Staatsanwaltschaft Zürich

Versteckte Pleitier Erb Geld in Deutschland?

Christian Erb: Er ist einer der beiden Söhne des Firmengründers Hugo Erb.

Versteckte Pleitier Erb Geld in Deutschland?

Christian Erb: Er ist einer der beiden Söhne des Firmengründers Hugo Erb.

Christian Erb, einer der hoch verschuldeten Söhne des einstigen Winterthurer Erb-Familienimperiums, hat wahrscheinlich Geld und Goldbarren im Wert von fast 2 Millionen Franken bei deutschen Banken versteckt. Darauf deutet ein detaillierter Polizeibericht aus Deutschland hin.

Sabina Sturzenegger

Der Kollaps des Erb-Imperiums aus Winterthur wird als die zweitgrösste Firmenpleite in der Geschichte der Schweizer Wirtschaft bezeichnet: 2003 war das undurchsichtige Firmengeflecht der Familie Erb überschuldet zusammengekracht. Es hatte unter anderem aus Garagen, dem Kaffeehändler Volcafé, dem Küchenbauer Bruno Piatti und dem Fensterproduzenten Ego Kiefer bestanden. Zurück blieben viele Gläubiger, die Milliardenverluste hinnehmen mussten.

Der 2003 verstorbene Hugo Erb sowie dessen Söhne Rolf und Christian hatten jahrelang Bilanzen manipuliert. Seit 2004 ermittelt die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte in Zürich gegen Christian und Rolf Erb.

Jetzt zeigt sich, dass höchstwahrscheinlich Christian Erb einen Teil seines Vermögens in Geld und Gold vor seinen Gläubigern versteckt hat. Dies lässt ein Auszug aus der polizeilichen Kriminalitätsstatistik des Landkreises Waldshut vermuten, der dieser Zeitung vorliegt.

Im so genannten Kriminalitätslagebericht der Polizeidirektion Waldshut-Tiengen heisst es, die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich führe ein Ermittlungsverfahren gegen «einen 50-jährigen Schweizer wegen Bankrottdelikten, Insolvenzdelikten, Untreue, Betrug und Urkundenfälschungen». Im Dokument steht weiter: «Der Beschuldigte ist Miterbe eines Schweizer Firmenimperiums in Winterthur, welches zu Spitzenzeiten einen Jahresumsatz von über 4 Milliarden Schweizer Franken erzielte.» Das Firmenkonglomerat sei «wegen Fehlinvestitionen und Devisenspekulationen in wirtschaftliche Schieflage» geraten. Alle diese Angaben treffen auf die Ereignisse bei der Erb-Gruppe in eklatanter Weise zu und passen zum jüngeren der Erb-Brüder, Christian.

Durchsuchungen bei Banken

Auch Details zu den Ermittlungen sind aus der Statistik bekannt: Am 16. Dezember 2009 machte die Polizei bei vier Banken im deutschen Landkreis Waldshut-Tiengen Durchsuchungen. «Aufgrund einer Geldwäschereiverdachtsanzeige wurde bekannt, dass der Beschuldigte (…) verschiedene Konten und Schliessfächer auf seinen Namen unterhält», heisst es. Folgende Vermögenswerte stellte die Polizei sicher:

  • 1'405'000 Franken in Tausendernoten,
  • 19,39 Kilogramm Gold in Münzen und Barren sowie
  • 20'044 Euro auf Bankkonten.

Die für den Erb-Fall zuständige Staatsanwältin des Kantons Zürich, Susanne Leu, wollte gestern diese Informationen nicht kommentieren und verwies darauf, dass es sich beim Fall Erb um ein laufendes Verfahren handle. Gegenüber dem «SonntagsBlick» bestätigte sie im Dezember, dass die Staatsanwaltschaft gegen Christian und Rolf Erb Anklage erheben will. Bis ein Urteil gefällt ist, gilt für die beiden die Unschuldsvermutung.

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