Mit Ursula Nold hat die Migros ab 1. Juli erstmals eine Frau an der Spitze des Unternehmens. Sie setzte sich gegen SBB-Managerin Jeannine Pilloud (54) durch, die vom Evaluationsgremium als externe Kandidatin fürs Präsidium empfohlen worden war.

Ursula Nold (49) ist seit 2008 Präsidentin der Delegiertenversammlung des Migros-Genossenschafts-Bunds. Zuvor war sie seit 1996 Mitglied im Genossenschaftsrat der Migros Aare und stand diesem ab 2004 als Präsidentin vor. Ursula Nold ist Mitglied in mehreren Verwaltungs- und Stiftungsräten und Dozentin an der PHBern.

Nold - die Bewahrerin

Nolds Wahl wurde intern als richtungsweisend wahrgenommen. Denn: Nold, die seit 2008 die Delegiertenversammlung des Migros-Genossenschaftsbunds (MGB) präsidiert, hat sich gegen Jeannine Pilloud durchgesetzt, die ehemalige Chefin Personenverkehr bei den SBB. Bemerkenswert: Pilloud hatte die offizielle Unterstützung der Migros-Oberen.

Die beiden Frauen stehen für einen unterschiedlichen Kurs der künftigen Migros. Nold wird als die Bewahrerin eingeschätzt, während Pilloud das Etikett der Veränderung angeheftet wurde.

Nold ist seit 2005 Dozentin und Angebotsverantwortliche für den Bereich Kader- und Systementwicklung im Institut für Weiterbildung und Medienbildung der Pädagogischen Hochschule Bern. Daneben ist sie Verwaltungsrätin des Bildungsunternehmens WKS KV Bildung, Verwaltungsratspräsidentin der KMU-Unterstützerfirma Be Advanced sowie Stiftungsrätin von Konzert Theater Bern.

Der bisherige Präsident Andrea Broggini hatte vergangenen Herbst seinen vorzeitigen Rücktritt angekündigt. Der Tessiner Wirtschaftsanwalt präsidiert die 23-köpfige Verwaltung, wie das oberste Aufsichts- und Verwaltungsgremium des Migros-Genossenschaftsbundes heisst, seit 2012.

«Ich freue mich»

Der abtretende Präsident Andrea Broggini liess sich in einer Medienmitteilung so zitieren: «Ich freue mich, dass die Delegierten heute erstmals in der Geschichte der Migros eine Frau als Präsidentin der Verwaltung gewählt haben. Ursula Nold wird eine Präsidentin, die zukunftsorientiert für die einzigartigen Werte der Migros einstehen wird.»

Die neue Präsidentin wird der Migros-Verwaltung vorstehen, welche ihre Entscheide mit Mehrheitsbeschlüssen trifft. Die Verwaltung setzt sich aus 23 Mitgliedern zusammen - zehn externen, unabhängigen Mitgliedern und 13 internen Mitgliedern, darunter die zehn Vertreter der regionalen Genossenschaften.

Zu den Kompetenzen der Verwaltung gehören die Festlegung der Strategie und die Ausgestaltung der Rechnungslegung sowie die Finanzkontrolle und Finanzplanung. Sie sorgt zudem für die Schaffung von leistungsfähigen Führungs- und Organisationsstrukturen innerhalb der Migros und ernennt und überwacht die Generaldirektion. Die operative Führung delegiert die Verwaltung an die Generaldirektion unter der Leitung des Präsidenten, seit 2018 Fabrice Zumbrunnen. (jk/sda)