weg zu einer Zwei-Klassen-Medizin. «Wenn beispielsweise Billigkassen hierzulande Off-Label-Anwendungen von Medikamenten nicht zahlen, andere, auf Qualität ausgerichtete Kassen die Kosten dafür aber übernehmen, dann ist dies bereits eine Art Zwei-Klassen-Medizin.»

Der Roche-Länderchef kritisiert auch das Bundesgericht, weil dieses entschied, die Grundversicherungen müssten für eine Therapie nicht mehr als 100 000 Franken pro Jahr zahlen. Ein Beispiel für die «innovationsfeindliche Erstattungspolitik in der Schweiz» sei auch, dass der Preis für ein bereits zugelassenes Medikament gesenkt wird, wenn eine neue Indikation hinzukommt. «Innovation wird durch diese Vorgabe regelrecht bestraft anstatt gefördert. Das ist doch paradox. Da bestehen keine Anreize für Neuerungen.»

Verhandlungen im Gange

Der Branchenverband Interpharma verhandelt nun mit dem BAG und dem Krankenkassenverband Santésuisse über eine Lösung. Manfred Heinzer attackiert derweil die Schweizer Spitalpolitik. «Wir haben heute etwa 330 Kliniken in der Schweiz. In den Niederlanden, wo doppelt so viele Menschen leben, gibt es 105. Die Schweiz leistet sich hier einen Luxus, der die Kosten in die Höhe treibt und obendrein punkto medizinischer Qualitätsstandards fragwürdig ist.»

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