Benzinpreis

Tanken ist so günstig wie seit fünf Jahren nicht mehr

Innert weniger Wochen ist der Preis für den Treibstoff an den Zapfsäulen nach unten gerasselt. Auslöser ist die Entwicklung an den internationalen Rohölmärkten.

Jetzt profitieren auch die Autofahrer und -fahrerinnen vom Preiszerfall am internationalen Rohölmarkt. Die Benzinpreise an den Zapfsäulen sind in den vergangenen Wochen stark ins Rutschen geraten. Noch bis im Oktober hatte der Konsument den Eindruck, dass das massiv billiger gewordene Rohöl kaum einen Einfluss auf das Benzin hat. Zu Recht, wie dem vom Bundesamt für Statistik publizierten Landesindex der Konsumentenpreise zu entnehmen ist. Demnach kostete ein Liter Benzin Bleifrei 95 im Oktober im Durchschnitt 1,73 Franken – nur leicht weniger als im Sommer und sogar leicht mehr als im Januar.

1.50 Franken unterschritten

Das ist alles Schnee von gestern. Im landesweiten Durchschnitt kostet aktuell ein Liter bleifreies Benzin rund 1.60 Franken. Dies zeigt die Übersicht auf der Internetseite benzin-preis.ch, die seit 2005 vom Ostschweizer Michael Möckli betrieben wird. Darauf publizieren Privatpersonen ihre bezahlten Preise mit zugehöriger Tankstelle. Die Angaben seien repräsentativ, versichert Möckli. Die meisten Einträge würden kontrolliert und die Seite ermögliche einen relativ guten Überblick über die Schweiz.

«Es sieht danach aus, dass der Preis an der Zapfsäule aufgrund der Entwicklung am Rohstoffmarkt noch weiter sinken wird», sagt er vorausblickend. Aber im Durchschnitt werde die Grenze von 1.50 Franken nicht unterschritten. Einzelne Tankstellen verkauften zwar bereits heute den Sprit unter der Marke. «Aber das sind Ausnahmen.»

Eine davon ist die Oel-Pool AG in Suhr, welche unter den Marken «Ruedi Rüssel» und «Mini Prix» rund 360 Tankstellen in der Schweiz betreibt. Das aktuell günstigste «Mini Prix»-Benzin gibt es in Gampelen BE mit 1.45 Franken pro Liter bleifrei 95, wie Ramon Werner, CEO der Oel-Pool AG, auf Anfrage meldet. Im Kanton Aargau verkauft «Ruedi Rüssel» den Treibstoff in Suhr mit 1.52 Franken am günstigsten.

«Benzinmarkt ist transparent»

Für Möckli ist klar, dass die Preise noch tiefer sein könnten. «Die Tankstellenbetreiber geben die Preisrückgänge am Rohstoffmarkt nicht vollumfänglich weiter.» Vehement weist Ramon Werner diesen Vorwurf zurück. Der Wettbewerb sei zu gross, es sei gar nicht möglich, auf Kosten der Konsumenten mit einer höheren Marge zu arbeiten. Der Benzinmarkt sei sehr transparent. Wenn an einer Strasse eine Tankstelle den Preis um einen Rappen senke, müssten die anderen an derselben Strasse sofort nachziehen. «Ansonsten haben sie keine Kunden mehr.»

Die Strategie von Oel-Pool sei, immer etwas günstiger als der nahe Mitbewerber zu sein. «Wir nehmen eine kleinere Marge in Kauf, denn wir leben im Gegensatz zu anderen Tankstellenbetreibern mit Shops ausschliesslich vom Benzinpreis.» Deshalb müsse «Ruedi Rüssel» und «Mini Prix» der Konkurrenz immer ein Schrittchen voraus sein.

«Keine Preisabsprachen»

Unterstützung erhält der Oel-Pool-Chef von der Erdöl-Vereinigung. Die Preise seien in der Tat deutlich gefallen. Es gebe keine Anhaltspunkte, wonach die Tankstellenbetreiber mit Preissenkungen zulasten der Konsumenten zuwarteten, erklärt Verbandssprecherin Francesca Romano.

Eher das Gegenteil sei der Fall. Die Betreiber seien bei Preisanpassungen nach oben zurückhaltender. «Niemand will den Schwarzen Peter spielen.» Und es gebe in der Branche auch keine Preisabsprachen; das sei in mehreren Untersuchungen belegt worden.

Hohe staatliche Abgaben

Im Juni 2014 kostete ein Fass (159 Liter) Rohöl 116 Dollar, aktuell 67 Dollar oder 43 Prozent weniger. Der Benzinpreis sank im gleichen Zeitraum aber nur um rund 10 Prozent. Hauptgrund ist die Zusammensetzung des Preises, heisst es bei der Erdölvereinigung. Demnach fliessen je Liter Benzin fast 90 Rappen in Form von fixen Kosten (Mineralölsteuer, Mineralölsteuerzuschlag, usw.) an den Staat. Also mehr als die Hälfte des Benzinpreises ist vom Tankstellenbetreiber unbeeinflussbar. «Deshalb reagieren die Benzinpreise weniger stark auf Schwankungen als etwa das Heizöl», sagt Francesca Romano.

Hinzu kommt der Wechselkurs. Das Rohöl wird in Dollar gehandelt, aber in Franken an der Zapfsäule verkauft. Der steigende Dollarkurs verteuert also die Einfuhren.

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