Telekom
Swisscom erhält mit Quickline neue Konkurrenz im TV-Geschäft

Der Kabelnetzverbund Quickline tritt bald landesweit an — gegen scheinbar übermächtige Konkurrenz wie die ehemalige Staatsfirma Swisscom.

Fabian Hock
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Der Quickline-Verbund

Der Quickline-Verbund

AZ

Noch kommen sie ganz gut aneinander vorbei, die grossen Schweizer Kabelnetzbetreiber. In den letzten Jahren haben sie das Land untereinander aufgeteilt. In der Nordwestschweiz sitzt der Nidauer Kabelnetzverbund Quickline, der Rest des Landes wird weitgehend von UPC Cablecom dominiert. Gegenseitig kommen sie sich nur bedingt in die Quere.

So funktioniert der Quickline-Verbund

Quickline betreibt ein europaweit einzigartiges Geschäftsmodell. Dem Verbund gehören derzeit 22 Kabelnetzbetreiber an, der Service ist lokal verankert. Anders als bei Konkurrenten wie UPC Cablecom hat der Kunde mit den lokalen Partnern vor Ort zu tun und nicht mit der übergeordneten Quickline. Die Produkte und die IT-Infrastruktur werden indes zentral ver- und betrieben. Der Firmensitz ist Nidau bei Biel, der Verbund bedient derzeit rund 400'000 Kunden.

Mit dem Burgfrieden könnte es aber schon bald vorbei sein. Bisher war die Strategie der beiden grossen, die noch unabhängigen kleineren Netzbetreiber nach und nach in den eigenen Verbund zu integrieren. Zuletzt übernahm Quickline den Betreiber Yetnet und gewann dadurch rund 25'000 neue Kunden im Aargau, Solothurn und Baselland. Die weissen Flecken auf der Landkarte sind inzwischen jedoch weitgehend gefärbt, die meisten der ehemals unabhängigen kleinen Netzbetreiber kommen heute in Cablecom-Blau oder Quickline-Rot daher. Das Wachstum durch Übernahme stösst an seine Grenzen.

«Der Kabelnetzmarkt ist mehr oder weniger konsolidiert», sagt Quickline-Chef Nicolas Perrenoud im Gespräch mit dieser Zeitung. Zu den bisherigen rund 400'000 Quickline-Kunden könnten durch zusätzliche Partner vielleicht noch 100'000 weitere hinzukommen. Doch Perrenoud reicht das nicht. «Wir haben andere Ambitionen», sagt er. Der Kundenkreis soll grösser werden. Allein im bestehenden Gebiet sei das jedoch nicht zu schaffen. Perrenoud spricht nun aus, was vor einem halben Jahr lediglich eine Option war: «Wir wollen unsere Produkte künftig schweizweit anbieten.»

Nicolas Perrenoud, CEO Quickline

Nicolas Perrenoud, CEO Quickline

Zur Verfügung gestellt

Es warten zwei Schwergewichte

Mit der neuen Strategie steht Perrenoud ein schwieriger Spagat bevor. Er will den Verbund von seinem regionalen Korsett befreien, ohne die Verwurzelung in den Gemeinden zu verlieren. Schliesslich sei die lokal verankerte Service-Organisation ein grosses Plus des Quickline-Verbunds, wie Perrenoud sagt. «Die Herausforderung wird deshalb sein, unseren Gedanken der lokalen Verankerung beim Service auf die gesamte Schweiz zu übertragen.» Darauf werde man sich nun konzentrieren.

Allein bei dieser Herausforderung wird es indes kaum bleiben. Denn Perrenoud weiss genau, zu wem er in den Ring steigt. Will er seine Produkte schweizweit vermarkten, tritt er gegen zwei Schwergewichte an. In der einen Ecke wartet UPC Cablecom, in der anderen die Swisscom. Mit letzterer stehen die Kabelnetzbetreiber schon jetzt in Konkurrenz, da die Swisscom ihre Produkte heute schon über ihr eigenes Netz in der ganzen Schweiz vertreibt. Will Quickline weiter wachsen, kommt es unweigerlich zum Aufeinandertreffen mit beiden – Swisscom und Cablecom.

«Es wird spannend sein, zu sehen, wie UPC Cablecom auf das Vorhaben von Quickline reagiert und ob sie ihr Verfügbarkeitsgebiet auch in dasjenige von Quickline ausbreiten wird», sagt Carlo Iellamo. Der Inhaber der Beratungsfirma Telekomzentrum Schweiz sieht jedoch in der Swisscom den härteren Gegner. Diese habe derzeit das beste TV-Angebot. Iellamo äussert sich eher zurückhaltend, was Quicklines Chancen angeht: «Quickline wird sicher Kunden gewinnen, aber es wird keine spürbare Verschiebung der Marktanteile geben.» Dazu sei das Angebot «zu wenig spektakulär und der Schweizer Telekomkunde zu wechselfaul».

Nicolas Perrenoud glaubt indes fest an die Chancen des Quickline-Verbunds. Rückenwind erhält er durch eine jüngst ausgesprochene Empfehlung des Sekretariats der Eidgenössischen Wettbewerbskommission (Weko). Dieses hatte vor knapp drei Wochen eine Strafe für die Swisscom in Höhe von 143 Millionen Franken gefordert. Der Grund: Die Behörde erkannte eine marktbeherrschende Stellung des Konzerns beziehungsweise seiner Tochter Teleclub, die die Swisscom bei der Vermarktung von Sportinhalten ausgenutzt habe.

Verhaltensanpassung nötig

Quickline-Chef Perrenoud, der gemeinsam mit Cablecom die Beschwerde beim Weko-Sekretariat lancierte, sieht sich bestätigt: «Für uns ist das bisher ein Erfolg auf ganzer Linie. In der Empfehlung steht das, was wir seit fünf Jahren sagen.» Dass eine relevante Behörde des Rechtssystems die Stellung der Swisscom als marktbeherrschend erkennt, sei erfreulich. Die Busse selbst sei ihm egal. «Wichtig ist, wie es weitergeht.» In der Pflicht sieht Perrenoud nun die Berner Politik. Um neue Gesetze gehe es dabei jedoch nicht. «Es braucht eine Weisung des Eigners an sein Management, dass dieses zu nichtdiskriminierenden Bedingungen den Wettbewerb zulässt.» Es brauche eine «klare Verhaltensanpassung seitens der Swisscom».

Die Mitbewerber versprechen sich von einem diskriminierungsfreien Zugang zu den Sportübertragungen viel. Letztere sind immer wichtiger und zu einem echten Argument bei der Auswahl des TV-Anbieters geworden. Perrenoud sagt: «Nicht nur der Swisscom-Kunde schaut gern Sport.» Nach Auffassung des Quickline-Chefs ist selbst für die Rechteinhaber noch einiges mehr drin: «Die Sportverbände könnten sogar mehr Geld rausholen, wenn jeder den Zugang zu den Inhalten bekommt.»

Auf das Ende des Vergabestreits wird Perrenoud aber wohl noch eine Weile warten müssen. Mit bis zu vier Jahren rechnet er selbst. Bis dahin bleibt für ihn jedoch einiges zu tun. «In den nächsten zwei Jahren wird es dramatische Veränderungen in unserer Branche geben», sagt er. Immense Investitionen in Infrastruktur werden nötig. Ausserdem bleibe abzuwarten, wie sich Anbieter wie Netflix und Co. verhalten. Und dann warten da ja auch noch die beiden Schwergewichte in den Ringecken.