Verbands-Rochade
Comeback des Jahres: Ex-UBS-Chef Marcel Rohner wird oberster Banker

Der Aargauer soll im September an die Spitze der Bankiervereinigung aufrücken. Er wird den zuletzt geschwächten Korpsgeist in der Branche wieder stärken müssen.

Daniel Zulauf
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Der ehemalige UBS-Chef Marcel Rohner im Januar 2013.

Der ehemalige UBS-Chef Marcel Rohner im Januar 2013.

Sang Tan / AP

Die Mitglieder der Schweizerischen Bankiervereinigung wollen im September Marcel Rohner zu ihrem neuen Präsidenten wählen. Der 57-jährige Aargauer war von 2007 bis 2009 CEO der UBS. Die Staatsrettung der Grossbank fällt in seine Zeit. Rohner ersetzt den bald 70-jährigen Herbert Scheidt, der die Führung des Branchenverbandes 2016 vom Genfer Privatbankier Patrick Odier übernommen hatte. Scheidt ist Präsident der Bank Vontobel, eine Funktion, die er im kommenden Jahr ebenfalls aufgeben wird.

Herbert Scheidt gibt seinen Posten als Bankierpräsident ab.

Herbert Scheidt gibt seinen Posten als Bankierpräsident ab.

Gabriele Putzu / KEYSTONE/TI-PRESS

Rohners Wahl ist eine Überraschung, obschon der Mann seit 2018 im Verwaltungsrat und im Verwaltungsratsausschuss der Bankiervereinigung sitzt. Seit seiner Zeit als UBS-Chef hat der promovierte Ökonom keine operative Funktion in einer Bank mehr ausgeübt. Er ist Vizepräsident der Genfer Vermögensverwaltungsbank UBP und Verwaltungsratsmitglied der Helvetischen Bank in Zürich, die dem Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter gehört.

Rohner sei der Wunschkandidat aller Mitglieder des vierköpfigen Nominationsausschusses gewesen, sagte Scheidt im Gespräch mit unserer Zeitung. «Der Bankenverband will Leute mit einem breiten Erfahrungsschatz in der Bankwirtschaft», erklärte er dessen Berufung. Erfahrungen hat Rohner in der Tat ausreichend gesammelt. «Ich bin mit den Höhen und Tiefen des Bankgeschäfts vertraut», lässt sich der frühere Grossbankchef in der Medienmitteilung zitieren.

Amerikanische Steuerflüchtlinge und Bankgeheimnis

Das offensive Geschäftsgebaren der UBS insbesondere mit amerikanischen Steuerflüchtlingen war mithin verantwortlich für die amerikanische Strafaktion gegen den Schweizer Finanzplatz, unter der die hiesigen Banken rund fünf Milliarden Franken an die US-Justiz überweisen mussten. Der Druck der US-Justiz auf die systemrelevante Grossbank führte auch dazu, dass das Parlament das Bankgeheimnis 2009 im Rahmen einer Lex UBS am Gesetz vorbei aufheben musste.

Selbstredend machte sich die UBS damit keine neuen Freunde in der Schweizer Bankenlandschaft. Doch offensichtlich hat man die Vergangenheit im Verband inzwischen abgehakt. Pictet-Partner Boris Collardi preist Rohners internationale Erfahrung. Damit dürfte er auch dessen politische Gesinnung in Sachen Rahmenvertrag meinen. Die Bankiervereinigung lobbyiert heftig für den umstrittenen Vertrag mit der EU, weil sie sich von diesem einen einfacheren Zugang zum grossen Binnenmarkt verspricht. Allerdings hat Rohner offenbar auch keine Berührungsängste mit EU-Skeptikern, wie sein Engagement bei der Helvetischen Bank nahelegt.

Rohner blieb nach seinem abrupten Abgang bei der UBS im Februar 2009 während längerer Zeit wie vom Erdboden verschwunden. Doch der Schock liess den gefallenen Bankier nicht in Apathie verfallen. Still und leise gründete er in Aargau die Immobiliengesellschaft Löwenfeld, die er im Laufe von mehr als zehn Jahren zu einem Unternehmen mit einem stattlichen Portfolio ausbaute.

Bankiervereinigung verliert Mitglieder

Seine Arbeit blieb in der Immobilienwirtschaft nicht unentdeckt. 2011 nahm er Einsitz im Verwaltungsrat der Basler Immobiliengesellschaft Warteck Invest, deren Präsidium er inzwischen innehat. Mit der Kotierung von Warteck Invest an der Schweizer Börse im Jahr 2018 kam Rohner auch stärker in die Öffentlichkeit zurück.

In seiner künftigen Aufgabe als Verbandspräsident wird Rohner den zuletzt geschwächten Korpsgeist in der Branche wieder stärken müssen. Mit Raiffeisen hat die Bankiervereinigung 2020 ein wichtiges Mitglied verloren. Auch die Kantonalbanken zeigten sich mit der Verbandsarbeit in der jüngeren Zeit nur noch bedingt zufrieden. Rohner sagt von sich selbst, er kenne inzwischen nebst Grossbanken auch mittelgrosse und kleine Institute und dabei habe er die Erkenntnis gewonnen, dass die gemeinsamen Interessen Normalität und die unterschiedlichen Interessenlagen die Ausnahme bildeten. «Ich bin deshalb überzeugt, dass die Bankiervereinigung auch in Zukunft für die Branche als Ganzes viel bewegen kann», sagt Rohner. Ob der Verband mit dem neuen Präsidenten wieder zu mehr Einigkeit findet, bleibt abzuwarten.

Scheidt blickt erstaunlich selbstzufrieden auf seine Arbeit zurück. «Mein Ziel war es gewesen, die Reputation der Branche zu verbessern. Ich denke, das ist mir sehr gut gelungen», meint er im Gespräch. Auch politisch habe der Verband an Gewicht gewonnen, glaubt Scheidt. Diese Diagnose entspricht mit Blick auf die Debatte um das Rahmenabkommen nicht gerade dem Konsens.

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