Wi-Fi
Seltenes Gratis-WLAN: Schweizer Hotels finden den Anschluss nicht

Schweizer Hotels schneiden betreffend Gratis-WLAN im Vergleich schlechter ab als der weltweite Durchschnitt. Die hiesige Hotellerie hinkt sogar Ländern wie Vietnam oder Kambodscha hinterher.

Thomas Schlittler
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Möchten Sie in den Ferien die neuesten Sportresultate checken und Ihren Freunden ein Handyvideo vom Wasserskifahren übermitteln – ohne nach der Rückkehr in die Schweiz von einer happigen Telefonrechnung überrascht zu werden? Dann sollten Sie sich in den Fernen Osten orientieren: In Vietnam, Taiwan, Kambodscha oder Japan sind die Hotels am besten mit kostenlosem WLAN abgedeckt.

Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung des amerikanischen Online-Suchportals Kayak, zu der auch die deutsche Flug- und Hotelsuche Swoodoo gehört.

Schweizer Hotels schneiden in der Studie, bei der die Angebote von 500 000 Hotels in 52 Ländern angeschaut wurden, schlechter ab als der weltweite Durchschnitt. Das ist keine Überraschung, auch bei früheren Untersuchungen betreffend Gratis-WLAN kam die Schweiz nicht gut weg.

Bei einem Europavergleich des Buchungsportals HRS landete die hiesige Hotellerie im letzten Drittel. Das ist wenig hilfreich, wenn verloren gegangene europäische Gäste zurückgewonnen werden sollen. Schliesslich ist WLAN im Zimmer die mit Abstand meistgewünschte Gratisleistung von Reisenden (siehe Grafik).

Die meist gewünschten Gratisleistungen in Hotels (in Prozent)

Die meist gewünschten Gratisleistungen in Hotels (in Prozent)

AZ

Auf das falsche Pferd gesetzt

Die Schweizer Tourismusverantwortlichen sind sich bewusst, dass im Bereich Gratis-WLAN Handlungsbedarf besteht. Auf die Feststellung, dass drahtloses Internet in Schweizer Hotels ein grosses Ärgernis sei, sagte Tourismus-Direktor Jürg Schmid vor wenigen Wochen im «SonntagsBlick»: «Das ist eine Katastrophe. Für mich ist es selbstverständlich, diesen Service den Hotelgästen integriert anzubieten. Gratis-WLAN ist heute wichtiger als der Föhn im Badezimmer.» Er könne die Gäste nur dazu ermuntern, schlechte Erfahrungen auf Bewertungsportalen im Internet zu kommentieren.

Bei einigen Hoteliers scheint dieser Aufruf – es war nicht der erste – angekommen zu sein. Von den über 2200 Hotels, die auf der Homepage von Schweiz Tourismus eingetragen sind, haben in den letzten sieben Monaten über 250 Gratis-WLAN eingeführt. Boten Anfang Oktober noch 28 Prozent eine kostenlose Internetverbindung an, sind es mittlerweile 40 Prozent.

Ein Ruhmesblatt ist aber auch diese Gratis-WLAN-Quote nicht – vor allem im Vergleich zu anderen Ländern. Wie kann es sein, dass ein teures Tourismusland wie die Schweiz beim Gratis-WLAN-Angebot deutlich knausriger ist als zum Beispiel asiatische Länder? Hotellerie Suisse erklärt auf Anfrage der «Nordwestschweiz»: «In Asien ist das Angebot relativ neu, während das Angebot in der Schweiz schon länger besteht und teils teure Installationen dahinterstehen.» Anders ausgedrückt: In der Schweiz haben viele auf das falsche Pferd gesetzt – und finden nun den Absprung nicht.

2002 führte die Swisscom für Hotels eine Hotspot-Lösung ein, für die aufgrund der Amortisationsdauer langjährige Verträge abgeschlossen wurden. Die Swisscom übernahm Installation und Wartung. Die Hotels hatten kein wirtschaftliches Risiko und mussten den Gästen lediglich eine sogenannte Value Card verkaufen, mit denen diese den Hotspot nutzen konnten.

Anfangs waren die Gäste bereit, für die Nutzung des Hotspots zu bezahlen, mit zunehmender Verbreitung der Smartphones nahm diese Bereitschaft aber ab. Immer mehr verlangten Gratis-WLAN. Das war mit der Hotspot-Lösung aber nicht möglich.

Zwar bietet Swisscom längst Lösungen an, mit denen die Hotels ihren Gästen Gratis-WLAN bieten können, allerdings sind die Investitionskosten hoch. Wenn bei einem grösseren Hotel alle Zimmer über WLAN verfügen sollen, werden schnell mehrere zehntausend Franken fällig. Besonders teuer wird es für Hoteliers in Randregionen, da sie unter Umständen auch die Ausbaukosten der Leitungen tragen müssen. Kommt hinzu, dass viele Hoteliers noch laufende Hotspot-Verträge haben. Es könnte also noch eine Weile dauern, bis die Schweizer Hotellerie betreffend Gratis-WLAN Anschluss an die Weltspitze gefunden hat.

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