Uber-Konkurrenz
Günstiger als Uber: Schweizer Startup tritt gegen die übermächtige US-Konkurrenz an – mit Hilfe aus der Ukraine

Das Zürcher Startup Vertt verspricht «Ridesharing» zu günstigeren Preisen als Taxis und Uber. Möglich sein soll das dank tieferen Kommissionen. Bezahlt werden kann bald mit Krypto-Währungen.

Stefan Ehrbar
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Ein neuer Fahrdienst will von Zürich aus die Schweiz erobern.

Ein neuer Fahrdienst will von Zürich aus die Schweiz erobern.

Bild: Claudio Schwarz / Unsplash

Wer Uber kennt, hat mit Vertt keine Mühe – und das ist gewollt. Das gleichnamige Zürcher Startup will dem dominierenden Mitfahrdiensten aus den USA gefährlich werden.

Die Vertt-App ist ähnlich aufgebaut wie jene von vergleichbaren Anbietern von Taxi-Diensten wie Uber oder Lyft: Nachdem neue Nutzerinnen und Nutzer ein Konto erstellt und Zahlungsdaten hinterlegt haben, können sie auf einer Karte oder in einem Adressfeld angeben, wohin sie fahren möchten.

Sie erhalten angezeigt, wann das nächste Fahrzeug in der Nähe ist und wie teuer die Fahrt wird. Zur Auswahl stehen die Kategorien «Vertt», «Premium» oder «Lux». Letztere sind teurer, dafür handelt es sich um hochwertige Autos, die garantiert nicht älter sind als 10 Jahre. CH Media wollte es genau wissen und hat den Dienst an einem Montagabend getestet.

Die Wartezeit am Zürcher Belleuve für eine Fahrt an den Flughafen dauert 7 Minuten. Die Fahrt für die 12 Kilometer lange Strecke kostet 33.55 Franken. Zum Vergleich: Ein lokaler Taxianbieter und Uber verlangen dafür 50 Franken. Kürzere Strecken innerhalb der Stadt sind im Test bei Uber allerdings teilweise günstiger.

Luzern, Basel und Bern im Visier

Wie sind solche tiefen Preise möglich? Vertt-Gründer Bojan Georgijevski sagt, seine Firma kenne dank der lokalen Verankerung die Gegebenheiten und den Markt bestens. «Die Regionalität lässt einfachere Strukturen zu, was wiederum weniger Organisationsaufwand und -kosten bedeutet.» Das schlage sich im günstigeren Preis nieder. Vertt gebe die Einsparungen an die Fahrerinnen und Fahrer weiter.

Dies müssten bis zu 50 Prozent weniger Kommissionen an Vertt abliefern als etwa bei Uber, sagt Georgijevski. Die Provision soll zudem weiter gesenkt werden. Der Informatiker hat mit Vertt Grosses vor. Nach Zürich soll die App demnächst auch in Winterthur lanciert werden. Ausserdem hat Vertt Luzern und Basel sowie die Regionen Bern, Thun, Biel und Genfersee im Visier. Mittelfristig soll Vertt in der ganzen Schweiz verfügbar sein – und in gewissen Regionen Österreichs und Deutschlands.

Fast 10'000 Fahrten

Das 2017 in Zürich gegründete Startup beschäftigt laut Georgijevski derzeit 15 Mitarbeitende. Die App wurde im Februar 2020 lanciert, allerdings nur für einen geschlossenen Kreis. Seit Juni dieses Jahres ist die App für alle verfügbar.

Vertt verzeichnet laut dem Firmenchef 1055 registrierte Fahrerinnen und Fahrer, die bisher 9728 Fahrten durchgeführt haben. Bereits hätten sich etwa 6000 Fahrgäste registriert, die Zahl der neuen Registrierungen wachse monatlich um 60 Prozent.

Georgijevski arbeitete vor der Lancierung von Vertt fast 12 Jahre lang für eine Schweizer Grossbank und ist ausgebildeter Applikations-Entwickler. Die App allerdings ist nicht vollständig «swiss made»: Für das Design der App und des Auftritts von Vertt griff das Startup auf Hilfe einer Firma aus Dnipropetrowsk zurück, einer Millionenstadt in der Ukraine.

Finanzierung durch Investoren

Ein solches «Offshoring» von IT-Arbeit in Länder Osteuropas, wo ein grosser Pool an talentierten und vergleichsweise günstigen IT-Arbeitern um Aufträge kämpft, ist Usus in der Branche. Selbst Staatsbetriebe wie die Swisscom oder die SBB vergeben IT-Aufträge ins Ausland oder unterhalten dort eigene Teams.

Finanziert wird Vertt laut Georgijevski durch Eigeninvestitionen der Gründer und Fremdkapital von Investoren. Als nächste Neuerung kündigt er an, dass in den Fahrzeugen auch mit Krypto-Währungen wie Bitcoin bezahlt werden können soll.

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