Wirtschaft

Sonderregelung für Einkaufstouristen in Deutschland – Reisen in Grenzgebiete sind grundsätzlich möglich

Inzwischen sind zehn Schweizer Kantone auf der deutschen Risikoliste. Für Schweizer aus Grenzregionen bleibt das Einkaufen ennet der Grenze ohne Quarantäne oder Coronatest trotzdem möglich.

Inzwischen sind zehn Schweizer Kantone auf der deutschen Risikoliste. Für Schweizer aus Grenzregionen bleibt das Einkaufen ennet der Grenze ohne Quarantäne oder Coronatest trotzdem möglich.

Shoppen in Baden-Württemberg ist in gewissen Fällen ohne Corona-Test möglich. Diese weiteren Bestimmungen gelten in Deutschland und in den anderen Nachbarländern – die wichtigsten Informationen im Überblick.

Seit Samstag ist die Einreise nach Deutschland für Schweizer aus zehn Kantonen erschwert. Am Freitag gab es auf deutsche Supermärkte ennet der Grenze deshalb noch einen Ansturm. Inzwischen gelten aber neue Sonderregelungen, die den Einkaufstourismus erlauben. Was müssen Einkaufstouristen, Grenzgänger und Reisende wissen? Eine Übersicht der aktuellen Regeln in Deutschland, Frankreich, Österreich und Italien:

Deutschland

Auf der Schweizer Risikoliste sind die deutschen Bundesländer Berlin und Hamburg. Wer sich innerhalb der letzten zehn Tage vor der Einreise in die Schweiz dort aufgehalten hat, muss zehn Tage lang in Quarantäne. Ein negatives Testresultat hebt die Quarantäne nicht auf.

Umgekehrt hat Deutschland nach Genf und Waadt am vergangenen Donnerstag acht weitere Schweizer Kantone auf die Risikoliste gesetzt: Zürich, Zug, Schwyz, Nidwalden, Uri, Freiburg, Jura, Neuenburg. Für sämtliche Personen aus diesen Kantonen ist die Einreise nach Deutschland seit Samstag durch eine 14-tägige Quarantänepflicht erschwert. Auf eine Quarantäne kann in den meisten Bundesländern jedoch verzichtet werden, wenn bei der Einreise ein negatives Testergebnis vorgewiesen wird, das nicht älter als 48 Stunden ist. Wer gegen die Regeln verstösst, muss mit einer Busse von maximal 1000 Franken rechnen.

Personen aus Grenzregionen wird die Einreise seit neustem ausserdem durch eine Sonderregelung erleichtert: Die Bundesländer Baden-Württemberg, Saarland und Rheinland-Pfalz haben eine 24-Stunden-Regel beschlossen. Diese Notverordnung sieht vor, dass Einreisende aus Nachbarstaaten nicht wie bis anhin einen negativen Corona-Test vorweisen müssen, wenn sie sich weniger als 24 Stunden im Bundesland aufhalten. Dabei spielt keine Rolle, ob die Regionen oder Kantone auf der deutschen Risikoliste stehen. Das bestätigte das Ministerium für Soziales und Migration des Bundeslands gegenüber der «NZZ». Für Schweizerinnen und Schweizer in Grenzregionen heisst das, dass sie beispielsweise weiterhin in Baden-Württemberg einkaufen können.

In Bayern gibt es die 24-Stunden-Regel noch nicht. Dies könnte sich ab dem 8. November aber ändern. Dann tritt in Deutschland eine neue Muster-Quarantäneverordnung in Kraft, mit der die Regeln in allen Bundesländern vereinheitlicht werden sollen. Die 24-Stunden-Regel ist dort ebenfalls enthalten. Darüber hinaus soll die Quarantäne dann nur noch zehn Tage dauern. Dafür wird sie erst nach 5 Tagen durch einen negativen Test verkürzt werden können. Je nachdem wie die Bundesländer die Muster-Quarantäneverordnung umsetzen, kann es aber Abweichungen oder weitere Regeln geben.

Weitere Ausnahmen gelten für Grenzgänger und Familienbesuche: Wer zwecks Arbeit oder Ausbildung täglich über die Grenze pendelt, kann dies ohne Einschränkungen tun. Für bestimmte Berufsgruppen – zum Beispiel Mitarbeitende im Gesundheitswesen – ist sogar ein bis zu dreitägiger Aufenthalt in Deutschland erlaubt. In Bayern und Baden-Württemberg sind Familienbesuche mit «triftigen Gründen» schon heute ohne Quarantänepflicht möglich. Ab dem 8. November werden gemäss der Muster-Quarantäneverordnung Besuche von Verwandten ersten Grades immer ohne Quarantänepflicht erfolgen können.

