Wirtschaft

Versicherer sollen Dividenden streichen - Schweizer Firmen ignorieren Forderung

Die Aktionäre der Zurich erhielten ihren Gewinnanteil bereits am Donnerstag.

Die Aktionäre der Zurich erhielten ihren Gewinnanteil bereits am Donnerstag.

Die Forderung der Europäischen Aufsichtsbehörde, im Zug der Coronakrise auf Ausschüttungen zu verzichten, findet in der Schweiz noch keinen Widerhall.

Europäische Versicherungsunternehmen sollen vorläufig keine Dividenden mehr ausschütten, ihre Aktienrückkaufprogramme aussetzen und auch die Bonus-Zahlungen für das Management überprüfen. Mit dieser dringenden Aufforderung hat die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa am Freitag zahlreiche Investoren auf dem falschen Fuss erwischt.

Die Aktien vieler Versicherungsunternehmen musste markante Kursverluste einstecken, nachdem verschiede Länder- Aufsichtsstellen, der Empfehlung der supranationalen Behörde Nachdruck verliehen hatten.

In Frankreich verloren die Aktien des Allbranchenversicherers Axa nahezu 5 Prozent. Auch in Niederlanden gingen die Assekuranz-Valoren am Freitag deutlich tiefer aus dem Handel. Die niederländische Zentralbank hatte sich dezidiert hinter die Forderung der Eiopa gestellt. In Grossbritannien ermahnte die Bank of England die lokalen Versicherer zu einer «umsichtigen» Ausschüttungspolitik.

UBS zahlte 2,6 Milliarden Franken aus

In Deutschland gab die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht dagegen eine teilweise Entwarnung. Ein «pauschales Ausschüttungsverbot» sei «derzeit nicht geboten», erklärte das Bafin in einer Mitteilung. Allerdings betonten auch die deutschen Asssekuranz-Aufseher schon vor Wochenfrist, dass die Versicherer von Aktienrückkäufen Abstand nehmen und die Auszahlungen von Dividenden, Gewinnen und Boni «sorgfältig abwägen» sollten.

Ähnlich hat sich in den vergangenen Tagen auch Mark Branson, Direktor der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht, geäussert. «Starke Institute, die freiwillig ihre Ausschüttungen beschränken oder verschieben, werden im Interesse ihrer Kunden länger stark bleiben», sagt er nicht zuletzt auch mit Blick auf die Banken und insbesondere auf die UBS, welche die Ausschüttung von 2,6 Milliarden Franken an die Aktionäre unbeirrt von den warnenden Tönen der Aufseher auszuführen gedenkt.

Solvenzquoten haben sich verschlechtert

Auch die Versicherer in der Schweiz machen bislang keine Anstalten, ihre Ausschüttungen zu kappen oder in die Zukunft zu verschieben. Am Donnerstag haben die Aktionäre der Zurich den Gewinnanteil erhalten, den die Generalversammlung vom vergangenen Montag auszuschütten beschlossen hatte. Verteilt wurden nahezu 3 Milliarden Dollar. Auch die Swiss Life und andere Versicherer planen in den kommenden Wochen Ausschüttungen in Rekordhöhe.

Bedenken hegt die Aufsicht insbesondere mit Blick auf die herben Verluste, welche die Versicherer im Zug der jüngsten Verwerfungen auf den Finanzmärkten auf ihren Kapitalanlagen erlitten hatten. Vor allem die Lebensversicherer haben das Problem, dass sie viel Kapital bewirtschaften und dieses an den Märkten investieren müssen.

Zur Deckung der Wertschwankungsrisiken dieser Kapitalanlagen müssen die Lebensversicherer hohe Reserven vorhalten. Die Aufsichtsbehörden überwachen die Höhe dieser Reserven, damit die Versicherer jederzeit ihren Leistungsverpflichtungen nachkommen können. Zum Jahresende lagen die sogenannten Solvenzquoten weit über dem historischen Mittel. Mit den Kurseinbrüchen an den Börsen haben sich die Werte allerdings verschlechtert.

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