Satiremagazin
«Nebelspalter»: Verleger Thomas Engeli nennt Bedingungen für einen Verkauf

Die Redaktion des Heftes soll am Bodensee bleiben. Und für die Mitarbeiter soll ein Kündigungsschutz gelten. Die Frage ist nun, ob Kaufinteressent Markus Somm diese Konditionen akzeptiert.

Francesco Benini
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Sucht frisches Kapital: Thomas Engeli, der Verleger des «Nebelspalters».

Sucht frisches Kapital: Thomas Engeli, der Verleger des «Nebelspalters».

CH Media

Der Publizist Markus Somm ist an einer Übernahme des Satiremagazins «Nebelspalter» interessiert. Das bestätigte Ende vergangener Woche der Verleger der Zeitschrift, Thomas Engeli. Nun hat der Thurgauer Unternehmer einen Brief an die kleine Redaktion – sie besteht aus nur zwei Personen – und die externen Mitarbeiter geschrieben.

Engeli hält fest, dass die Meldung über einen möglichen Verkauf des Magazins zur Angst geführt habe, «der ‹Nebelspalter› könnte den Weg des pointierten Witzes und der politischen unabhängigen Schlagkräftigkeit verlieren und zum Sprachrohr einer einseitigen politischen Ausrichtung mutieren.» Der Verleger spricht damit die Bedenken an, die ihm in den vergangenen Tagen vorgetragen worden sind: Unter Somm könnte das Heft einen scharfen Rechtskurs einschlagen.

Investitionen in den Online-Bereich

Was tut Thomas Engeli nun? Er schreibt, eine Auflage von 18000 Exemplaren – die rund 160 000 Leser erreicht –, sei «zu wenig zum Leben, aber zu viel zum Sterben.» Das klingt nach einem Verkauf. Zumal der Verleger «Defizite im Online-Bereich» feststellt. Verleger, welche die nächsten Jahrzehnte überstehen möchten, müssten sich der Online-Herausforderung stellen. «Ohne Spezialisten und neues Kapital geht das nicht.» Der Online-Einstieg im Tagesgeschäft sowie gut recherchierte Beiträge verlange ein mehrköpfiges Redaktionsteam und viel Kapital, darum stehe Engeli «im Kontakt mit möglichen Investoren.»

Der Verleger nennt aber Bedingungen: Er wolle Herausgeber der Printausgabe bleiben und «alle Arbeitsplätze in Horn erhalten, inklusive der bestehenden Redaktoren und externen Mitarbeitenden.» Der «Nebelspalter» wisse auch weiterhin, wo seine Wurzeln seien, betont Thomas Engeli, der seinen Brief mit «vielen Grüsse vom Bodensee» schliesst.

Ist am «Nebelspalter» interessiert: der Publizist Markus Somm.

Ist am «Nebelspalter» interessiert: der Publizist Markus Somm.

Urs Flueeler / KEYSTONE

Wie reagiert Markus Somm auf die Konditionen? Auf Anfrage wollte er keine Stellung nehmen. Engeli bedingt sich offenbar aus, dass die Redaktion nicht aus dem thurgauischen Horn verlegt wird. Somm wohnt aber nicht am Boden-, sondern am Zürichsee. Und einige Mitarbeiter sollen unter einen Kündigungsschutz gestellt werden. Das würde verhindern, dass Somm als Chef ein neues Team zusammenstellt. Ideale Startbedingungen sind das nicht.

Engeli erwähnt in seinem Schreiben den französischen «Canard enchaîné», eine Wochenpublikation, die Satire mit Recherchen und Analysen verbindet. Offenbar soll sich der «Nebelspalter» in diese Richtung entwickeln. Somm sucht seit dem vergangenen Frühling Geldgeber für ein neues publizistisches Projekt. Der vormalige Chefredaktor der «Basler Zeitung» wollte 4 Millionen Franken sammeln. Wie man hört, liegen ihm nun Zusagen für eine insgesamt höhere Summe vor.

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