Tourismus

Schweizer Hotels sind trotz Frankenstärke gut besucht

Mehr Übernachtungen in der Schweiz

Schweizer Hotels trotzen dem starken Franken.

Mehr Übernachtungen in der Schweiz

Die Aufhebung des Mindestkurses löste in der Tourismus-Branche eine Endzeit-Stimmung aus. Die Statistik zeigt aber, wie robust der Schweizer Tourimus ist. In einzelnen Schweizer Ferienregionen und Städten schreckt der Wechselkurs die Gäste nicht ab.

Wie haben sie doch gejammert, die Tourismus-Direktoren und die Hoteliers, als die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Januar den Mindestkurs aufgehoben hat. Von Endzeit-Stimmung war die Rede. Die Realität sieht viel besser aus als befürchtet. Die Zahl der Übernachtungen in Schweizer Hotels ist in der abgelaufenen Wintersaison stabil geblieben beziehungsweise um 0,1 Prozent auf 15,7 Millionen gestiegen, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) gestern mitteilte.

Beispiel Basel: Daniel Egloff, Direktor von Basel Tourismus, ist mit der Wintersaison und den ersten Monaten des neuen Jahres zufrieden. Von Januar bis April sind die Übernachtungen um 8,6 Prozent gestiegen. Nebst dem üblichen Geschäftstourismus hätten Ereignisse wie das Musical Lion King, die Ausstellung Paul Gaugin und die Uhrenmesse Baselworld viele Gäste angelockt. Genau das sei der Vorteil von Städten wie Basel gegenüber den Bergregionen, sagt Egloff. Denn: «Unser Angebot ist nicht austauschbar.» Wenn also jemand Lion King sehen oder eine Messe besuchen möchte, müsse er nach Basel kommen. «Skifahren kann man aber genausogut auch in Österreich», so der Tourismusdirektor.

Beispiel Freiburg: Auch hier ist die Zahl der Logiernächte gegenüber der Vorjahresperiode gestiegen – um rund zwei Prozent. «Trotz dem schlechten Wetter und der Frankenstärke», sagt Thomas Steiner, Direktor von Fribourg Region. Er führt das positive Resultat auf verschiedene Faktoren zurück: Einerseits hätten Personen aus dem Ausland, die sich keine Ferien mehr etwa in Verbier oder Zermatt leisten können, nach alternativen, günstigeren Destinationen gesucht. Andererseits sei man in der Region Freiburg nicht völlig von ausländischen Gästen abhängig. «Über 60 Prozent stammen aus der Schweiz», so Steiner.

Schweiz Tourismus will wegen Frankenstärke mehr Geld

Ende Februar 2015: Schweiz Tourismus will wegen Frankenstärke mehr Geld.

Zusätzliche Ferien in der Schweiz

Schweizer hätten zwar aufgrund des schwachen Euros einen guten Grund, ihre Ferien im Ausland zu verbringen – der Mehrwert sei ihm klar, sagt Steiner. Doch es sei nur die halbe Wahrheit: «Mit dem gesparten Geld entscheiden sich viele, zusätzlich einige Ferientage in der Schweiz zu machen.» Für das ganze Tourismusjahr, Mai 2015 bis April 2016, rechnet er deshalb mit einer Zunahme der Logiernächte um rund fünf Prozent.

Beispiel Arosa: Graubünden verbuchte zwar einen Logiernächterückgang von 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das Ferienzentrum Arosa gar fünf. Die Anfragen seien nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses deutlich zurückgegangen, sagt Kurdirektor Pascal Jenny. Auch hätten Gäste – aus dem Ausland aber auch aus der Schweiz – vermehrt nach kostenlosen Zusatzleistungen gefragt. Doch jammern ob der verpassten Wintersaison mag Jenny nicht. Denn bei den Top-7-Hotels, welche die Aktion «Skischule inklusive» anbieten, sei die Zahl der Familiengäste um vier Prozent gestiegen.

Zudem hätten die Übernachtungen während den Winterevents wie dem Humorfestival um fünf Prozent zugenommen. «Die Beispiele zeigen, dass wir auf gefragte Produkte setzen müssen», sagt Jenny. Sprich, man müsse den Gästen Alternativen anbieten können – unabhängig von Pistenverhältnissen oder Frankenstärke. «Das ist das Erfolgsmodell der Zukunft», ist der Kurdirektor von Arosa überzeugt.

Gäste mit Angeboten überraschen

Die drei Beispiele zeigen, wie robust der Tourismus trotz dem starken Franken ist. Einerseits ist der Geschäfts- und Kongresstourismus – wie in Basel – stark. Andererseits sind einheimische Gäste nach wie vor bereit, Geld für Ferien in der Schweiz auszugeben. Diese Meinung teilt Christoph Juen, Direktor des Branchenverbands Hotelleriesuisse. Der Nachrichtenagentur SDA sagte er, dass Schweizer Hotels aufgrund der Währungssituation und den hohen Qualitätsstandards nicht auf Preissenkungen setzen sollten. Stattdessen könnten sie die Gäste mit Zusatzangeboten überraschen, so Juen.

Ganz blauäugig will sich auch der Basler Tourismusdirektor Daniel Egloff nicht geben: Aufgrund der Frankenstärke rechne man in Zukunft mit weniger Kongressen. Ebenfalls zu denken geben ihm die Preisunterschiede in der Gastronomie. Essen und Trinken sei hierzulande bis zu doppelt so teuer wie im Ausland, sagt Egloff. Längerfristig werde dieser Umstand auch die Nachfrage nach Städtereisen in die Schweiz negativ beeinflussen.

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