Damit haben viele Beobachter nicht gerechnet: Das neuartige Krebsmittel Tecentriq hat in der Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Blasenkrebs nicht die gewünschten Resultate gezeigt. Konkret untersuchte der Pharmakonzern, ob das Medikament besser wirkt als bei Patienten, denen eine platinbasierte Chemotherapie verabreicht wurde oder noch verabreicht wird. Die Studie zeigt, dass sich mit Tecentriq im Vergleich zur Chemotherapie kein besserer Krankheitsverlauf nachweisen lässt.

Tecentriq ist das erste Medikament im Hause Roche, das zu den neuartigen Krebsimmuntherapien zählt. Vereinfacht gesagt sollen diese Präparate das Immunsystem des Körpers dazu bringen, Krebszellen zu identifizieren und abzutöten. Um diese neue Generation von Krebsmedikamenten, denen ein hohes Potenzial zugemessen wird, ist ein eigentliches Wettrennen entstanden. Neben Roche sind vor allem Merck, Bristol-Myers Squibb und Asrazeneca vorne dabei.

Bestätigung gelang nicht

Tecentriq wurde vor einem Jahr von der US-Gesundheitsbehörde FDA in einem beschleunigten Zulassungsverfahren zugelassen. Da dieses oft auf Daten kleinerer klinischer Versuche beruht, müssen die Ergebnisse später mit grösseren Studien der Phase III bestätigt werden. Diese Bestätigung gelang nun nicht, was viele Beobachter überrascht. Das Medikament wurde von der FDA zudem kürzlich auch für Patienten zugelassen, für die eine Chemotherapie aus gesundheitlichen Gründen nicht infrage kommt. Diese Zulassung dürfte bestehen bleiben.

Mehrere Analysten spielten gestern die Bedeutung des Rückschlags für Roche herunter. Es zeige sich jedoch, dass auch die neuen Immuntherapien negativ überraschen können, schreiben die Analysten des US-Vermögensverwalters Bernstein. Nach den vielen Erfolgen mehrerer Immuntherapien seien die Investoren mal wieder daran erinnert worden, dass die Entwicklung neuer Medikamente mit hohen Risiken behaftet sei.

Derweil setzt Roche weiterhin grosse Hoffnungen in Tecentriq. Das Medikament wird gegen zahlreiche Tumorarten getestet – von Brust- über Darm- bis hin zu Blutkrebs. Insgesamt hat der Konzern über 30 klinische Studien gestartet, viele auch in Kombination mit anderen Medikamenten. (MKA)