Frankreich

Von 18 französischen Regionen stehen derzeit 15 auf der Quarantäneliste des Bundes. Rückkehrende aus den Regionen Bretagne, Centre-Val de Loire, Corse, Hauts-de-France, Île-de-France, Normandie, Nouvelle-Aquitaine, Occitanie, Pays de la Loire und Provence-Alpes-Côte d’Azur sowie aus allen Überseegebieten müssen folglich nach der Einreise 10 Tage in Quarantäne. Die einzigen drei Regionen, die nicht auf der Liste stehen, sind gleichzeitig die drei Grenzregionen: Grand Est, Bourgogne-Franche-Comté und Auvergne-Rhône-Alpes. Dadurch, dass Frankreich anders als Deutschland keine Einreisebeschränkungen für die Schweiz verhängt, ist die Reise über die westliche Landesgrenze für alle Personen möglich. Wer nicht darauf verzichten möchte, in Dijon shoppen zu gehen oder in Lyon Ferien zu machen, kann dies ohne Einschränkungen tun.

Die Lage in Frankreich ist aber noch angespannter als in der Schweiz, es gelten strenge Massnahmen. Vergangene Woche erklärte die französische Regierung landesweit den Gesundheitsnotstand. Damit wurden auch harte Regeln eingeführt: Seit dem Wochenende gelten in den Grossräumen Paris und Aix-en-Provence/Marseille sowie in den Städten Grenoble, Lille, Lyon, Montpellier, Rouen, Saint-Etienne und Toulouse Ausgangssperren von 21 bis 6 Uhr. Konzertsäle, Vergnügungsparks, Discotheken und ähnliche Veranstaltungsorte sind zudem landesweit geschlossen. Ebenso verboten sind Versammlungen von mehr als sechs Personen. Wie in der Schweiz gilt auch in Frankreich eine landesweite Maskentragpflicht.

Österreich

Die beiden an die Schweiz grenzenden Regionen Vorarlberg und das Tirol sind momentan von keinen Einreisebeschränkungen betroffen. Auf der Quarantäneliste des Bundes befinden sich die Gebiete Burgenland, Nieder- sowie Oberösterreich, Salzburg und Wien. Da Österreich bislang keine Beschränkungen für die Einreise aus der Schweiz verhängt hat, können Schweizerinnen und Schweizer problemlos die Grenze zum Nachbarn im Osten überqueren – egal, aus welchem Grund die Reise erfolgt. Einkaufstourismus oder entspannte Wellness-Ferien im Tirol sind theoretisch möglich. Die Behörden empfehlen aber nach wie vor, auf nicht zwingende Auslandreisen zu verzichten.

Zu bedenken gilt auch, dass in Österreich strengere Regeln als in der Schweiz gelten. Bereits seit dem 24. Juli gilt in allen geschlossenen Räumen sowie im öffentlichen Verkehr eine Maskentragpflicht. Diese macht auch vor Restaurants nicht Halt. Zum Essen kann man die Maske ablegen. An privaten Feiern sind seit heute Montag zudem maximal sechs Personen zugelassen, im Freien maximal zwölf. In den beiden angrenzenden Regionen Tirol und Vorarlberg wurde ausserdem die Polizeistunde von 1 Uhr auf 22 Uhr vorverlegt.

Italien

Auch in Italien sind die vier angrenzenden Regionen Aostatal, Piemont, Lombardei und Trentino-Südtirol nicht von Einreisebeschränkungen betroffen. Einzig die Regionen Kampanien, Ligurien, Venetien und Sardinien stehen derzeit auf der Quarantäneliste des Bundes. Schweizerinnen und Schweizer können also grundsätzlich einen Städtetrip nach Rom, Badeferien auf Sizilien oder eine Reise durch die Toskana unternehmen. Tessiner Grenzgänger können auch weiterhin in Italien arbeiten oder ennet der Grenze ihre Einkäufe tätigen, zumal Italien keine Einreisebeschränkungen für die Schweiz verhängt hat.

Im März war vor allem die Lombardei stark betroffen – die Stadt Bergamo mutierte zum grössten Corona-Hotspot Europas. Mittlerweile hat sich die Situation etwas erholt. Trotzdem sitzt die Angst bei unserem Nachbarn im Süden tief. Denn auch in Italien sind die Neuinfektionen wieder auf den Stand der ersten Welle angestiegen. Die Massnahmen sind streng: Private Feiern mit mehr als sechs Personen sind verboten, Tanzlokale bleiben zu. Einzig für Beerdigungen oder Hochzeiten sind mehr Leute zugelassen: An diesen Zeremonien dürfen 30 Personen teilnehmen. Restaurants und Bars müssen um Mitternacht schliessen, Lokale ohne Sitzplätze sogar bereits um 18 Uhr.

Meistgesehen

Artboard 1