Telekommunikation

Sunrise-Chef Olaf Swantee: «Freenet handelt nicht im Interesse der Aktionäre»

Im Streit mit dem grössten Anteilseigner Freenet: Sunrise-CEO Olaf Swantee.

Im Streit mit dem grössten Anteilseigner Freenet: Sunrise-CEO Olaf Swantee.

Der Schweizer Telekomkonzern Sunrise will UPC übernehmen, Hauptaktionär Freenet geht dagegen auf die Barrikaden. Sunrise-Chef Olaf Swantee kritisiert im Interview das Vorgehen des Investors scharf.

Sunrise-Hauptaktionär Freenet stellt sich offen gegen die Übernahme der UPC. Sie haben das zunächst unkommentiert gelassen, jetzt gehen Sie Freenet in einer Mitteilung scharf an. Was genau werfen Sie Freenet vor?

Olaf Swantee: Freenet hat letzten Freitag kommuniziert, dass sie gegen die geplante Übernahme von UPC sind. Freenet handelt dabei nicht im Interesse der Aktionäre, sondern ist nur daran interessiert, kurzfristig und so schnell wie möglich ihre Anteile zu verkaufen, um ihre Verschuldungssituation zu verbessern. Die Verschuldungssituation bei Freenet ist relativ kritisch. Ausserdem gibt es starke Anzeichen, dass die Vertreter von Freenet ihre Vertraulichkeitspflichten verletzt haben. Der Verwaltungsrat ist davon überzeugt, dass es hier einen Interessenskonflikt gibt, deshalb wird Freenet von allen Beratungen, die im Zusammenhang mit UPC stehen, ausgeschlossen.

Womit haben die Freenet-Vertreter die Vertraulichkeitspflicht verletzt?

Ich kann nicht für den Verwaltungsrat sprechen. Der VR hat starke Anhaltspunkte dafür und hat eine Untersuchung eingeleitet. Wenn die Untersuchung in ein paar Monaten abgeschlossen ist, können wir dazu mehr sagen.

Welche Reaktionen seitens Freenet erwarten Sie auf den Ausschluss?

Ich denke nicht, dass der Schritt für Freenet überraschend kam. Aber das müssen Sie Freenet fragen.

Ihrem grössten Aktionär geht es nur darum, auszusteigen?

Als Freenet gesagt hat, dass sie die Kapitalerhöhung nicht akzeptieren, war klar, dass sie vor allem an einem interessiert sind: So viel und so schnell wie möglich Fremdkapital aufzunehmen, sodass Freenet ihre eigene Position halten kann und diese nicht verwässert wird. In der Folge hätte Sunrise einen grossen Schuldenberg und Freenet könnte relativ schnell verkaufen. Das ist ein Szenario, das überhaupt nicht geht.

Sind Sie in Gesprächen mit Freenet oder liegen diese auf Eis?

Ich habe heute nicht mit Freenet gesprochen. Der Verwaltungsrat spricht natürlich auch noch über andere Themen und in denen wird Freenet absolut mitmachen.

Wie ist denn die Lage bei den anderen Investoren, haben Sie die auf Ihrer Seite?

Wir haben über 200 Investoren in den letzten Monaten getroffen, haben positive Rückmeldungen zur Transaktion erhalten und sind überzeugt, die Mehrheit unserer Aktionäre von dieser starken Transaktion überzeugen zu können.

Haben die keine Bedenken?

Am Anfang gab es einige Bedenken hinsichtlich der Transformation von UPC. In den letzten Quartalen haben wir jedoch gesehen, dass UPC selber besser performed als wir erwartet haben. Die Synergien waren auch immer wieder Thema. Die Investoren sind davon überzeugt, dass unser Management-Team die angestrebten Synergien schaffen kann.

Warum ist die UPC-Übernahme für Sunrise so wichtig?

Die Übernahme ist für Sunrise sehr wichtig, dadurch stärken wir unsere Wettbewerbsfähigkeit. Mit der Übernahme sind wir in der Lage, 90 Prozent der Schweizer Haushalte bis zum Jahr 2021 mit einer Internetgeschwindigkeit von 1 Gigabit zu versorgen – via 5G, Glasfaser und über das Kabelnetz von UPC, das wir upgraden werden. Ausserdem wird der Telekom-Markt immer konvergenter. Internet, Fernsehen und Mobilfunk kommen immer mehr aus einer Hand. Ein grösserer Kundenkreis bietet uns die Möglichkeit, diese Bündel-Angebote noch breiter und stärker zu vermarkten.

Konsumentenschützer befürchten, dass die Konzentration auf zwei grosse Telekom-Konzerne, nämlich Swisscom und Ihr Unternehmen, Nachteile für Kunden bringen könnte.

Im Gegenteil, der Wettbewerb wird gestärkt. Wir werden die entstehenden Kostensynergien einsetzen, teilweise um unseren Kunden bessere Preise anbieten zu können. Ausserdem wird auch nach dem Kauf von UPC die Marktstruktur erhalten bleiben. Wir sind zwar grösser, aber verglichen mit dem grossen Konkurrenten beim Marktanteil immernoch bescheiden. Weil wir sehr hohe Investitionen in die Infrastruktur haben, müssen wir auf längere Sicht einen höheren Marktanteil erreichen.

Können Sie denn nach der Übernahme eine ernsthafte Konkurrenz für die Swisscom werden?

Wir gewinnen seit über 2 Jahren Marktanteile. Nach dem Kauf von UPC werden wir noch besser dastehen und den Wettbewerb in der Schweiz noch stärker beflügeln.

Wer hat denn nun das bessere 5G-Netz, Sie oder die Swisscom?

Unseres ist doppelt so gross. Wir versorgen 262 Städte und Gemeinden in der Schweiz und werden unser Netz weiter ausbauen.

Sie wollen künftig auf ein einziges, gemeinsames Headquarter setzen. Warum?

Im Moment prüfen wir die Option, nur ein Headquarter zu haben. Das wäre das Ziel. Für die Firmenkultur ist das besser, als zwei oder drei Gebäude zu haben.

Wo soll das dann stehen?

Wir bleiben im Kanton Zürich.

Autor

Fabian Hock

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