Credit Suisse

Wehe dem, den das «Peter-Prinzip» einholt

Grossbanken sind Schlangengruben. Geprägt von der Gier nach dem schnellen Bonus. Im Bild CS-Ceo Tidjane Thiam.

Grossbanken sind Schlangengruben. Geprägt von der Gier nach dem schnellen Bonus. Im Bild CS-Ceo Tidjane Thiam.

In seiner Analyse zur grossen Personalrochade bei der Credit Suisse urteilt Wirtschaftsredaktor Roman Seiler scharf über die Grossbanken: Sie sind Schlangengruben. Geprägt von der Gier nach dem schnellen Bonus.

Thomas Gottstein war lange der beste golfende Manager. Aktuell liegt er auf der «Bilanz»-Liste auf Platz drei. Dafür ist Gottstein nun von CEO Tidjane Thiam an die Spitze der Schweizer Einheit der Credit Suisse (CS) gehievt worden.

Hoch über dem Zürichsee lassen sich beim Golfen trefflich Geschäfte anbahnen, zählen doch betuchte Unternehmer wie beispielsweise Ex-Denner-Chef Philippe Gaydoul zu den Mitgliedern. Genau das ist die Klientel, die Gottstein an seine Bank binden soll. Einer seiner Kunden ist der Schweizer Milliardär Hansjörg Wyss. Gottstein war als Investmentbanker dabei, als Grossaktionär Wyss die Medtechfirma Synthes an Johnson & Johnson verkaufte.

Genau wegen dessen Netzwerk sei der nur Branchenexperten bekannte Gottstein der Richtige, um die Schweizer zu führen, sagen Bankinsider. Der 51-Jährige ist seit 1999 bei der CS. Seit knapp zwei Jahren ist er zuständig für das Geschäft mit in der Schweiz wohnhaften Superreichen. Externe Stimmen lassen hingegen kein gutes Haar an Thomas Gottstein.

So ist es halt, wenn man in die Konzernleitung aufsteigt. Grossbanken sind Schlangengruben. Geprägt von der Gier nach dem schnellen Bonus, von Missgunst und der Angst, vom Karriere-Karussell abzufliegen. Daher ist die Branche geradezu prädestiniert, um das «Peter-Prinzip» zu erklären. Der Klassiker der Management-Theorie lautet: Angestellte steigen so lange auf, bis sie die Stufe der absoluten Unfähigkeit erreicht haben.

Lehrstunde mit Ex-UBS-Chef Marcel Rohner

Eine Lehrstunde dafür war die Befragung von Ex-UBS-Chef Marcel Rohner im Januar 2013 durch einen britischen Parlamentsausschuss zur Libor-Affäre. Dabei gestand Rohner ein, er sei ab Herbst 2007 völlig überfordert gewesen. Dass UBS-Mitarbeiter den Leitzins manipuliert hatten, habe er aus den Medien erfahren.

Der UBS-Verwaltungsrat kürte den damaligen Private-Banking-Chef Rohner im Sommer 2007 überraschend zum CEO, weil man sich mit Peter Wuffli überworfen hatte. Obwohl man gemäss gut unterrichteten Beobachtern gewusst habe, dass Rohner kein Entscheider sei. Kurz danach überrollte ihn die Finanzkrise. Der Zusammenbruch des Markts mit US-Ramschhypotheken überraschte das oberste Management völlig. Das «Peter-Prinzip» hatte zugeschlagen. Rohner wurde im Frühling 2009 abgelöst.

Nicht jeder Unbekannte scheitert, wenn er ganz oben steht

Andersrum verlief die Karriere Jürg Zeltners. Der Private-Banking-Chef der UBS kam 2009 in diese Position, weil erst Rohner nach ganz oben befördert wurde. Dann nahmen die US-Amerikaner dessen Nachfolger vom Spielfeld, weil sie ihn wegen der Betreuung von Steuersündern anklagten. Krisengewinner Zeltner werden zwar immer mal wieder alte Geschichten aus der Zeit des Bankgeheimnisses angelastet. Bisher folgenlos. Seine Einheit trägt seit 2010 jährlich mehr als 2 Milliarden Franken zum Vorsteuergewinn bei.

Überraschend war auch, als CS-Chef Oswald Grübel den Investmentbanker Walter Berchtold 2004 an die Spitze der Vermögensverwaltung beorderte. Berchtold musste 2011 seinen Stuhl räumen, weil ihm nicht zugetraut wurde, einen Turnaround durchzuziehen, wie er bei der Integration der Clariden Bank in die CS nötig geworden war. Daher ersetzte man ihn durch den hemdsärmeliger agierenden Schweizer Retailchef Hans-Ulrich Meister. Dem wiederum wurde zum Verhängnis, seine Einheit nicht wirklich auf Vordermann gebracht zu haben.

Nun muss Meister seinen Stuhl an einen Manager abtreten, den er vor zwei Jahren in seine Einheit geholt hat.

Die Latte für Thomas Gottstein liegt hoch: Er muss den Vorsteuergewinn innert drei Jahren von 1,6 Milliarden Franken auf 2,3 Milliarden Franken erhöhen. Angesichts des konjunkturellen Umfelds, den tiefen Zinsen und der Konkurrenzsituation ist das ein beinhartes Unterfangen. Gleichzeitig soll er knapp zehn Prozent aller Stellen abbauen. Obwohl dies den Laden lähmt, gilt es das Tempo hochzuhalten: Gottstein muss die Bank bis Ende 2017 so herausputzen, dass ein Teil davon an die Börse gebracht werden kann.

roman.seiler@azmedien.ch

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