Telekom
Versteckte Wachstumsperle: Swisscom-Tochter rüstet Ceneri-Tunnel aus

Swisscom wächst – aber nicht unbedingt dort, wo man es vermuten würde: Ein Konsortium unter der Leitung der Swisscom-Tochtergesellschaft Cablex hat den Auftrag für die Installation der Bahntechnik für den Ceneri-Basistunnel gewonnen.

Matthias Niklowitz
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Ceneri-Tunnel: Swisscom-Tochter Cablex rüstet aus.Keystone

Ceneri-Tunnel: Swisscom-Tochter Cablex rüstet aus.Keystone

Der Ceneri-Tunnel bildet das zweitgrösste Teilprojekt der Neat. Das 138 Millionen Franken grosse Projekt umfasst etwa die Bereitstellung von Kabel-, Telecom- und Funkanlagen, den Einbau von Fahrleitung und Stromversorgung sowie der Automatisationssysteme. Der Einbau der Bahntechnik erfolgt ab 2016. Das nach dem Gotthard-Basis-Tunnel grösste Teilstück der Neat soll im Jahr 2019 den Betrieb aufnehmen.

Basis für Standortvorteile

Damit geht die Erfolgsgeschichte bei Cablex weiter. Bereits der Auftrag für die Verkabelung der Zürcher Durchmesserlinie landete in den eigenen Büchern. Die Tochtergesellschaft ist eines der vielen Unternehmen, die Swisscom im Laufe der letzten zehn Jahre aufgebaut oder zusammengekauft hat.

Anders als viele andere Swisscom-Tochtergesellschaften expandiert Cablex: Man baut nicht nur für den Mutterkonzern Leitungen. Auch die Kunden aus den Branchen Energie und Transport werden immer wichtiger. «Vom Telekomgeschäft unterscheiden sich diese Leitungen vor allem hinsichtlich der Durchmesser», sagt Cablex-CEO Hans-Peter Legler. «Aber Qualität und Zuverlässigkeit sind in allen drei Bereichen extrem wichtig – sie bilden den Kern der Infrastruktur in der Schweiz und legen die Basis für viele Standortvorteile.»

Zwar habe Legler auch «das Glück des Tüchtigen» auf seiner Seite, wie er sagt. Aber der Erfolg war nicht absehbar. Denn Cablex war 2010 noch ein Turnaround-Kandidat, der erst einmal mit den verbreiteten Turnaround-Rezepten saniert worden wäre: Stellenkürzungen, Kosteneinsparungen und Fokussierung auf die Kernkompetenzen bilden die üblichen Schritte. Legler und sein Führungsteam machten genau das Gegenteil: Sie entwarfen eine Expansionsstrategie, bauten die Organisation um, kümmerten sich um die Arbeitsprozesse und stellten Fachleute ein.

Innert dreier Jahre vervierfachte sich der Mitarbeiterbestand, wenn die externen Fachleute mit hinzugezählt werden. Und Legler gelangen diplomatische Kunststücke, die erklären, warum Swisscom die Erfolge der Tochter nicht an die grosse Glocke hängt: Für den Kabelnetzbetreiber UPC Cablecom baut Cablex beispielsweise Teile des Hochgeschwindigkeitsnetzes. Für den Konkurrenten Sunrise verbindet Cablex inzwischen 431 LTE-Mobilantennenstand- orte mit Breitbandleitungen. Und bei Orange unterstützt Cablex den strategischen Orange-Partner Ericsson beim Qualitätsmanagement.

Ericsson ist aber gleichzeitig auch Swisscom-Mobile-Lieferant für die Mobilkommunikationsausrüstung. «Solche nicht exklusiven Verhältnisse, wie man sie weltweit sieht, prägen zunehmend auch die Wettbewerbslandschaft in der Schweiz», sagt Legler, der als einer der wenigen Swisscom-Manager Etappen seiner beruflichen Laufbahn ausserhalb der Schweiz in globalen Konzernen wie Siemens und IBM gemacht hatte, weiter. Der Wettbewerb im Telekomumfeld, bei dem das Kerngeschäft seit Jahren überall schrumpft, verlagere sich zunehmend auf neue Allianzen und Gebiete, wo die klassischen Telekom-Erfahrungen wie Leitungsbau und hundertprozentige Zuverlässigkeit auch auf andere Branchen wie Energie oder Transport übertragen werden können.

Möglicher Schloter-Nachfolger

«Prinzipiell sind solche Turnaround-Strategien auch auf den ganzen Konzern übertragbar», sagt Legler auf die Frage nach seinen beruflichen Aspirationen. Die «Schweiz am Sonntag» hatte vor drei Wochen gemeldet, Legler gehöre zu den Kandidaten für die vakante CEO-Position beim Swisscom-Konzern. Legler selbst hält sich bei dem Thema bedeckt. «Das ist Sache des Verwaltungsrats, denn es ist nicht nur die Person des CEO oder die Strategie, die entscheiden – es kommt auch immer auch das richtige Team an.»