Wirtschaft

Versteigerungen bei ebay, das scheint simpel: Jetzt erhielten zwei Wissenschafter ihre Forschung dazu den Nobelpreis

Wirtschaftsnobelpreis-Träger 2020: Paul Milgrom, links, and Robert Wilson

Wirtschaftsnobelpreis-Träger 2020: Paul Milgrom, links, and Robert Wilson

Der Nobelpreis in Ökonomie geht an zwei Auktionstheoretiker, die in der Praxis nur Skischuhe ersteigert haben.

Die Arbeiten der diesjährigen Nobelpreisträger zeigen unter anderem: Die Liberalisierung der Telekommunikation – von welcher die Kunden enorm profitiert haben – war ein hochgradig komplexes Unterfangen. Die Amerikaner Robert Wilson und Paul Milgrom haben mit neuen Theorien wichtige Grundlagen geliefert und dafür Auktionen neu designt.

So wie Ingenieure Brücken entwerfen für einen bestimmten geografischen Standort. Nun haben sie für ihre Beiträge an die Auktionstheorie den Wirtschaftsnobelpreis erhalten.

Als die Telekommunikation liberalisiert werden sollte, war das ein Beschluss des amerikanischen Kongresses. Die Arbeiten von Milgrom trugen auf zweierlei Weise zum Gelingen bei, wie der Wirtschaftsprofessor Florian Scheuer von der Universität Zürich erklärt, der an der Universität Stanford mit den Nobelpreisträgern zusammengearbeitet hatte: Der Staat konnte viel mehr Geld verdienen an den Versteigerungen von Radiofrequenzen. Der Steuerzahler wurde entlastet.

Und diese Frequenzen wurden effizienter verteilt, sodass es nicht zu Überlappungen kam, die später hätten stören können. Davon profitierten die Telekom-Kunden. Das Design wurde später übernommen in anderen Ländern: Spanien, Kannada und Grossbritannien.

Auktionen helfen, die richtigen Käufer zu finden

Radiofrequenzen haben keinen einfach erkennbaren Preis, so wie viele andere Güter auch. Etwa Kunst oder die Rechte zur Ausbeutung von Rohstoffen. Plattformen wie Ebay greifen zu Auktionen, um Verkäufe zu ermöglichen. Google versteigert Werbeplätze neben den Suchergebnissen.

Durchbrüche in der Auktionstheorie haben geholfen, solche Auktionen zu verbessern. Davon hat nicht nur der Verkäufer etwas. Bessere Auktionen helfen dabei, dass der richtige Käufer zum Zug kommt. Nämlich jener, der am meisten anfangen kann mit dem versteigerten Gut – und damit im Idealfall auch das Beste für die Gesellschaft macht.

Doch es gibt auch Kritik an der Arbeit von Milgrom, wie Professor Scheuer sagt. Eine Kritik lautet, ihr Design habe damals nicht das Optimum für den amerikanischen Staat herausgeholt. Noch höhere Einnahmen wären durchaus möglich gewesen.

Und die kleine Gemeinschaft von Auktionsspezialisten sei manchmal arg klein. Ein Auktionsspezialist berät in einer Auktion den Verkäufer, in der nächsten Auktion dann sogleich einen Käufer. Oder ein Spezialist berät mögliche Käufer, sein guter Kollege den Verkäufer.

Auf die Nachtruhe künftiger Preisträger nimmt das Komitee anscheinend keine Rücksicht. Es rief die beiden Ökonomen an, als es an deren Wohnort an der US-Westküste mitten in der Nacht war. Weshalb wenig überraschend zunächst keiner der beiden den Anruf annahm.

Aus dem Schlaf geklopft vom Kollegen Preisträger

Paul Milgrom erfuhr darum erst Minuten vor der öffentlichen Bekanntgabe von der Verleihung. Sein Kollege Wilson, der an der gleichen Strasse wohnt, hatte ihn aus dem Schlaf geklopft.

Wilson wurde an der Verleihung telefonisch gefragt, ob er selber jemals etwas an einer Versteigerung gekauft habe. Nein, war die erste Antwort, die er sogleich korrigierte. Seine Frau habe ihn eben darauf hingewiesen. «Wir haben Skischuhe auf Ebay gekauft.»

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