Stiftemacher
Von Moos' Wandel vom Stahlbaron zum Stiftemacher

Der ehemalige Stahlbaron André von Moos verkauft heute exklusive Füllfederhalter. Seine Produkte, die er im höheren Preissegment angesiedelt hat, finden grossen Anklang.

Sven Millischer
Drucken
Stiftemacher André von Moos

Stiftemacher André von Moos

Chris Iseli

Der Mann hat Stil. Handgenähter Massanzug, blaue Seidenkrawatte samt Einstecktuch, braune Kalbslederschuhe. Er sei ein Ästhet. «Ich habe Freude an schönen Dingen», sagt André von Moos von sich. Und was der Spross einer Zentralschweizer Unternehmerfamilie am Leib trägt, stellt er auch selber her: «Wir beschäftigen Schneider in Luzern und Oberitalien.» Die Anzüge gibt es ab 3000 Franken.

Man besuche die gut betuchte Kundschaft vornehmlich zu Hause, um Mass zu nehmen. «Diese Leute haben schlicht keine Zeit, im Laden einkaufen zu gehen», sagt der 63-jährige Unternehmer.
Seine neuste Geschäftsidee: ein Füllfederhalter für Parvenüs. Sieben Jahre und 150 000 Franken hat er in die Entwicklung investiert. Als Fantast habe man ihn in der Schreibwarenbranche verschrien, doch von Moos liess sich davon nicht beirren: «Auch wenn die kurzfristige Rendite nicht im Vordergrund ist, Geld verlieren möchte ich damit nicht.»

Die weiblichen Designformen des Schreibgeräts seien der italienischen Leinwandgöttin Sophia Loren nachempfunden.
Geklotzt, nicht gekleckert
Naher und Ferner Osten, Asien: So grenzt der umtriebige Luzerner den künftigen Markt und die potenzielle Kundschaft ein. Denn verkauft hat von Moos noch keinen einzigen Stift. Das Echo an der Uhren- und Schmuckmesse in Basel sei indes durchwegs positiv: «Insbesondere von Leuten aus jenen Kulturkreisen, die es gerne haben, wenn sie sich abheben können.»

Auch die Preise sind zum Abheben. Zwischen 8000 und 12 000 Franken kostet der Füllfederhalter Marke von Moos.
Bei dessen Herstellung durch hiesige Partnerfirmen wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Mit 180 Diamanten ist das Schreibgerät versetzt, hat eine Hightech-Feder aus dem Schwarzwald und einen Griff aus feinstem Tropenholz. Holz bildet denn auch die Grundlage der Geschäftsidee.

So besitzt der Unternehmer zusammen mit seinem Bruder seit fünfzehn Jahren 300 Hektaren Mischwald in Costa Rica. Das dort nachwachsende Edelholz, das mit dem Siegel FSC zertifiziert ist, verarbeite man in der angrenzenden Sägerei zu Massivparkett - jenen Bodenbelägen, mit denen von Moos in der Schweiz die Villen der Schönen und Reichen ausstaffiert. Ein weiteres Luxushandwerk, das der Vater dreier Kinder erfolgreich pflegt.
Mit jedem Parkettbrett indes, das in der costa-ricanischen Sägerei entsteht, fallen auch Holzreste an. Diese wollte der findige Unternehmer nutzen und zu Füllfedergriffen weiterverarbeiten.

Nach missglückten Versuchen mit dortigen lokalen Handwerksbetrieben brach von Moos die Übung ab und kauft fortan die Griffe ein. Aber: Die Idee für die Luxusstifte war geboren und lässt ihn seither nicht mehr los.
In der Nische stark
Seine Firmen seien im Kleinen ein Abbild dessen, was die Schweiz heute auf den globalen Märkten leisten könne, um zu überleben, sagt er. Ob Massanzüge, Füllfederhalter oder Parkettböden: André von Moos pflegt jetzt die qualitative, hochpreisige Nische.

Das war früher anders, in seiner Zeit als Stahlproduzent: «Wir konnten am Ende nur noch über den Preis den Stahl verkaufen», erinnert sich von Moos. 1997 war Schluss. Auf Druck der Banken musste die Giesserei in Emmenbrücke mit Von Roll zu Swiss Steel verschmelzen. Die Familie von Moos verlor die Stimmenmehrheit, die Stahldynastie musste abdanken.
Ein Bruch sei das gewesen, aber nicht das Ende, sagt von Moos im Rückblick, ohne verbittert zu wirken. In der ersten Zeit sei die Ernüchterung zwar gross gewesen. «Ich dachte, ich hätte viele Freunde - aber am Ende stand ich alleine da.» Er habe den Familienstatus mit der Person verwechselt.

Das sei schmerzhaft gewesen, aber lehrreich. Nach zwei Jahren fasste er neuen Mut. Heute verwaltet von Moos keinen 250-Millionen-Umsatz mehr, sondern einen Bruchteil davon. Aber die Begeisterung für das Unternehmertum ist geblieben. «Heute bin ich draussen auf der Baustelle und schaue, dass die Löhne gezahlt werden.» Sagts und fügt an, er habe sich extra für die Baselworld in Schale geworfen: «Im Auto liegen Stiefel und Übergwändli.»

Aktuelle Nachrichten