Bankenwesen

Valiant fährt solides erstes Halbjahr ein – und schmiedet beständig an Plänen

Hat Ende Mai bei Valiant die Führung übernommen: CEO Ewald Burgener.

Hat Ende Mai bei Valiant die Führung übernommen: CEO Ewald Burgener.

Die ländlich geprägte Retailbank fährt ein solides erstes Halbjahr ein. Negativzinsen sind bisher nur bei Grosskunden ein Thema.

Die Valiant gilt gemeinhin eher als langweilige Bank. Und das ist nicht per se eine schlechte Sache. Sind doch Kontinuität, Diskretion, Vertrauen und auch eine gewisse Bodenständigkeit Attribute, welche die Kundschaft am traditionellen Schweizer Banking über Jahrzehnte schätzte.

Vor sechs Monaten, bei der Präsentation der Ergebnisse von 2018, war bei Valiant aber so etwas wie Umtriebigkeit zu spüren: Die Expansionspläne mit Eröffnungen verschiedener Filialen, anstehende Wechsel im Management sowie eine steigende Dividende sorgten für Betriebsamkeit am Hauptsitz in Bern.

Gänzlich ohne Neuigkeiten ging am Donnerstag Kommunikation der Halbjahreszahlen der Retailbank nicht über die Bühne. Doch im Grundsatz lässt sich, auch aufgrund der Ergebnisse, sagen: alles ziemlich normal bei Valiant. So hat die Bank im ersten Semester 2019 einen leicht höheren Gewinn erwirtschaftet. Dabei konnten die Zinsmargen trotz des anhaltenden Abwärtsdrucks auf die Zinsen stabil gehalten werden.

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Mehr verdient im Zinsengeschäft

Der Konzerngewinn fiel mit 61,5 Millionen Franken um 2,9 Prozent über dem Vorjahr aus (siehe Tabelle). Auf der operativen Stufe, also beim Geschäftserfolg, musste die Bank dagegen einen klaren Rückgang um 9,3 Prozent auf 73,8 Millionen Franken hinnehmen. Der Hauptgrund dafür war ein tieferer Beteiligungsertrag, nachdem im vergangenen Jahr noch eine hohe ausserordentliche Dividendenzahlung aus der Beteiligung am Kartenzahlunternehmen Aduno angefallen war.

Insgesamt erwirtschaftete Valiant einen leicht geringeren Betriebsertrag von 205,4 Millionen Franken. Das sind minus 0,6 Prozent. Im Zinsengeschäft – dem wichtigsten Ertragspfeiler der Bank – konnte Valiant allerdings den Bruttoerfolg weiter verbessern, um 2,9 Prozent auf 155,2 Millionen Franken. Die Zinsmarge blieb konstant bei 1,11 Prozent – eine für das Institut zentrale Kennzahl, bei der man gemäss CEO Ewald Burgener «um jeden Basispunkt» kämpfen werde, wie er am Donnerstag an einer Telefonkonferenz sagte.

Auch zum Thema Negativzinsen äusserte sich Burgener, der das Ruder bei Valiant nach der Generalversammlung Ende Mai von Markus Gygax übernommen hatte. Man habe hier eine «unveränderte Politik, wir verrechnen unseren Privatkunden keine Negativzinsen». Bei Grosskunden gebe es aber bereits heute Negativzinsen, wobei Valiant keinen fixen Betrag – etwa ab einer Million Franken Vermögen – kenne.

Zusammengefasst lasse sich zum Ergebnis sagen, die Bank setze ihre Strategie «konsequent» um, und man habe in den ersten sechs Monaten «die Basis für ein starkes Gesamtjahr gelegt», so Burgener. Und so sind auch die Erwartungen des Managements für das Gesamtjahr 2019 durchaus – bodenständig – positiv: Burgener und sein Kader erwarten unverändert einen Konzerngewinn leicht über dem Vorjahr, als Valiant etwas über 120 Millionen Franken auswies.

Abdeckung vom Bodensee bis zum Lac Léman

Aber auch ansonsten stehe das laufende Jahr ganz im Zeichen der Strategie, ergänzte der Va­liant-CEO. Man sei bereits intensiv damit beschäftigt, wie es bis 2024 weitergehen solle. Dieser weiterentwickelte Plan werde in rund einem Monat präsentiert.

Derweil schreitet die Bank bei der Umsetzung der aktuellen Strategie, die eine Ausweitung der Geschäftstätigkeit auf die Romandie und die Ostschweiz beinhaltet, forsch voran. So werde man neben den bereits kommunizierten neuen Standorten in St.Gallen, Wil, Frauenfeld und Rheinfelden auch in Rapperswil eine Filiale eröffnen. Die Evaluation geeigneter Räumlichkeiten und die Rekrutierung laufen laut Burgener bereits. Valiant plant am oberen Zürichsee eine Geschäftsstelle mit fünf Kundenberatern. Das Ziel sei eine «durchgehende Abdeckung vom Bodensee bis zum Lac Léman», so der CEO.

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