Datenklau
SNB-Skandal beschädigt Bankkundengeheimnis

Der Wirtschaftsverband Economiesuisse und die Vereinigung der Privatbankiers beklagen einen Imageschaden für den Schweizer Finanzplatz.

Marc Fischer, Sven Millischer
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Aargauer Zeitung

«Ein Datenklau ist das Schlimmste, was einer Bank passieren kann», sagte gestern Christoph Gloor, Teilhaber bei der Basler Privatbank La Roche und Vizepräsident der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers (VSPB), anlässlich des VSPB-Jahresmediengesprächs in Bern. Das Bankgeheimnis sollte für jede Person gelten.

Erst recht aber für bekannte Persönlichkeiten, die so exponiert sind wie Philipp Hildebrand. «Aber wenn man ganz ehrlich ist, muss man auch sagen, dass man sich gegen eine Verletzung des Bankkundengeheimnisses nicht schützen kann als Bank», so Gloor. Wenn ein Bankmitarbeiter mit krimineller Energie absichtlich Daten entwenden wolle, dann gebe es wohl auch immer Möglichkeiten dazu. «Mit diesem Restrisiko müssen Banken leben, auch wenn es unbefriedigend ist», so Gloor.

Insgesamt habe aber der Rücktritt von Philipp Hildebrand als Präsident des Nationalbankdirektoriums keine Auswirkungen auf die Privatbanken, sagte Nicolas Pictet, VSPB-Präsident und Teilhaber der Genfer Privatbank Pictet: «Der Abgang von Herrn Hildebrand wurde schnell genug geregelt, sodass die Glaubwürdigkeit der Nationalbank trotz moralischer Fehler, die Hildebrand eingestanden hat, nicht gelitten hat», so Pictet.

Eigenhandel schärfer gefasst

Jedoch müsse nun das Eigenhandelsreglement für Direktoriumsmitglieder revidiert und schärfer gefasst werden. Und auch bei den Grundsätzen der SNB-Unternehmungsführung gebe es offenen Fragen auf, die dringend beantwortet werden müssten. «Man muss insbesondere über die Rolle und die Zusammensetzung des Bankrates nachdenken», sagte Pictet.

Bankrat und Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer wollte sich an der gestrigen Jahrespressekonferenz des Dachverbands der Schweizer Wirtschaft nicht zur Rolle des SNB-Aufsichtsgremiums äussern. Nur so viel: Den Bankrat könne man nicht mit einem Verwaltungsrat eines Privatunternehmens vergleichen. Dort sei die Handlungsfreiheit ungleich grösser. Und: Corporate Governance sei eben ein Dauerprozess.

Bührer ist für «blind trusts»

Fest steht indes aus Sicht von Bührer, dass die Vorkommnisse rund um die SNB nicht ohne Folgen bleiben werden: «Durch den Datendiebstahl ist ein schwerer Schaden für den Finanzplatz und die politischen Institutionen generell entstanden.» Es sei daher unabdingbar, dass die Fakten rasch und lückenlos aufgearbeitet würden. Dazu gehört für den Economiesuisse-Präsidenten auch die Überarbeitung des Eigenmittel-Reglements.

Neben den bereits eingeleiteten Sofortmassnahmen spricht sich Bührer für «blind trusts» aus: «Mitglieder des Direktoriums sollten angehalten werden, ihre Vermögen treuhänderisch verwalten zu lassen.» Er gehe davon aus, dass diese Variante nun ernsthaft erwogen werde. Mehr Tempo fordert Bührer bei der Wahl des neuen SNB-Direktoriumsmitglieds: Es gelte, das Gremium professionell und rasch wieder zu komplettieren. «Der Fächer an möglichen Kandidaten muss aufgemacht werden, aber möglichst speditiv.» Trotz der Turbulenzen sieht der Economiesuisse-Präsident die Geldpolitik der SNB auf Kurs.

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