Werbekampagne

«Welche Bank war schön brav?» – Bank Coop macht sich lächerlich

«Welche Bank war auch in diesem Jahr schön brav?», fragt die Bank Coop im Dezember 2007. Im Jahr 2014 gibts bestimmt kein Mandarinli vom Samichlaus. Nebenan: «Eine anständige Bank», meint Bank Coop in Zusammenhang zur alljährlichen 1.-Mai-Feier.

Realsatire pur

«Welche Bank war auch in diesem Jahr schön brav?», fragt die Bank Coop im Dezember 2007. Im Jahr 2014 gibts bestimmt kein Mandarinli vom Samichlaus. Nebenan: «Eine anständige Bank», meint Bank Coop in Zusammenhang zur alljährlichen 1.-Mai-Feier.

Es ist stets dieselbe Botschaft, welche die Bank Coop in Werbekampagnen vermittelt: Wir sind keine Bank wie jede andere, wir sind noch anständig und fair. Seit der Finma-Rüge fühlt man sich als Sujet-Betrachter veräppelt – oder bestens unterhalten.

Neben dem Logo der Bank Coop sind stets die Worte «Fair Banking» zu lesen. Das Versprechen ist gar auf Swissreg, der Markendatenbank des Eidgenössischen Instituts für Geistiges Eigentum, als Teil der Marke eingetragen.

Seit Mittwochmorgen ist bekannt, dass die Bank Coop den Begriff «fair» in der Vergangenheit etwas eigenwillig interpretiert hat: Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) rügt die Bank wegen jahrelanger Kursmanipulation. Der ehemalige CEO Andreas Waespi erhält gar ein Berufsverbot von drei Jahren – und wird nun nicht Direktionspräsident der Aargauischen Kantonalbank (AKB).

Durch die Finma-Rüge und dem Berufsverbot für den ehemaligen CEO erhält das Image der Bank Coop einen argen Kratzer. Die originellen Werbekampagnen der Vergangenheit und Gegenwart wirken gar wie Realsatire.

Denn auf den Plakaten und Imagevideos wird stets betont, dass die Bank Coop keine Bank sei wie jede andere. Nein, im Gegensatz zum Rest der Finanzbranche – die bekanntlich nicht den besten Ruf hat – sei die Bank Coop noch anständig und fair.

Lanciert wurde das Werbe-Motto «Wir sind anders als die anderen» bereits 2003.

Damals hatte die Bank Coop noch einen relativ kleinen Bekanntheitsgrad – und die Schweizer Grossbanken standen wieder einmal in der Kritik, weil sie Gelder von Diktatoren horteten. Mit folgendem Plakat versuchte die Bank Coop, von den Skandalen der anderen zu profitieren:

Die Diktatoren-Werbung der Bank Coop im Jahr 2003: «Wir sind stolz darauf, dass nicht jedermann ein Konto bei uns hat.»

Die Diktatoren-Werbung der Bank Coop im Jahr 2003: «Wir sind stolz darauf, dass nicht jedermann ein Konto bei uns hat.»

Die Botschaft der Bank Coop war klar: Wir haben noch Anstand, uns geht es nicht nur ums Geld. Mit diesem Image spielten sie vor den alljährlichen 1.-Mai-Krawallen auch in einer Zürcher Filiale:

«Eine anständige Bank» meint Bank Coop.

«Eine anständige Bank» meint Bank Coop.

Seit 2007 bewirbt die Bank Coop seine Werte mit kunstvoll gefalteten Banknoten im Origami-Stil. Die Grundaussage ist dieselbe geblieben. Besonders (un-)passend ist angesichts des Vorwurfs jahrelanger Kursmanipulation folgendes Sujet:

«Wir sprechen nicht nur über die Chancen an der Börse. Sondern auch über die Risiken.»

«Wir sprechen nicht nur über die Chancen an der Börse. Sondern auch über die Risiken.»

Der ehemalige CEO Andreas Waespi, der sich mit einem dreijährigen Berufsverbot konfrontiert sieht, kann von den Risiken an der Börse nun ein Liedchen singen. Und der Gang vor den Samichlaus dürfte ihm – genau gleich wie der Bank Coop als Ganzes – auch schon leichter gefallen sein ...

Samichlaus: Welche Bank war auch in diesem Jahr schön brav?

Samichlaus: Welche Bank war auch in diesem Jahr schön brav?

Die neueste Kampagne der Bank Coop wurde erst vor einigen Wochen lanciert. In ihr setzt die Bank abermals auf Fairness und Transparenz. Verdeutlicht wurde das mit 250 transparenten Plakaten in der ganzen Schweiz:

«Die Bank Coop ist transparent»

«Die Bank Coop ist transparent»

Seit heute Mittwoch wissen wir, dass die Geschäfte der Bank Coop in der Vergangenheit nicht immer so transparent waren, wie die Werbung vermuten lässt.

Und wir wissen auch, dass selbst die besten Werbekampagnen zur Lachnummer werden können – seien sie auch noch so gut und originell, wie all jene, welche die Zürcher Werbeagentur Ruf Lanz in den letzten Jahren für die Bank Coop realisiert hat.

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