Kommentar

Verführerische Börsenwelt – die grössten Gefahren werden ignoriert

Die Börsen wurden in den vergangenen Tagen von neuen Impfstoff-Hoffnungen beflügelt. (Archiv)

Die Börsen wurden in den vergangenen Tagen von neuen Impfstoff-Hoffnungen beflügelt. (Archiv)

Anleger tun gut daran, in diesem scheinbar gefahrlosen Umfeld besonders vorsichtig zu bleiben.

Auch das Aktienjahr 2020 geht mit einer positiven Note zu Ende. Es ist das neunte von zwölf Börsenjahren seit der Finanzkrise, in dem Schweizer Aktien eine im Durchschnitt positive Rendite abgeworfen haben. Per Saldo ist der Wert von Aktien seit jener Krise um rund 10 Prozent im Jahr oder fast doppelt so schnell gestiegen wie im historischen Mittel.

Der Grund ist bekannt: Die Notenbanken halten seit mehr als einer Dekade die Zinsen bei null. Und wenn die Wirtschaft dennoch in Schwierigkeiten gerät, wie jetzt gerade in der Pandemie, greifen die Regierungen mit billionenschweren Hilfsprogrammen ins Geschehen ein.

Es gibt keine konkreten Hinweise, dass sich daran schnell etwas ändern könnte. Deshalb rechnen die meisten Auguren auch für 2021 mit einer Fortsetzung der Aktienhausse. Doch wir alle tun gut daran, in diesem scheinbar gefahrlosen Umfeld besonders vorsichtig zu bleiben.

Die grössten Risiken in den Märkten werden derzeit ignoriert oder kleingeredet. Zum Beispiel die hohen Schulden vieler Staaten und Unternehmen. Gewiss, Schuldenberge sind vielleicht ein kleineres Problem, solange sie nichts kosten.

Doch kann das so bleiben, wenn die Notenbanken, etwa zum Schutz der eigenen Währung, irgendwann doch noch aufhören müssen, mehr Schuldpapiere der eigenen Regierung anzuhäufen? Das ist nur eines von vielen weniger verführerischen Szenarien, über die wir alle nochmals nachdenken sollten, bevor wir zum nächsten Aktiengeschäft schreiten.

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